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Gärtner/-in Gemüsebau "Vitaminbomben" produzieren

Von Tomaten und Paprika auf der Pizza bis zum knackigen Salat: Gärtner im Fachbereich Gemüsebau säen, pflegen und ernten eine große Vielfalt an Gemüse von A wie Aubergine bis Z wie Zucchini.

Stand: 18.08.2014

Lautlos gleitet Andreas (20) mit einer elektrischen Arbeitsbühne durch die langen Reihen von Tomaten in einem 10.000 Quadratmeter großen Gewächshaus. Per Knopfdruck hievt er sich gut vier Meter in die Höhe und wickelt die Leittriebe der Pflanzen um Schnüre, damit sie weiter ranken und immer neue Früchte hervorbringen können. Gleichzeitig zwickt der Azubi, der im ersten Lehrjahr ist, überzählige Triebe ab. Über ihm spannt sich das riesige Glasdach. Ein grünes "Meer" aus gut 25.000 Tomatenpflanzen umgibt ihn. Hier pflegt und erntet Andreas zusammen mit Saisonarbeitskräften Tomaten, die an Supermärkte und Discounter in der Region verkauft werden.

"Wir wickeln jetzt die Tomate hier hoch, die wird so zirka neun Meter. Und wenn man sie immer hier hoch wickelt, irgendwann ist sie dann ganz oben. Die Seitentriebe tun wir dann raus, sonst würde da  immer mehr wachsen und die nehmen dann die Kraft von der Tomate und dann wird die Frucht nicht so schön."

Andreas Huber (20) 1. Lehrjahr

Schwankungen bei der Arbeitszeit

Gemüsegärtner arbeiten viel mit Maschinen und fahren Traktor. Technik und Natur - mit beidem haben sie während ihrer dreijährigen Ausbildung zu tun. Die Arbeit beginnt meist frühmorgens, weil die Früchte vom Acker oder aus dem Gewächshaus möglichst noch am gleichen Tag beim Kunden und beim Verbraucher sein sollen. So kommt es je nach Saison und Auftragslage zu starken Schwankungen bei der Arbeitszeit. Wer diesen Beruf ergreift, sollte körperlich belastbar sein. Im Ausbildungsalltag sind allerdings nicht nur Muskeln gefragt. Gärtner/-innen im Gemüsebau müssen viele Pflanzen kennen, die Ansprüche und die Eigenarten. Sie lernen die Wechselwirkungen von Boden, Klima und Pflanze kennen, berechnen den Düngerbedarf, erkennen und behandeln Krankheiten und Schädlinge im Pflanzenbestand. Das geschieht im herkömmlichen Gemüsebau meist noch mit chemischen Präparaten.

Pflanzenschutz mit Insekten

Immer öfter kommen aber auch Nützlingsinsekten im Kampf gegen Schädlinge zum Einsatz. Wer sich wie Kathrin (17) für den biologischen Gemüsebau interessiert, muss sich mit Schädlingen und Nützlingen besonders gut auskennen. Wenn viele Blattläuse an den Gurkenpflanzen saugen, setzt Kathrin unter anderem Schwebfliegen ein. Deren Larven fressen Blattläuse auf. Andere Schädlinge erfordern den Einsatz von Marienkäferlarven oder etwa Raubmilben.

"Das ist ganz was anderes, weil man spritzt, na ja, man spritzt halt. Aber so: Man bringt Tiere aus, dann sieht man, was die alles anrichten - also was man mit Tieren machen kann anstatt mit Pflanzenschutzmitteln. Was man anderes nehmen kann. Das ist eigentlich ganz interessant."

Kathrin Höfler (17) 1. Lehrjahr

Biologisch oder konventionell

Ob biologisch oder konventionell erzeugtes Gemüse - der Nachwuchs erlernt in der Theorie beide Verfahren. In den verschiedenen Ausbildungsbetrieben unterscheidet sich auch der Arbeitsalltag. Während Kathrin im Bio-Betrieb mit Kompost, Hornspänen und anderen natürlichen Düngern arbeitet, versorgt Andreas die herkömmlich auf einem Vulkansubstrat wachsenden Tomaten seines jungen Meisters Thomas (22) über eine zirkulierende Nährstofflösung. Stickstoff, Kalium, Phosphor und viele andere Nährstoffe und Spurenelemente lernen Azubis kennen und verstehen sie auch richtig einzusetzen. Fehler bei der Düngung machen Pflanzen unverkäuflich. Da kostet eine Ungenauigkeit schnell mehrere tausend Euro Gewinneinbuße.

25.000 Pflanzen am Tropf

Im modernen Gewächshaus von Thomas hängen 25.000 Tomatenpflanzen gewissermaßen am Tropf. Wie ein Arzt reguliert Thomas als Gärtner den Tropf und die Dosis. Der Meister reguliert das Klima im Gewächshaus und ist für die Tomatenproduktion im Betrieb verantwortlich. Für den Nachwuchs sieht er gute Perspektiven.

"Die Strukturen im Gartenbau schauen so aus: die Betriebe werden eigentlich immer weniger, aber die, welche noch da sind, werden immer größer. Und die brauchen Fachkräfte. Die suchen händeringend nach Fachkräften. Da gibt es auch - wie gesagt - ob man Freiland etwas machen will, oder im Gewächshaus, ob man mehr mit Maschinen arbeitet oder mehr mit Mitarbeitern, Möglichkeiten gibt es genügend."

Thomas Rottner (22) , Gärtnermeister

Gärtner/-innen im Gemüsebau sehen bei der Ernte ständig die Erfolge ihrer Arbeit. Zwar gibt es auch Rückschläge. Aber der Prozess vom Säen und Pflanzen über die Pflege bis zur Ernte und Vermarktung ist einfach immer wieder spannend.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Gärtner/-in Fachrichtung Gemüsebau
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die praktische Ausbildung findet in Gemüsebaubetrieben statt.  Die Theorie wird an bestimmten Wochentagen an Berufsfachschulen vermittelt.  
  • Ausbildungsorte: Gemüsebaubetriebe im Freiland und im Gewächshaus, Berufsschule
  • Zugang: Hauptschulabschluss
  • Eignung: handwerkliches Geschick, gute körperliche Verfassung, Teamfähigkeit
  • Prüfung: Praktisch, schriftlich und mündlich - je nach Bundesland - meist bei Landwirtschaftskammern
  • Alternative: Gärtner/-in im Zierpflanzenbau

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Gärtner/-innen im Gemüsebau müssen beim Düngen und bei der Pflege der Pflanzen genau arbeiten, weil Schäden an den Pflanzen die Früchte unverkäuflich machen können. Azubis müssen Rücksicht auf Umwelt und Verbraucher nehmen und sich an gesetzliche Vorschriften halten.

Arbeitszeit

Morgens um sechs Uhr sind Gärtner/-innen in der Regel schon auf dem Feld oder im Gewächshaus, denn das Gemüse soll möglichst noch am gleichen Tag frisch zum Kunden und zum Verbraucher gelangen. Saisonale Schwankungen bei der Arbeitszeit gehören zu diesem Beruf.


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