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Baumschulgärtner/-in Von Ahorn bis Zierquitte

Kleine Pflanzensetzlinge in ihre erste eigene Erde bringen, sie hegen, pflegen, mehrfach umpflanzen und so zu immer besserem Wachstum erziehen - das tun Baumschuler.

Stand: 26.04.2016

Julian Reinhard leitet im dritten Ausbildungsjahr in der Baumschule Haage im schwäbischen Leipheim schon einen kleinen Arbeitstrupp, der bestellte Bäume mit vier Metern Länge und zentnerschweren Wurzelballen aus dem Acker holt. Auch ohne Blätter kennt er alle Baumarten, auch mit ihren botanischen lateinischen Namen. Wenn er da nicht genau Bescheid weiß, kommt es zu kostspieligen Verwechslungen. Wer will schon den falschen Baum in seinem Garten haben? Julian hat die Realschule abgeschlossen, will in dem Beruf nach der Gehilfenprüfung weitermachen und vorwärts kommen.

Nichts für zarte Girls

Neue Triebe

Seine Kollegin Sarah Mayer hat die schwere Gehilfenprüfung gerade hinter sich gebracht und managt jetzt in der Baumschule den gesamten Forstpflanzenverkauf. Sie arbeitet am Feld genauso wie am Betrieb, wo sie Kunden bedient, Lieferscheine schreibt und Ware verlädt. Stapler und Traktor fahren- für eine Baumschulerin ganz selbstverständlich. Im ersten Lehrjahr übt Marlies Hildebrand noch das Zurechtstutzen von Baum-Zöglingen in der Baumschule: Wurzeln und Kronen müssen bei jedem Verpflanzen - sprich: Verschulen - gleichermaßen gestutzt werden. Die Arbeit mit der Schere ist auf Dauer anstrengend. Für zarte Girls, die nicht kräftig anpacken wollen und sich keinesfalls schmutzig machen wollen, ist das nicht der richtige Beruf.

"Operation" an der Pflanze

Baumschuler ist ein Gärtnerberuf, der einzige, bei dem man mit extrem scharfen Messern auch Pflanzen veredeln muss. Veredeln heißt: Philipp Niesel schneidet etwa 15 Zentimeter lange Triebe unterschiedlicher Pflanzen mit dem Messer schräg an, legt sie dicht aneinander und umwickelt sie, damit die zwei unterschiedlichen Pflanzen zusammenwachsen. Eine Art Schönheitsoperation an Pflanzen. So schafft Philipp Pflanzen mit robustem Wurzelwerk und oben in der Krone mit schönen Blüten und besonders guten Früchten.

Ein ganzer Garten um den Baum herum

Gewächshaus

Sein Vorgänger in der Baumschul-Ausbildung bei war Roman Knorr. Der studiert unterdessen in Weihenstephan Landschaftsarchitektur. Roman hatte die Hauptschule mit einem "So lala" Quali abgeschlossen, sich dann aber nach drei Jahren als Gehilfe auf den Hosenboden gesetzt: Technikerausbildung inklusive Fachhochschulreife, warum nicht. Wer nicht studieren möchte, kann nach zwei Berufsjahren als Baumschul-Gehilfe einen einjährigen Meisterkurs zum Beispiel in Veitshöchheim bei Würzburg belegen. Baumschuler lernen in der Ausbildung zwar in erster Linie, wie man Bäume und Strauchpflanzen erzieht und schult. Im Laufe ihres weiteren Berufslebens müssen sie aber sehr vielseitig auf Kundenwünsche eingehen und weit mehr können, als nur einen schönen Baum liefern. Die Kunden wollen immer öfter nicht nur ein Beet, sondern gleich einen ganzen Garten um den Baum herum. An Abwechslung und Herausforderungen mangelt es in diesem Beruf also nicht.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Gärtner/-in der Fachrichtung Baumschule
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule; im ersten u. zweiten Lehrjahr in der nächstgelegenen Berufsschule mit Gärtner-Klassen. Im zweiten und dritten Lehrjahr 14 Tage Blockschule (Bayern: Höchstädt an der Donau)
  • Zugang: Keine formale Zugangsvoraussetzung, in der Praxis verlangen die Betriebe aber Hauptschulabschluss und nehmen auch gerne Realschulabsolventen.
  • Prüfung: In der praktischen Prüfung sind Arbeiten an der Pflanze zu planen, vorzubereiten und durchzuführen. In der schriftlichen und mündlichen Prüfung müssen Fragen zu Pflanzenkenntnissen, betrieblichen Zusammenhängen und aus der Wirtschafts- und Sozialkunde beantwortet werden. Eine nicht bestandene Prüfung kann zweimal wiederholt werden.
  • Ausbildungsorte: Überwiegend absolvieren Auszubildende ihre Ausbildung in Baumschulen mit unterschiedlicher Spezialisierung und Größe.
  • Eignung: Gute körperliche Konstitution, handwerkliches Geschick, Freude an der Arbeit im Freien, Kreativität, im Team arbeiten, stark schwankende Arbeitsbelastung (Saisongeschäft), Grundrechenarten.
  • Perspektiven: Baumschuler/-innen können nach einem Jahr als Gehilfe die Technikerprüfung ablegen, inklusive Fachhochschulreife. Anschließend Studium Gartenbau oder Landschaftsarchitektur. Nach zwei Jahren Praxis Vollzeit Meisterkurs möglich. EU-Förderprogramm "Leonardo" unterstützt Auslandspraktika. Viele Nachwuchsbaumschuler arbeiten eine Zeit lang z.B. in Neuseeland.
  • Alternativen / Spezialisierung: Innerhalb des Berufs kann man in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen den Schwerpunkt "Pflanzenbauberater/-in" wählen. Dort lernt man zusätzlich, wie man Pflanzen besonders gut präsentiert, verkauft und Kunden berät.

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