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Fachkraft für Hygieneüberwachung Die "Keim-Kommissare"

Salmonellen, Masern oder Ebola - immer wieder versetzen uns Meldungen über Epidemien in Aufregung. Wann immer die Gesundheit der Bevölkerung bedroht ist, sind Fachkräfte für Hygieneüberwachung zur Stelle. Sie ermitteln die Ursachen für Infektionen und verhindern eine weitere Verbreitung.

Stand: 30.10.2015

Routinetermin bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes im thüringischen Greiz: Der jährliche Kontrollbesuch in einer Kindertagesstätte steht an. Beim Rundgang durch die Gruppenräume verschaffen sich Susann Sander, Fachkraft für Hygieneüberwachung, und Martin Stöckel, Auszubildender im 2. Lehrjahr, einen Überblick über die hygienischen Zustände in der Einrichtung. Sind die Möbel sauber und intakt? Lassen sich die Spielsachen leicht reinigen? Außerdem muss die Kindergartenleitung Angaben über die Größe der Gruppen und das Alter der Kinder machen.

Kontrolle der Sanitäranlagen

Jedes Kind muss zum Beispiel über ein eigenes Handtuch verfügen und dieses auch erkennen können. Martin möchte den Reinigungs- und Desinfektionsplan sehen. Darin muss festgehalten sein, wann und wie z.B. Waschbecken und Toilette gereinigt werden. Auch die Trinkwasserinstallationen im Haus werden kontrolliert und Wasserproben für die Untersuchung im Labor entnommen.

"Die Vielseitigkeit, die wechselnden Einsatzorte, der Kontakt mit verschiedenen Menschen im Außendienst, das ist es, was mir an diesem Beruf gefällt. Und du musst dein Wissen auf den neuesten Stand bringen, dich zum Beispiel über Gesetzesänderungen informieren. Langweilig wird es da nicht."

Martin Stöckel (33), 2. Ausbildungsjahr

Zurück im Büro berechnet Martin, ob jedem Kind auch genügend Raum in der Einrichtung zur Verfügung steht. Dazu gibt es gesetzliche Vorgaben, die er beachten muss. Dann schreibt er über die Begehung ein Protokoll.

Verdacht auf Salmonellen

Ein Anruf im Gesundheitsamt Greiz setzt Susann und Martin nochmal in Bewegung. Ein Arzt meldet, dass eine Patientin an Salmonellen erkrankt sei. Die Bakterien werden häufig durch Lebensmittel übertragen und verursachen heftigen Brechdurchfall. Die beiden machen sich auf den Weg. Weil die erkrankte Frau im Lebensmittelbereich arbeitet, könnte sie bereits andere Menschen angesteckt haben. Mit wem hatte sie in den Stunden seit Ausbruch der Infektion Kontakt? Zeigen bereits andere Personen Krankheitssymptome? Und: Was hat bei der Patientin die Infektion ausgelöst? Susann und Martin müssen vor Ort ermitteln. Sie befragen die erkrankte Frau, erbitten eine Stuhlprobe und packen vielleicht sogar Reste einer kürzlich verzehrten Mahlzeit ein. Die Proben gehen dann zur weiteren Untersuchung ins Labor. Susann erteilt der erkrankten Patientin bis zur Genesung ein Tätigkeitsverbot, damit sie keine weiteren Menschen ansteckten kann.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachkraft für Hygieneüberwachung
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Länderrechtlich geregelte Ausbildung in Berufsfachschulen. Die Ausbildung erfolgt in Vollzeit. Der theoretische und fachpraktische Unterricht in der Berufsfachschule umfasst rund 2.300 Stunden. Er wird durch Praktika in Krankenhäusern und Behörden wie Gesundheits- oder Umweltamt ergänzt. Die Ausbildung in der Praxis umfasst gut 2.200 Stunden.
  • Prüfung: Staatliche Prüfung nach landesspezifischer Ausbildungs- und Prüfungsordnung
  • Zugang: Mindestens guter mittlerer Bildungsabschluss
  • Eignung: Interesse an Naturwissenschaft
  • Ausbildungsvergütung: Während der Ausbildung wird keine Vergütung gezahlt.
  • Besonderheit: Die "Fachkraft für Hygieneüberwachung" wird in dieser Form derzeit nur in Thüringen ausgebildet. In anderen Bundesländern heißt der Beruf "Gesundheitsaufseher/-in" oder  "Hygienekontrolleur/-in". Auch die Ausbildung unterscheidet sich gegebenenfalls von Bundesland zu Bundesland z.B. in Dauer und Form. Die spätere Berufstätigkeit ist jedoch vergleichbar. Um als Gesundheitsaufseher z.B. in Berlin arbeiten zu dürfen, müssen Fachkräfte für Hygieneüberwachung ihren Abschluss beim zuständigen Landesamt anerkennen lassen. Das funktioniert in der Regel ohne Probleme. Nur Bayern verlangt eine zusätzliche Qualifikation zum Hygienekontrolleur.

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Weitere Informationen findest Du auf den Webseiten der Arbeitsagentur: arbeitsagentur.de oder bei der Staatlichen Berufsbildenden Schule Gesundheit, Soziales und Sozialpädagogik.

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Verantwortungsbewusstsein

Besteht Verdacht auf eine ansteckende Krankheit oder gefährliche Keime im Trinkwasser, ermitteln die Gesundheitsämter akribisch, um den Ausbruch von massenhaften Erkrankungen zu verhindern. Gesundheit ist ein hohes Gut und die Gesunderhaltung der Bevölkerung oberstes Ziel einer Fachkraft für Hygieneüberwachung. Sie ist sich dieser Verantwortung stets bewusst.

Gefahr

Bei ihren Ermittlungen geraten Fachkräfte für Hygieneüberwachung auch in Kontakt mit möglicherweise gefährlichen Krankheitserregern. Sie befragen erkrankte Personen und nehmen z.B. bei Durchfallerkrankungen Stuhlproben für das Labor. Um sich selbst vor Ansteckung zu schützen, haben sie einen vollständigen Impfschutz, tragen Handschuhe, bei Bedarf auch Mundschutz oder einen Vollschutzanzug. Händedesinfektionsmittel sind im Außendienst immer "an Bord".

Mobilität

Fachkräfte für Hygieneüberwachung sind viel auf Achse. Ob zur Probenentnahme im Trink- und Badewasser, bei der Routinekontrolle im Krankenhaus oder zur Befragung von Patienten, die an einer meldepflichtigen Infektion erkrankt sind - ohne Führerschein geht in diesem Job gar nichts. Und manchmal wird schon bei der Stellenausschreibung darauf hingewiesen, dass der Bewerber für Einsätze im Außendienst über ein eigenes Auto verfügen muss!


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