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Anästhesietechnische/-r Assistent/-in Wohlbehütet im Operationssaal

Unfall, Herzinfarkt oder Entbindung per Kaiserschnitt – für Operationen und schmerzhafte Untersuchungen benötigen Patienten eine Narkose. Diese verantworten Ärzte – und Anästhesietechnische Assistenten unterstützen sie dabei.

Stand: 08.05.2017

Morgens, kurz nach sieben Uhr. Lisa schlüpft in grüne Hose und Kittel. Die 23-Jährige greift nach Mundschutz und Haube. Diese Dienstkleidung soll verhindern, dass Keime in den OP-Bereich kommen. In den kommenden acht Stunden arbeitet Lisa in abgeschlossenen Räumen. Kein Fenster lässt sich öffnen. Das Leben spielt sich für Anästhesietechnische Assistenten (ATA) hauptsächlich im OP-Trakt ab. Kurz nach acht kommen die ersten Patienten. Während für das Personal die meisten Eingriffe Routine sind, haben viele Patienten Angst. Lisa stellt sich am Anfang vor, redet behutsam, hört zu. Auch sie musste schon operiert werden und weiß, wie wichtig Einfühlungsvermögen ist.

"Man muss sich gut in Menschen einfühlen können, das finde ich sehr wichtig. Man muss aber auch flexibel sein, weil sich auch die OP-Programme ändern oder während der OP wird entschieden: Die dauert ein bisschen länger."

Lisa Rossmann, 3. Ausbildungsjahr

Teamplayer sind gefragt

Um fit für den Notfall zu sein, wird an Puppen geübt

Lisa arbeitet nicht allein. Anästhesisten kümmern sich um die Narkose. Chirurgen stehen am Operationstisch. Operationstechnische Assistenten reichen die Scheren, Tupfer und Klemmen. Nur im Team sind die Eingriffe zu schaffen. Trotz des medizinischen Fortschritts: Nicht jeder Patient kann gerettet werden. ATAs müssen deshalb auch mit Tod und Leid umgehen können. Wie das geht, lernen sie im Unterrichtsfach "Praxisreflektion".

"Man hat ein Menschenleben in der Hand und muss schauen, dass die Medikamente immer richtig dosiert sind. Wenn man da kleine Fehler macht, kann das große Auswirkungen auf den Patienten haben. Da muss man sich schon bewusst sein, dass das eine immense Verantwortung ist."

Saskia Hintze, Anästhesietechnische Assistentin

In Ausbildung kommt keiner an der Theorie vorbei

Die meisten Auszubildenden haben die Realschule besucht - Biologie, Physik und Chemie gehörten zu Lisas Lieblingsfächern. Während der dreijährigen Ausbildung werden diese Bereiche vertieft. Die Schüler lernen viele lateinische Begriffe. Es ist eben ein Beruf, der viel fordert, aber auch viel Freude schenken kann. Meist geht es den Patienten nach den Operationen besser. Das Berufsbild des ATA gibt es erst seit wenigen Jahren. Vorher konnten sich lediglich Krankenschwestern und Krankenpfleger fortbilden - zur Anästhesieschwester und zum Anästhesiepfleger. Dieser Weg ist auch weiterhin möglich. Wer nicht in die Pflege möchte, kann nun den direkten Weg wählen und sich für die ATA-Ausbildung entscheiden.  

"Was ich so gut finde? Viele Patienten kommen zu orthopädischen Eingriffen: mit einer schmerzenden Hüfte. Sie können dann fast gar nicht mehr gehen und sind sehr eingeschränkt in ihrer Lebensqualität. Also die freuen sich dann richtig auf die OP. Sie wissen, nach der Reha, nach der Physiotherapie kann ich wieder gut gehen. Und da konnte ich jemandem zu einem besseren Leben verhelfen."

Lisa Rossmann, 3. Ausbildungsjahr

Sehr gute Jobaussichten

ATAs werden an vielen Stellen gebraucht

Die Berufsaussichten sind sehr gut. ATAs werden in vielen größeren Krankenhäusern gebraucht, aber auch in Arztpraxen mit OP. Auch im Ausland bieten sich Chancen auf einen Job. Nach der Abschlussprüfung kann man sich weiter qualifizieren und beispielsweise als Teamleitung mehr Verantwortung übernehmen. Lisa möchte als Praxisanleiterin anderen Auszubildenden den Start in diesen Beruf erleichtern.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Anästhesietechnische/-r Assistent/-in (ATA)
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Die Praxis wird an einem Krankenhaus vermittelt, die Theorie in einer Berufsfachschule.
  • Ausbildungsorte: größere Krankenhäuser mit OP oder Notfallaufnahme
  • Prüfung: Die praktische Prüfung - mit einem Patienten im OP - wird im Krankenhaus abgelegt. Die theoretischen Prüfungen - unter anderem in den Fächern Anatomie und Physiologie - an der Berufsfachschule.
  • Zugang: Die meisten Auszubildenden haben die mittlere Reife, Abitur oder eine abgeschlossene Pflegehelferausbildung. Die Bewerber sollten bei Ausbildungsbeginn 18 Jahre alt sein.
  • Eignung: ATAs müssen zuverlässig und konzentriert sein. Im Umgang mit schwerkranken und verängstigten Patienten ist Feingefühl gefordert.
  • Perspektiven: Praxisanleiter/-in für Auszubildende, Abteilungsleiter/-in, Studium, z.B. Pflegemanagement oder Medizin
  • Alternativen: Operationstechnische/-r Assistent/-in (OTA), Gesundheits- und Krankenpfleger/-in


Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kommunikation

Zwar sind die Patienten im OP in Narkose. Doch zuvor müssen die ATAs ihre Angaben überprüfen und mit ihnen sprechen. Viele Patienten haben Angst. In dem Beruf ist daher Einfühlungsvermögen wichtig.

Geld

Im Vergleich zu den studierten Ärzten verdienen ATAs deutlich weniger Geld. Für Sonn- und Feiertagsdienste gibt es Schichtzulagen.

Sorgfalt

Fehler können Leben kosten. ATAs müssen sorgfältig und konzentriert sein und das über mehrere Stunden hinweg.

Zeit

Notfälle können jederzeit passieren und Operationen können sich durch Komplikationen verlängern. ATAs arbeiten meist im Schichtdienst, auch in der Nacht.


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