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Bestattungsfachkraft Kein morbider Job

800.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland. Um Verstorbene und deren Angehörigen kümmern sich Bestatter, wie Ralf Michal und seine Auszubildende Anna.

Stand: 11.01.2012

Die 24-Jährige ist tagtäglich mit Tod und Trauer konfrontiert. Doch Anna kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. "Ich möchte Menschen in einer schweren Situation helfen", erzählt sie. Stirbt ein Mensch, dann wird der Bestatter informiert. Viele Krankenhäuser und Altenheime in Schweinfurt sind Anna vertraut. Ruft die Polizei an, hat sie ein ungutes Gefühl. "Man weiß nie, was einen nach einem Unfall erwartet", sagt Anna. Mit den schrecklichen Eindrücken umzugehen musste sie lernen. Das Gespräch mit Kollegen hilft ihr dabei. Überhaupt sind die Auszubildenden anfangs nie alleine.

Zwischen Trauer und Beratung

Wie Anna auf dem schmalen Grad zwischen emotionaler Trauer und professioneller Beratung balancieren kann, lernt sie in der staatlichen Berufsschule Bad Kissingen. Zudem kommt sie auch zum Blockunterricht nach Münnerstadt, in das Bundeszentrum der Bestatter. Auf dem Lehrfriedhof lernen die Azubis beispielsweise das Ausheben eines Grabes.

"Wir haben uns früher sehr schwer getan gute Leute auch für's Einbettungs- und Fahrpersonal zu finden. Aber mittlerweile muss ich sagen, seit es eine Ausbildung gibt, seit es ein anerkannter Beruf ist, sieht es ganz anders aus. Wir  haben sehr viele Bewerber. Zum Ende des Schuljahres habe ich fast täglich Bewerbungen in der Post, obwohl ich gar keine Anzeige aufgegeben habe."

Ralf Michal, Bestattermeister

Zwischen Trauer und Beratung

Nach dem Tod eines Menschen bleiben nur wenige Tage, bis er beerdigt werden muss. Anna und ihr Chef übernehmen auch viele organisatorische Aufgaben, gestalten Zeitungsanzeige und Sterbebild. Anna hat auch schon Bestattungen organisiert, bei denen Angehörige bunte Luftballons in den Himmel stiegen lassen. Manche lassen die Asche ihres Verstorbenen in Diamantform pressen und im Meer verstreuen. Eine Bestattung muss zum Verstorbenen und zu seinem Umfeld passen, erklärt Anna. Sie muss darauf achten, dass das Bestattungsrecht eingehalten wird. "Der Anlass ist traurig genug", sagt Anna. "Da will ich den Angehörigen den Abschied wenigstens so positiv und angenehm wie möglich gestalten."

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Bestattungsfachkraft
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung bei Bestatter und Berufsschule
  • Zugang: Es ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Jedoch gibt es viele Bewerber. Einige Bestatter nehmen nur Azubis die mindestens die Mittlere Reife haben.
  • Aufgaben: Betreuen und Beraten von Angehörigen, Abholung und Versorgung Verstorbener, Ausgestaltung der Trauerfeier
  • Beratung über Bestattungsvorsorge
  • Perspektiven: Selbstständigkeit, Bestattermeister
  • Spezialisierung, z.B. auf Überführungen

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geld

Es gibt ein Grundgehalt. Manche Bestatter zahlen Zuschläge für Bereitschaftsdienst oder besondere Aufgabengebiete. Beschäftigte bei Kommunen bekommen monatlich nach der Ausbildung zwischen 2.140 und 2.368 Euro.

Genauigkeit

Ein Trauerfall ist eine besondere Situation für Angehörige. Bestatter müssen sehr viel Feingefühl mit ihnen umgehen. Fehler in der Abwicklung des Trauerfalls, z.B. Tippfehler in der Todesanzeige dürfen nicht passieren.

Kraft

Der Beruf ist körperlich und seelisch sehr anstrengend. Verstorbene müssen getragen und gehoben werden. Die Arbeit mit den Angehörigen erfordert viel Geduld und Fingerspitzengefühl.


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