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Haus- und Familienpfleger/-in Helfer für Familien in Not

"Die Mutter ist krank und Kinder müssen versorgt werden", so sieht ein typischer Einsatz für Haus- und Familienpfleger aus. Kochen, Bügeln, Putzen und dabei die Kinder hüten: All das erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen, Fleiß und Organisationstalent.

Stand: 20.10.2016

Haus- und Familienpfleger sind meist bei kirchlichen Wohlfahrtsverbänden angestellt. In deren Zentralen gehen die Notrufe ein. Die Fachkräfte fahren direkt zu den Familien, erstellen einen Arbeitsplan. Sie versuchen, Eltern und Kinder in schwierigen Situation zu unterstützen. Die Kosten übernimmt meist die Krankenkasse, wenn ein Arzt den Einsatz befürwortet und Kinder unter zwölf Jahren im Haushalt leben.

Ausbildung im sozialen Bereich

Die Ausbildung ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Marco Schwella besucht in Bayern zwei Jahre lang die Fachschule der Diakonie. Marco hat zuvor Kinderpfleger gelernt. Diese oder eine ähnliche Ausbildung im sozialen Bereich setzen viele Fachschulen voraus. In Baden Württemberg liegt das Mindestalter bei 17 Jahren. Dort dauert die Ausbildung dann drei Jahre. Bei Interesse lohnt es sich, in Einrichtungen der Familienhilfe, Kindergärten oder Altenheimen nachzufragen. In diesen Bereichen werden Haus- und Familienpfleger eingesetzt. Marco könnte sich keinen schöneren und sinnvolleren Beruf vorstellen.

"Man sieht auch, dass es der Familie gut tut, vor allem der Mutter wenn sie krank im Bett liegt und sich nicht so um den Haushalt kümmern kann und um die Kinderbetreuung. Es gibt mir auch ein tolles Gefühl, dass man so einen tollen Beitrag für die Familie leisten kann und sie da wirklich so gut entlasten kann."

Marco Schwella (24), 2. Ausbildungsjahr

Theorie und viel Praxis

Hauswirtschaft, Gesprächsführung und Gesundheitspflege - in der Fachschule wird neben der Theorie auch viel Praxis vermittelt. In der Lehrküche wird kochen geübt. Zudem gibt es Näh- und Bügelzimmer. Die Aufgaben im Haushalt sind umfangreich. Wichtig ist aber auch pädagogisches Geschick im Umgang mit Eltern und Kindern.

"Die Fähigkeiten und Kompetenzen im Hauswirtschaftlichen und pädagogischen, die kann man sich alle in der Schule aneignen. Aber ich muss gerne mit Menschen umgehen. Ich muss mich auf neue Situationen einstellen können. Ich darf mich nicht verstecken, denn wir gehen sehr persönlich, sehr intensiv mit Menschen um. Und umso intensiver wir das Gegenüber kennenlernen, umso mehr werden auch wir bekannt."

Heidemarie Wudowenz, Schulleiterin Diakonie

Besonders schwierige Fälle

Im Vergleich mit Berufen in der Industrie verdienen Beschäftigte im sozialen Bereich weniger Geld. Haus- und Familienpfleger bekommen Zuschläge für Nacht- und Sonntagseinsätze. Zudem steigt das Gehalt mit den Aufgaben, z.B. als Teamleitung. 
Katharina Albert hat sich für die Weiterbildung als sogenannte "HOT-Trainerin" entschieden. Sie kümmert sich um besonders schwierige Fälle, z.B. wenn Eltern mit Kind oder Haushalt völlig überfordert sind.

"HOT steht für Haushalts- und Organisationstraining. Ich begleite die Familien viel länger, viel engmaschiger. In der klassischen Familienpflege dauern die Einsätze ein bis zwei Wochen. Meine Aufträge kommen über die Jugendhilfe. Ich habe ein oder zwei Termine in der Woche und das über viele Wochen, Monate oder über Jahre. Ich begleite die Familie in ihrer Weiterentwicklung."

Katharina Albert, HOT-Trainerin

Haus- und Familienpfleger sind gesuchte Fachkräfte. Es gibt immer mehr Familien, die auf Hilfe angewiesen sind. Zudem benötigen auch Menschen, die aus Krisengebieten nach Deutschland kommen, Unterstützung.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Haus- und Familienpfleger/-in | in Bayern: Familienpfleger/-in
  • Ausbildungsdauer: je nach Bundesland unterschiedlich geregelt: in Bayern: 18 Monate Vollzeittheorie mit Kurzpraktika, im Anschluss halbjähriges Berufspraktikum | in Baden-Württemberg dreijährige Ausbildung - zwei Jahre Vollzeittheorie, ein Jahr Anerkennungspraktikum
  • Ausbildungsform: Vollzeitunterricht an Fachschulen und Praktika, z.B. in Familien
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Die Prüfung wird an den Fachschulen abgelegt.
  • Ausbildungsorte: Fachschule / Berufsfachschule und Praktikumsbetrieb, meist bei kirchlichen Wohlfahrtsverbänden, in der Familienhilfe, in Kindergärten oder Altenheimen.
  • Zugang: Abgeschlossene Berufsausbildung in einem für die Familienpflege förderlichen Beruf, z.B. als Kinderpfleger. Alternativ: mehrjährige berufliche Tätigkeit, z.B. als Alten- oder Familienpfleger. Als Berufspraxis kann ein freiwilliges soziales Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst angerechnet werden.
  • Eignung: Einfühlungsvermögen, Kontaktbereitschaft, Organisationstalent, Verantwortungsbewusstsein
  • Perspektiven: Übernahme von Führungsaufgaben im Team | Spezialisierung, z.B. als HOT-Trainer/in (Haushalts- und Organisationstrainig) | Studium, z.B. Sozialpädagogik  
  • Alternativen: Fachkraft für Pflegeassistenz | Dorfhelfer/-in | Hauswirtschafter/-in

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