ARD-alpha - Ich mach's!


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Hafenschiffer/-in Leinen los!

Hafenschiffer arbeiten auf Wasserfahrzeugen im Güter- und Personenverkehr. Sie führen Boote, machen sie fest und los, be- und entladen, pflegen und warten sie. Bei Bedarf stellen sie Schlepp- und Schubverbände zusammen. Das alles nicht auf hoher See, sondern nur in See- und Binnenhafenbetrieben.

Stand: 24.10.2014

Jonn Horstmann erlernt den Beruf des Hafenschiffers bei der "Hamburg Port Authority", kurz HPA. Das ist die Behörde, die das Hafenmanagement in Hamburg betreibt. Der Arbeitstag des 17-Jährigen beginnt oft schon um sechs Uhr am Morgen. Dann muss er als erstes auf der Otto-Höch, einem Transportschiff und Schlepper, unter Deck in den Maschinenraum. Dort checkt er die Ölstände der Motoren und Aggregate. Nur mit einem Okay aus dem Maschinenraum dürfen die Schiffsführer ablegen.

"Jeder Mensch, den ich kennen lerne und dem ich von meinem Beruf erzähle, ist auf jeden Fall erstmal überrascht und findet das auch schon recht cool, weil: Das macht ja nicht jeder so. Der Job ist ziemlich abwechslungsreich, und ich finde ihn auf jeden Fall toll!"

Jonn Horstmann (17), 2. Lehrjahr

Fünf Tonnen Fracht

Otto-Höch, Transportschiff und Schlepper

Heute muss die Crew neue Holzbalken zu einem Ponton bringen. Ein Ponton ist eine dem Ufer oder der Kaimauer vorgelagerte schwimmende Anlegestelle. Die Holzbalken sind für die sogenannte Fenderung: Schutzkörper, die Beschädigungen des Schiffes beim An- und Ablegen verhindern. Mit einem Kran werden knappe fünf Tonnen Holzbalken auf die Otto Höch gehievt. Jonn muss dabei aufpassen, niemals unter schwebende Lasten zu kommen. Wenn ein Seil mal reißt, kann eine solche Ladung lebensgefährlich werden.

Gewerbeschule "Werft und Hafen"

Gewerbeschule "Werft und Hafen" in Hamburg

Jonn ist im zweiten Lehrjahr der dreijährigen Ausbildung, die nur in Hamburg angeboten wird, egal ob man danach in Bremerhaven, Emden oder Wilhelmshaven arbeiten will. Alle Auszubildenden gehen in die Gewerbeschule "Werft und Hafen" in Hamburg. Hier lernen sie, Fahrtrouten zu planen oder mühen sich am Tauwerk mit verschiedenen Seemannsknoten ab. Lehrer Eberhard Wenzel, der früher als Nautiker zur See gefahren ist, klärt auf über An- und Ablegemanöver oder darüber, wie man im Hafen navigiert.

"Man muss gerne mit technischen Geräten im Hafen hantieren wollen. Man muss dieses Umfeld Hafen und ganz besonders den Hamburger Hafen - ich will nicht sagen 'lieben' - aber man muss sich dort zu Hause fühlen, beziehungsweise bereit sein, das als sein Zuhause anzunehmen."

Erhard Wenzel, Lehrer

Aus "Ewerführer" wurde Hafenschiffer

Schwere Last

Nathaniel Diallo hat das bereits verinnerlicht. Der 27-Jährige arbeitet für die "Walter Lauk Containerspedition und Ewerführerei". Ewer waren früher kleine Segelboote, die zum Transport von Stückgut dienten. Die alte Berufsbezeichnung für den Hafenschiffer ist "Ewerführer". Irgendwann wurden die Ewer durch sogenannte Schuten ersetzt. Eine Schute ist eine Art Transportschiff ohne eigenen Antrieb - sozusagen ein Anhänger. Mit ihrem Boot, der hundert Jahre alten "Jörn", zieht die Crew eine solche etwa 40 Meter lange Schute in einem Schleppverband zur Anlegestelle an den MAN-Hallen. Zwei 45 Tonnen schwere Motoren müssen abgeholt und zum Containerterminal geschafft werden. Von dort werden sie weiter nach China verschifft.

"Vorher hatte ich keine Ausbildung gemacht und so rumgejobbt. Ich wollte immer viele handwerkliche Sachen lernen, hab' aber keinen vielseitigen Beruf kennen gelernt bis auf jetzt diesen hier. Hier macht man ganz verschiedene Dinge wie Malerarbeiten am Schiff, dann hat man an der Maschine viel zu tun, und dann hat man halt die viele frische Luft. Das ist auch ganz geil."

Nathaniel Diallo (27), 2. Lehrjahr

Schiffsführer und Hafenrundfahrten

Mit einem Personenbeförderungsschein kann man Hafenrundfahrten veranstalten.

Auch Nathaniels Tag beginnt oft schon um sechs Uhr in der Früh, kann aber auch genauso gut am Nachmittag losgehen und in die Nacht hinein dauern. Der Hamburger Hafen ist ein 24-Stunden-Betrieb, der niemals ruht. Das bedeutet für die Hafenschiffer Schichtdienst. Nach der Ausbildung kann sich Nathaniel zum Beispiel zum Schiffsführer weiterbilden oder einen Personenbeförderungsschein machen und Hafenrundfahrten veranstalten.

Hafenschiffer sind also sowas wie Spediteure,  die Stückgut oder Container im Hafen von einer Stelle zur anderen transportieren - eine Arbeit an einem ganz besonderen Arbeitsplatz.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Hafenschiffer/-in
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule
  • Prüfung: Die Prüfung wird an der Handelskammer Hamburg durchgeführt.
  • Ausbildungsorte: Hafenbetriebe und Berufsschule. Für alle Auszubildenden in Deutschland ist die Berufsschule in Hamburg.
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Ein Hauptschulabschluss wird allerdings von den meisten Betrieben vorausgesetzt.
  • Eignung: Hafenschiffer und Hafenschifferinnen müssen körperlich robust und seefest sein. Sie sollten geschickt im Umgang mit Werkzeug, Tauen und Geräten sein und verantwortungsvoll handeln. Technisches Verständnis und Teamgeist sind Grundvoraussetzung.
  • Perspektiven: Nach der Ausbildung gibt es die Möglichkeit, den Fachwirt zu machen oder sich über die Fachschule oder ein Studium zum Nautiker weiterzubilden. Weitere Perspektiven sind der Hafenmeister oder der Logistikmeister.
  • Alternativen: Fachkraft für Lagerlogistik, Industriemechaniker/-in, Binnenschiffer/-in, Fischwirt/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr:

Hafenschiffer und Hafenschifferinnen hantieren mit schwerem Stückgut und Containern. Da muss man aufpassen, dass man beim Verladen nicht irgendwo dazwischen kommt. Außerdem sind Havarien, also Zusammenstöße, nicht auszuschließen. Ein Hafen ist kein Swimmingpool.

Team:

Zwar muss jeder Hafenschiffer sehr selbstständig arbeiten und anpacken können, viele Arbeiten wie das Laden und Löschen von Wasserfahrzeugen sind allerdings im Team zu bewältigen. An- und Ablegemanöver klappen nur im Miteinander.


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