ARD-alpha - Ich mach's!


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Gärtner/-in der Fachrichtung Obstbau Alles für die Ernte

Mehr Natur geht nicht: Wer Gärtner/-in der Fachrichtung Obstbau lernt, darf kein Stubenhocker sein. Bei Wind und Wetter kümmern sich die Obstspezialisten um Anbau, Pflege und Ernte von Apfel, Birne und Co.

Stand: 07.10.2014

Vorsichtig hebt Felix Maurer die jungen Birnbäumchen auf den Hänger. Auf keinen Fall darf er die zarten Knospen verletzen. Die Pflanzen sollen jetzt im Frühjahr auf der Birnenplantage von Familie Jäger gepflanzt werden. Gemeinsam mit Ausbilder Andreas Jäger sucht Felix dafür die geeigneten Stellen. Mit dem Spaten hebt er tiefe Löcher aus. Die Bäumchen müssen schließlich Wurzeln schlagen können. Auf Dauer ist das für den 20-Jährigen ganz schön anstrengend - körperlich fit sollte ein Gärtner daher auf jeden Fall sein. Felix arbeitet sehr sorgfältig und bedacht, denn nur gepflegte, gesunde Bäume können optimale Ernteerträge bringen. In ein paar Monaten wird er sehen, ob sich aus den Knospen an Apfel- und Birnbäumen leckeres Obst entwickelt hat.

"Maschine führen heißt vor allem Maschine verstehen"

Vera Scheidt beim Maschinenlehrgang mit der Bodenfräse

Wie schwer eine Bodenfräse ist, spürt Vera Scheidt heute zum ersten Mal: Beim Lehrgang der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Triesdorf lernt die 18-Jährige, verschiedene Maschinen zu bedienen. Die Bodenfräse zum Beispiel hilft dabei Erde umzupflügen oder Dünger unter zu mischen. "Maschine führen heißt vor allem Maschine verstehen", sagt Kursleiter Reinhold Fischer. Nur so können die Gärtner damit verlässlich arbeiten und bringen sich nicht selbst in Gefahr. Deshalb ist Maschinenkunde ein wichtiger Teil der Ausbildung. Die künftigen Gärtner sollten zumindest Grundkenntnisse über die Technik der vielen verschiedenen Landmaschinen haben.

"Wenn man die Maschine im Einsatz hat und nicht aufpasst, macht sie schnell was sie will. Aber man muss sich immer an die Maschine ran trauen und umso öfter ich diese Maschine bediene, umso sicherer werde ich."

Reinhold Fischer, Landwirtschaftliche Lehranstalt Triesdorf

Auch faule Kirschen müssen vom Baum

Kirschernte in der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau bei Veitshöcheim

Die nötige Fahrpraxis sammeln sie bei der Arbeit in ihren Ausbildungsbetrieben. Schlepperfahren zum Beispiel ist für Vera und ihren Mit-Auszubildenden Florian mittlerweile ein Leichtes. Die beiden sind im ersten Lehrjahr und absolvieren ihre Ausbildung bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenanbau in Veitshöchheim.

Im Juni ist Kirscherntezeit. Ausbilder Roman Döppler erklärt Vera und Florian, dass sowohl die "guten" als auch die "schlechten" Kirschen vom Baum gepflückt werden müssen. Faule Kirschen sind Infektionsquellen und könnten auch die Früchte im kommenden Jahr gefährden. Die Ernte bedeutet auch heute noch mühsame Handarbeit und geht ganz schön aufs Kreuz. Aber Vera genießt es, nicht im Büro zu sitzen, sondern immer an der frischen Luft zu sein. Auch, wenn sie dabei oft im Regen steht oder im Winter in der Kälte. "Es kommt halt auf die richtige Kleidung an", sagt sie.

"Draußen zu arbeiten und draußen zu lernen ist natürlich eine gute Kombination und macht natürlich viel mehr Spaß als im normalen Unterricht drinnen zu sitzen und zu lernen."

Vera Scheidt (18), 1. Lehrjahr

Apfelernte im September

Ernte der Apfelsorte Gala

Im September steht am Bodensee die Ernte der Apfelsorte Gala an. Felix' Arbeit über das ganze Jahr hinweg hat sich gelohnt: Groß sind die Früchte, knallrot und innen saftig. Genau so soll Tafelobst aussehen und schmecken. Felix hat seinen Traumjob gefunden. Für ihn gibt es nicht Schöneres, als am Ende des Jahres reife Früchte von den Bäumen zu pflücken. Wenn die Äpfel und Birnen gesund sind, weiß er, dass er alles richtig gemacht hat.

"Die Betriebe, die heute weitergeführt werden, die wachsen alle. Und gut ausgebildete Leute gibt's nicht im Supermarkt zu kaufen, die muss man selber ausbilden. Und dieser Markt, in dem der Gärtner Fachrichtung Obstbau gebraucht wird, ist meines Erachtens sehr, sehr groß und wächst jeden Tag."

Andreas Jäger, Obstbauer

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Gärtner/-in der Fachrichtung Obstbau
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung, die in der Berufsschule und im Ausbildungsbetrieb stattfindet
  • Prüfung: Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung, die meist von den Landwirtschaftskammer abgenommen wird. Sie ist unterteilt in einen theoretischen und einen praktischen teil. 
  • Ausbildungsorte: Der theoretische Unterricht wird an Berufsschulen erteilt. Der praktische Teil erfolgt in den Ausbildungsbetrieben, meist sind das Obstbaubetriebe.
  • Zugang: Nach dem Berufsbildungsgesetz ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen aber überwiegend angehende Gärtner/ -innen in der Fachrichtung Obstbau mit einem mittleren Bildungsabschluss ein.
  • Eignung: Bewerber/ -innen sollten handwerkliches Geschick, Naturverbundenheit und Verantwortungsbewusstsein mitbringen.
  • Perspektiven: Meister/-in, Techniker/-in, Fach- und Betriebswirt/-in, Agraringenieur/-in
  • Alternativen: Gärtner/-in mit Fachrichtung Gemüsebau, Baumschule, Garten- und Landschaftsbau

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kraft

Löcher mit dem Spaten ausheben, junge Bäume umpflanzen, Kisten schleppen, monatelang in Handarbeit ernten - Gärtner/-innen mit Fachrichtung Obstbau brauchen eine gute körperliche Ausdauer. 

Gefahr

Schon während der Ausbildung hantieren die künftigen Gärtner/-innen mit elektrischen Scheren und anderen nicht ungefährlichen Maschinen. Auch beim Hantieren mit Chemikalien wie Spritzmitteln ist Verantwortungsbewusstsein gefragt.

Geschick

Handwerkliches Geschick ist für Gärtner/-innen mit Fachrichtung Obstbau unverzichtbar. Für die Arbeit mit Traktoren, Fräsen und  anderen Landmaschinen ist auch ein gewisses Maß an technischem Verständnis hilfreich.


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