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Glasveredler - Fachrichtung Schliff und Gravur Glasgestaltung bis ins Detail

Sie lernen Schliff und Gravur in ihrer Berufsausbildung. Und brauchen dazu eine ruhige Hand und viel Konzentration. Glasveredler ist ein Nischenberuf, der wenig bekannt ist. Doch für begabte Gestalter gibt’s immer was zu tun: Sie veredeln imposante Sportpoka-le, fein dekorierte Bierkrüge und zierliche Dessertschälchen. Handarbeit vom Feinsten.

Stand: 19.04.2017

Phillip Glashauser spannt  eine Schleifscheibe ein.  Er veredelt eine wertvolle Glasschale, die später für drei- bis vierhundert Euro verkauft wird. Mit ruhiger Hand und höchster Konzentration schleift er Sterne, Knöpfe und Strahlen in die Oberfläche. Phillip lernt in Bodenmais den Beruf des Glasveredlers in der Fachrichtung Schliff. In dem Betrieb mit 180 Mitarbeitern gibt's für ihn jeden Tag neue Aufgaben: Er schleift Verzierungen in Krüge, Gläser und Vasen.  Ihn reizt die Genauigkeit dabei. Beim Arbeiten mit Glas ist Vorsicht geboten, es kann brechen. Diese duale Ausbildung dauert drei Jahre.

Duale und schulische Ausbildung möglich

Karin Raith hat den anderen Weg gewählt: Sie lernt den Beruf an der staatlichen Fachschule in Zwiesel im Vollzeitunterricht. Auch sie lernt drei Jahre lang. Ihre Fachrichtung ist die Gravur. Mit einem handlichen Schleifgerät, das an einen Zahnarztbohrer erinnert, graviert sie zierliche Buchstaben in eine Oberfläche. Kreativität ist gefragt in diesem Beruf und ein gestalterisches Grundverständnis. Konzentration ist wichtig, wenn sie die vorgezeichnete Form eines Pinguins eingraviert. Die Konturen müssen stimmen, die Tiefen ebenfalls. Das Schleifrad steht fest, sie muss nur das Werkstück führen. Karin muss viel vornübergebeugt sitzen und muss immer die Arme anwinkeln. Am Feierabend betreiben viele Azubis deshalb Ausgleichssport.

Nach der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer gibt es mehrere Möglichkeiten: Gesellen können den Meister ablegen oder sich zum Techniker weiterbilden. Auch ein Studium ist möglich - für technisch Interessierte Werkstoffwissenschaften, für Menschen mit Neigung zur Gestaltung zum Beispiel "Kunst und Design".

Ein Nischenberuf mit langerTradition

Glasveredler: Ein Nischenberuf. Rund ein Dutzend Firmen bundesweit beschäftigt heute noch Glasveredler, die wertvolle Einzelteile herstellen für Liebhaber und Sammler. Darüber hinaus gibt es selbstständige Glasateliers. Kunstvoll verzierte Sonderanfertigungen wie Pokale, Teller und Vasen sind gerade heute wieder gefragt, im Zeitalter der Massenware. Im Bayerischen Wald rund um Zwiesel und Bodenmais liegt das Zentrum der Glasveredelung.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Glasveredler/-in Fachrichtung Schliff und Gravur
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: dual (im Betrieb/Berufsschule) oder Berufsfachschule (Vollzeit)
  • Prüfung: Im praktischen Teil der Abschlussprüfung bekommen die Prüflinge eine Aufgabe und müssen in acht Stunden eine vorgegebene Arbeitsprobe abliefern. 40 Stunden bekommen sie Zeit für ein frei gestaltetes Gesellenstück. Im Theorieteil geht's um Fachtheorie, Fachrechnen, Sozialkunde und Deutsch.
  • Ausbildungsorte: Azubis lernen im Betrieb (Ateliers und Firmen) und in der Berufsschule
  • Zugang: Keine schulische Vorbildung ist vorgeschrieben. Betriebe fordern meist vorab ein Praktikum. An der Berufsfachschule gibt es eine Aufnahmeprüfung.
  • Eignung: Glasveredler sollen eine gute Feinmotorik mitbringen und gestalterisches Grundtalent. Sie sollen gut sehen und sich konzentrieren können.
  • Perspektiven: Meister/-in, Techniker/-in,  Studium (in zwei Richtungen: Werkstoffwissenschaften oder Kunst/Design)
  • Alternativen: Glasmacher/-in, Glasmaler/-in oder Glasapparatebauer/in

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Beim Vorreißen und beim Detailschliff muss man mit ruhiger Hand und voller Konzentration arbeiten. Nicht abrutschen oder danebenschleifen - und immer die Vorzeichnung beachten.

Kreativität

Beim Gravieren von Vasen, Tellern und Schalen ist Fantasie gefragt. Nicht alle Dekore sind vorgegeben. Auch bei der Schriftgravur geht es darum, einen guten Schwung hinzukriegen und die richtigen Proportionen einzuhalten.

Gefahr

Glas kann brechen - es besteht Verletzungsgefahr. Keine Gefahr besteht durch Glasstaub - der wird vom Kühlwasser der Maschinen weggespült.

Genauigkeit

Oft wird filigranes Dekor aufs Glas aufgetragen oder feine Darstellungen von Tieren und Blattwerk. Da braucht es viel Aufmerksamkeit und Genauigkeit im Detail.


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