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Bankkaufmann/-frau Kein Job für Spießer

Der Bankkaufmann zählt zu den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Es gibt in der Regel mehr Bewerber als Plätze. Gute und motivierte Azubis haben aber immer eine Chance und gute Perspektiven.

Stand: 30.06.2014

"Bei der Bank arbeiten doch nur Spießer!" - noch vor ein paar Jahren hat Felicitas Hoppe so gedacht. Heute macht Felicitas selbst bei der Sparkasse in München eine Ausbildung zur Bankkauffrau und ist begeistert. Denn sie hat schon viel gelernt über die Kunden-Beratung, die Kontoführung, die Geld-Anlage und das Kreditgeschäft. Außerdem kommt sie rum in ihrer Bank - von der Wertpapier-Abteilung bis zum "New Banking". Dort laufen alle Fäden von Telefon- und Online-Banking zusammen. Praktische Erfahrungen sammelt Felicitas während ihrer Ausbildung in einer Sparkassen-Filiale. Schon früh dürfen junge Bankkaufleute selbständig ran und am Schalter Kunden bedienen.  

Ständiger Kontakt mit den Kunden

Kasse nachzählen

Und viele fertige Bankkaufleute bleiben auch erst mal am Schalter, im Geschäft mit Privatkunden. Marina Königbauer hat sich etwa für diesen Weg entschieden. In einem schicken Kostüm und mit freundlichen Lächeln steht sie am Schalter einer Sparkassen-Filiale. Egal, mit welchem Anliegen die Kunden zu ihr kommen - Marina hilft gerne weiter, füllt Überweisungen aus, nimmt Einzahlungen entgegen und beantwortet Fragen. Gibt's am Schalter nicht so viel zu tun, kümmert sie sich um ihren Kundenstamm. Sie betreut über 600 Konten und muss immer mal wieder bei einem Kunden nachfragen, wenn der sein Konto überzogen hat oder seit einiger Zeit keine Zahlungseingänge mehr zu verzeichnen sind.

Verschwiegen und doch auskunftsfreudig

Ach ja: Natürlich muss Marina alles, was sie während ihrer Arbeit mitbekommt, für sich behalten. Im Geschäft mit Geld ist Verschwiegenheit gefragt, es geht um sensible Daten. Marinas Arbeitstag spielt sich im Schalterraum ab - am Schalter, an ihrem Schreibtisch und im Beratungszimmer der Filiale. Dorthin geht sie mit Kunden, die mehr wissen wollen über bestimmte Bankprodukte. Egal ob Geldanlage, Altersvorsorge, Wertpapiere, Bauspar-Verträge oder Versicherungen - Marina kennt sich in allen Bereichen aus und kann ihren Kunden auch komplizierte Einzelheiten erklären.

Jonglieren mit Millionen

Kundenbesuch

Eine Nummer größer geht's bei Florian Stöckl zu. Er ist bei der HypoVereinsbank in München Firmenkunden-Betreuer. Für 70 mittelgroße Unternehmen ist er der erste Ansprechpartner bei alle finanziellen Anliegen. Florian arbeitet nicht am Schalter, sondern hat ein eigenes Büro. Einen großen Teil seines Arbeitstages ist er aber unterwegs, denn als Firmenkunden-Betreuer kommt Florian direkt zu seinen Kunden. Das gehört zum Service dazu. Der Vorteil: Er kann sich ein genaues Bild davon machen, wie seine Kunden arbeiten und wo Beratungs-Bedarf besteht. Außerdem kann Florian seinen Tag selbst einteilen, niemand schreibt ihm vor, wann er wo sein muss. Florian muss schnell umschalten können und sich in vielen verschiedenen Bereichen auskennen, denn die Bandbreite seiner Kunden reicht von Werbe-Unternehmen bis hin zu Maschinenbauern.

