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Binnenschiffer/-in Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Kohle, Soja, Papier - Binnenschiffer transportieren ganz unterschiedliche Güter auf Europas Flüssen und Kanälen. Sie arbeiten aber auch an Bord von Ausflugsschiffen, die Rundfahrten für Touristen anbieten.

Stand: 07.09.2015

Juri Bulang lehnt sich über die Reling des Frachters. Der 22-Jährige entfernt Rost, der durch die Feuchtigkeit immer wieder auf dem Metall entsteht. Danach streicht Juri die Stellen mit schwarzer Farbe neu. Weinberge ziehen während seiner Arbeit vorbei. Juri ist Matrose auf dem Frachtschiff "Wilhelm Dettmer", das auf dem Main in Richtung Würzburg unterwegs ist. Vor vier Tagen haben Schiffsführer Werner Meyer und seine Crew bei Duisburg über 2.000 Tonnen Ladung aufgenommen - der Schlackensand für ein Betonwerk liegt jetzt gut verpackt im Bauch des Schiffes. Juris Aufgaben an Bord sind ganz unterschiedlich: die Pflege des Schiffs gehört dazu, aber auch kleinere Reparaturen muss der Matrose erledigen.

"Man muss halt vorausschauend einkaufen, weil man nur einmal pro Woche zum Einkaufen kommt und alles mit Tüten nach Hause schleppen muss, zu Fuß."

Juri Bulang, Matrose (22)

Schiffsmotor

Der Schiffsmotor macht einen Höllenlärm. Sebastian Pfingst trägt Gehörschutz während er die große Maschine unter Deck kontrolliert. Handwerkliches Geschick und technische Kenntnisse müssen Binnenschiffer mitbringen - und ein Quäntchen Fernweh. Sebastian hat sich inzwischen vom Matrosen zum Steuermann hochgearbeitet und löst den Schiffsführer regelmäßig im Steuerhaus ab. Das Steuern des Schiffes macht ihm von Anfang am meisten Spaß. Die Fahrt in die Schleuse ist immer wieder eine echte Herausforderung: das Schiff ist 10,5 Meter breit, die Schleuse gerade mal 12.

"In eine Schleuse fahren, da gibt's Leute, die haben keine Lust darauf und mir bringt das richtig Spaß. Das ist so ein bisschen Fingerspitzenarbeit. Das ist schon eine Herausforderung."

Sebastian Pfingst, Steuermann (22)

Zwiebeln schneiden, Knoblauch pressen, Kartoffeln schälen - Teamwork gehört nicht nur an Deck zum Alltag der Crew, auch in der Küche helfen alle zusammen. Matrose, Steuermann und Schiffsjunge teilen sich eine Wohnung vorne im Schiff. Vier Wochen am Stück verbringen sie Tag und Nacht zusammen, dann dürfen sie 14 Tage nach Hause.

"Wir sind es gewohnt unter Männern zu sein, weil an Bord ist es ja genauso, man bekommt da schon viel geholfen, die denken man ist ein bisschen schutzbedürftig. Manche Sprüche gehen zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Einfach nicht beachten, nicht zuhören oder ein bisschen kratzbürstig sein, dann läuft das schon."

Sarah Gladel, Schiffsmädchen (23)

Volle Kraft voraus

Ortswechsel: Ein modernes Ausflugsschiff liegt in Köln vor Anker. In zehn Minuten soll es ablegen. An Bord werden Touristen aus aller Welt die Sehenswürdigkeiten entlang des Rheins bewundern. Uwe Tanz begrüßt die Fahrgäste, entwertet die Tickets, gibt Auskünfte. Anschließend helfen er und die anderen Matrosen gehbehinderten Fahrgästen die Gangway hinab auf das Schiff. Uwe hat in der Personenschifffahrt Binnenschiffer gelernt. Mit Blick auf die Uhr und die Abfahrtszeiten, bereitet er das Schiff für das Ablegen vor. Dann heißt es Leinen los und die Arbeit an Bord kann beginnen: Fenster putzen, streichen, Reparaturen erledigen, ab und zu darf er auch das Schiff steuern. Sein größtes Ziel: Schiffsführer werden.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Binnenschiffer/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Betriebe der deutschen Binnenschifffahrt, Reedereien
  • Zugang: Es ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben. Meist wird aber ein qualifizierender Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife verlangt. 
  • Eignung: Binnenschiffer müssen anpacken können, sie brauchen technische Kenntnisse und handwerkliches Geschick.
  • Perspektiven: Binnenschiffer haben gute Berufssaussichten. Nach der Ausbildung können sie als Bootsmann, dann als Steuermann an Bord arbeiten. Voraussetzung, Schiffsführer zu werden, sind das Rheinpatent und verschiedene andere Weiterqualifizierungen (z.B. Fortbildung in Radarkunde und Transport gefährlicher Güter).
  • Alternativen: Wasser- und Schifffahrtsämter, Hafenbetriebe und -behörden, Unternehmer

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Schiffsjungen und -mädchen verdienen im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen sehr gut. Im 3. Lehrjahr sind es rund 1.100 Euro im Monat.

Geschick

Handwerkliches Geschick ist bei der Arbeit auf einem Schiff gefragt. Kleinere Reparaturen - z.B. am Schiffsmotor - müssen Matrosen selbst ausführen.

Wetter

Binnenschiffer arbeiten viel im Freien - bei großer Hitze und bei Kälte.


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