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Böttcher/-in Lass uns ein Fass machen!

Sie heißen Böttcher, Büttner, Schäffler, Kübler, Fassbinder oder Fassküfer - je nach Region. So oder so ist es ein Handwerk wie kein zweites - das Fassmachen. Schon zu Römerzeiten gab es Holzfässer.

Stand: 10.03.2015

Seit anderthalb Jahrzehnten geht es mit den Böttcherbetrieben wieder aufwärts. Nach einer Phase, in der Kunststoffbehälter die Zukunft schienen, erlebt das Material Holz seine Wiedergeburt. Seit das Barrique-Fass auch bei uns in Mode gekommen ist, haben die wenigen Betriebe dieses seltenen Handwerks wieder Aufträge. Das eher kleine Fass gibt bei der Lagerung einen typischen Geschmack an den Wein ab, der sehr beliebt ist. Allerdings stellt der Böttcher auch wesentlich größere Fässer her mit mehreren tausend Litern Volumen. Ein halbes Jahrhundert Lebenszeit für ein solches Fass ist keine Seltenheit. Sollte eine Daube mal undicht werden, kommt der Böttcher zur Reparatur und bessert sie aus. Holz hat Vergangenheit und Zukunft.

Geschick, Kraft und Kondition

Holz wird erhitzt

Die Produktion eines Fasses hat viele Schritte. Es beginnt mit dem Zusägen der Bretter und der Lagerung des Holzes. Später stellt der Böttcher die Reifen aus Eisen her, die über das Fass gestülpt und fest gehämmert werden. Das Fass wird schließlich gebogen. Dann kommen die über hundert Kilogramm schweren Böden rein. Ohne Geschicklichkeit, Kraft und Kondition geht es nicht. Ein erheblicher Teil der Arbeit findet im Freien statt - bei großer Hitze genauso wie bei frostiger Kälte. Wichtig ist ein räumliches Vorstellungsvermögen, wenn der Böttcher z. B. mit dem sogenannten Stangenzirkel ein Oval auf den Boden zeichnen muss, damit dieser genau zugesägt werden kann.

"Der Kunde sucht wieder mehr die Tradition. Innerhalb dieser ganzen Globalisierung und Industrialisierung wünscht sich der Kunde einfach wieder, dass es traditionell wird - nicht nur vom Visuellen her, sondern auch das ganze Gefühl im Wein. Und da gehört einfach ein Holzfass dazu."

Peter Schreiber, Winzer aus Rheinland-Pfalz

Nicht ganz ungefährlich

Fass aus Pfälzer Eiche

Gelegentlich gibt es auch Anfragen nach anderen Gefäßen wie Bottichen und Kübeln. Sonderwünsche wie den nach einer ganzen Badewanne aus Dauben werden auch erfüllt. Insofern verlangt die Tätigkeit nach einer gewissen Flexibilität, wenn auch in den meisten Fällen das Fass dominiert. Immer jedenfalls ist der Job nicht ganz ungefährlich. Es wird an und mit Maschinen gesägt, gefräst, gehämmert, geschliffen, gebohrt und gehobelt. Besonders an den Sägemaschinen ist Vorsicht geraten. Also: nicht einfach rein in den Beruf, sondern informieren!

Gute Stellenaussichten

Weinkeller

Die Stellenaussichten sind augenblicklich gut, wenn die Stellenanzahl insgesamt auch sehr begrenzt ist. Die wenigen Betriebe, die Fässer herstellen, haben Aufträge und könnten zum Teil noch Fachkräfte einstellen. Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Die Berufsschule befindet sich allerdings in Österreich, wo man einmal für zehn Wochen eine Blockausbildung bekommt. Die Bezahlung in der Ausbildungszeit liegt im mittleren Bereich der Handwerksberufe. Später als Geselle hängt der Lohn direkt davon ab, was der einzelne Betrieb zu zahlen bereit ist. Besonders üppig sind die Gehälter nicht.

"Man sollte 'nen guten Hauptschulabschluss haben, einigermaßen rechnen können, körperlich gut belastbar sein und gern mit dem Werkstoff Holz arbeiten."

Matthias Streib, Azubi

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Böttcher/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Handwerksbetrieb und Berufsschule (Schule in Österreich)
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Einzelne Handwerksbetriebe und Berufsschule
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzung. Ein guter Hauptschulabschluss erleichtert die Bewerbung.
  • Eignung: handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Kraft und Kondition, Gespür für Material.
  • Perspektiven: Böttcher können sich weiter spezialisieren. Das Spektrum reicht von der Herstellung und Instandhaltung unterschiedlicher Behälter und Gefäße aus Holz, Metall oder Kunststoff bis zu einzelnen Aufgaben innerhalb des Fertigungsprozesses wie Entwurf, Verarbeitung, Montage und Oberflächenbehandlung. Letztlich gibt es auch die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und einen eigenen Betrieb zu gründen. Das Böttchergewerbe ist ein zulassungsfreies Handwerk. D.h., dass man dafür keinen Meisterbrief braucht.
  • Weiterbildung: Man kann den Meister machen. Mit einer Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium zum Bachelor in Holztechnik möglich.
  • Ausbildungsalternativen: Holzmechaniker/Holzmechanikerin Fachrichtung Bauelemente, Holzpackmittel und Rahmen; Tischler/Tischlerin; Holzbearbeitungsmechaniker/Holzbearbeitungsmechanikerin, Bootsbauer/Bootsbauerin Fachrichtung Neu-, Aus- und Umbau

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Die Ausbildungsvergütung liegt zwischen dem ersten Lehrjahr und dem dritten zwischen EUR 400,- und EUR 600,-. Die spätere Bezahlung hängt von den Verhandlungen mit dem einzelnen Betrieb ab, da es für den relativ kleinen Berufsbereich keine Tarife gibt. Es gibt eine Gehaltsempfehlung des Bundesverbandes der deutschen Fassküfer, an der sich laut Verband die Böttcherbetriebe orientieren. Im ersten Gesellenjahr kann man etwa EUR 1.500 bis 1.800,- brutto verdienen.

Geschick

Böttcher müssen mit verschiedenen Materialien umgehen und sie bearbeiten. Vor allen Dingen natürlich Holz und Eisen. So grob die Arbeit auf den ersten Blick wirkt - Sägen, Biegen, Hämmern, Fräsen, Hobeln - so genau muss am Ende gearbeitet werden.

Gefahr

Der Job ist nicht ganz ungefährlich. Besonders an den Kreissägen und Fügemaschinen steht die Warnung "Schütze deine Hände" nicht ohne Grund.

Kraft

Der Böttcher sollte einigermaßen kräftig sein. So ein kleines Fass (Barrique) mit einem Inhalt von 225 Litern wiegt leer schon so einen Zentner und muss bei der Bearbeitung immer wieder gehoben und gedreht werden. Die Böden größerer Fässer wiegen locker hundert Kilogramm. Dazu kommt das Festschlagen der Eisenreifen ums Fass. In einem 3.000 Liter-Fass stecken gut tausend Hammerschläge.

Info

Der Böttcher spricht von einem "Händchen fürs Holz". Die Auswahl des Holzes, die richtige Lagerung in ausreichender Zeit und dann vor allem die Auswahl und die Zusammenstellung der zu Dauben gehobelten Bretter, die letztlich dem Fass seine typische bauchige Form geben, ist eine kleine Kunst.


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