"Als Firmenkunden-Betreuer trägt man Verantwortung für ziemlich hohe Summen, bei Krediten geht's schnell in den siebenstelligen Bereich. In diese Verantwortung wächst man aber im Lauf der Zeit rein, dafür wird man ja auch ausgebildet und kann bald gut damit umgehen."

Florian Stöckl

Und jeder will was anderes von ihm: Der eine braucht eine Beratung über Auslandsüberweisungen, der andere möchte von Florians Bank einen Kredit, um seine Firma zu erweitern und neue Maschinen zu kaufen. Häufig geht's dabei um Millionen - Florian trägt eine ziemlich hohe Verantwortung. Er muss genau deshalb genau berechnen, welche Angebote er seinen Kunden machen kann.

Bankkaufleute sind keine Spießer

Lange Arbeitszeiten

Wenn Felicitas Hoppe in einem Jahr ihre Ausbildung hinter sich hat, hat sie viele Möglichkeiten. Wie Marina kann sie in eine Bankfiliale gehen, Firmenkunden betreuen wie Florian, sich aufs Wertpapiergeschäft spezialisieren oder in der Verwaltung der Bank arbeiten. Die Aufstiegs-Chancen für gute Bankkaufleute sind fast unbegrenzt. Felicitas würde sich deshalb auf jeden Fall wieder für die Ausbildung zur Bankkauffrau entscheiden - denn heute weiß sie: "Bankkaufleute sind keine Spießer!"

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Bankkaufmann/-frau
  • Ausbildungsdauer:3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung in der Bank/Sparkasse und an der Berufsschule. Der Unterricht an der Berufsschule findet häufig als Blockunterricht über mehrere Wochen statt. In der Bank gibt es außerdem Kurse mit praktischen Übungen.
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Banken und Sparkassen, hauptsächlich in einer Filiale am Schalter, aber auch in anderen Abteilungen
  • Zugang: Es gibt keine formale Zugangsvoraussetzung, Du solltest aber mindestens die mittlere Reife mitbringen. Über die Hälfte der Bankkaufleute hat Abitur oder Fachhochschulreife, nur wenige haben einen Hauptschulabschluss
  • Eignung: Das solltest Du mitbringen: Spaß am Umgang mit Kunden, Zuverlässigkeit, schnelle Auffassungsgabe, eigenständiges Arbeiten, gute Allgemeinbildung, gute Kenntnisse in Mathematik und Deutsch, ein gepflegtes Erscheinungsbild, ein sicheres und freundliches Auftreten
  • Perspektiven:Bankkaufleute haben nach ihrer Ausbildung zahlreiche Möglichkeiten: Viele bleiben im Privatkunden-Geschäft, also am Schalter. Andere spezialisieren sich aufs Geschäft mit Firmenkunden oder aufs Wertpapiergeschäft. Du kannst auch in der  Verwaltung der Bank arbeiten - beim Marketing, beim Controlling oder im Personalwesen. Mögliche weitere Arbeitgeber sind Börsen, Versicherungen und Unternehmensberatungen.
  • Alternativen:Versicherungskaufmann/-frau,Immobilienkaufmann/-frau,Steuerfachangestellte/r, Sozialversicherungsfachangestellte/r, Immobilienkaufmann/frau
  • Info: Der Bankkaufmann zählt zu den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Es gibt in der Regel mehr Bewerber als Plätze. Gute und motivierte Azubis haben aber immer eine Chance. Die größten Ausbilder sind übrigens die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verdienstmöglichkeiten

Wie viel Du als Bankkaufmann nach der Ausbildung verdienst, hängt stark von Deiner Tätigkeit ab. Auch die Berufserfahrung und die Verantwortung, die Du trägst, wirken sich auf die Bezahlung aus. Neben dem Grundgehalt gibt’s Sonderzahlungen wie das 13. Monatsgehalt und Prämien. Während der Ausbildung zählen Bankkaufleute zu den bestbezahlten Azubis.


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