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Fluggerätelektroniker/-in Sie bringen den Vögeln das Fliegen bei

Fluggerätelektroniker arbeiten hauptsächlich bei Herstellern von Hubschraubern und Flugzeugen, in Zulieferbetrieben sowie in Reparatur- und Instandhaltungswerkstätten der Fluggesellschaften und Flughäfen. Auch auf Luftwaffenstützpunkten der Bundeswehr sind sie im Einsatz.

Stand: 04.12.2013

Die Boeing 747 steht schon im Hangar. Die Kollegen von der Nachtschicht haben den Jumbo vor zwei Stunden reingebracht. Für Johannes Maier ein besonderer Tag: Heute darf er zum ersten Mal allein die Verkabelung der Triebwerke auf Beschädigungen prüfen. Ihm macht es nichts aus, dass später ein erfahrener Kollege diese Prüfung wiederholen wird. Als Azubi im dritten Jahr darf er noch nicht dafür unterschreiben, dass alles korrekt ist. Aber dennoch: Der 19-Jährige bekommt ein Gefühl davon, wie es ist, wenn man für die Sicherheit eines Passagierflugzeuges mitverantwortlich ist. Johannes lernt Fluggerätelektroniker bei "Lufthansa Technik" in Frankfurt. Fluggerätelektroniker installieren elektrische und elektronische Baugruppen, Geräte und luftfahrttechnische Systeme wie Radarsysteme.

Englisch ist die Sprache der Luft- und Raumfahrt.

Fluggerätelektroniker wie Johannes müssen sehr gewissenhaft und genau arbeiten. Ein Fehler kann unter Umständen Menschenleben kosten. Johannes prüft mit der Diagnosekamera die Turbinenschaufeln der 747 auf Beschädigungen. Ganz langsam dreht er die mannshohe Turbinenschaufel. Alles okay! Eine Stunde später sitzt Johannes im Unterricht bei Rudolf Lemki. Zusammen mit den anderen Azubis steht "technisches Englisch" auf dem Stundenplan. Englisch ist die Sprache der Luft- und Raumfahrt. Alle Dokumentationen sind auf Englisch verfasst. Die angehenden Fluggerätelektroniker und -elektronikerinnen haben unterschiedliche Sprachkenntnisse. Aber selbst, wer mit Abitur kommt und Englisch als Leistungskurs belegt hat, lernt im Sprachunterricht noch unzählige technische Fachausdrücke dazu. Die brauchen Johannes und die anderen Auszubildenden auch, um später mit ausländischen Piloten und Mechanikern sprechen zu können. Außerdem: Wer Englisch perfekt beherrscht, der hat später auch im Ausland als Fluggerätelektroniker gute Chancen auf einen Job.

Begeisterung für Physik und Mathematik

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Neben der Ausbildung im Betrieb besucht Johannes die Berufsschule. Grundsätzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Johannes hat Realschulabschluss. Damit gehört er zu den Zweidritteln der Azubis, die mit mittlerer Reife beginnen. Der überwiegende Rest kommt mit Abitur. Physik, Mathematik, handwerkliches Arbeiten - das hat Johannes in der Schule schon immer begeistert. Bei der Ausbildung kommen ihm diese Neigungen zu Gute. In dem Job spezialisiert man sich üblicherweise auf ein Einsatzgebiet. Bei Johannes sind das Flugzeuge mit Turbinentriebwerken.

In engen Räumen unter Zeitdruck

Johannes kennt auch die negativen Seites des Jobs: Er wird später im Schichtbetrieb arbeiten, muss sich oft in enge Räume zwängen und unter Zeitdruck arbeiten. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass Johannes bei Montage-Einsätzen auch über einen längeren  Zeitraum an anderen Standorten oder im Ausland eingesetzt wird. Das schreckt ihn nicht ab: Ihn fasziniert alles, was fliegen kann.

Lizenz zum Schrauben

Um an Hubschraubern und Flugzeugen selbsttätig arbeiten zu dürfen, reicht die abgeschlossene Ausbildung zum Fluggerätelektroniker nicht. Richtlinien verlangen zusätzlich spezielle Lizenzen. Dafür müssen die Prüflinge einen umfangreichen "Multiple Choice Test" bestehen und mindestens 18 Jahre alt sein. Je nach Art der Lizenz dürfen die Mitarbeiter dann entweder Wartungsarbeiten durchführen oder an sicherheitsrelevanten Komponenten der Fluggeräte arbeiten. Bis Anfang 2013 mussten sich die Azubis im Anschluss an ihre Ausbildung für diese Prüfung weiterbilden. Mittlerweile gehört die Vorbereitung auf den Lizenzerwerb zum Ausbildungslehrplan dazu.

"Die Jugendlichen müssen gute Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen. Und das Thema Englisch darf man nicht vergessen, denn die Sprache der Luftfahrt ist Englisch. Aber der vielleicht wichtigste Punkt ist die Begeisterung für die Luftfahrt. Wenn jemand im Bewerbungsgespräch von Luftfahrzeugen spricht und dabei ein gewisses Leuchten in den Augen hat, dann ist das die richtige Person für uns."

Joachim Herfert, Ausbildungsleiter Eurocopter

Da die Bauteile, die Fluggerätelektroniker und Fluggerätelektronikerinnen in Handarbeit montieren, teils sehr klein sind, sind gutes Sehvermögen und eine ruhige Hand erforderlich. Wichtig auch: Wer sich für den Beruf entscheidet, muss uneingeschränkt farbsehtüchtig sein. Hätte Johannes beispielsweise eine Rot-Grün Sehschwäche, dann könnte er unabsichtlich Kabel vertauschen. Die deutsche Ausbildung zum Fluggerätelektroniker genießt international einen sehr guten Ruf und öffnet Türen. Johannes hätte gute Chancen, auch im Ausland einen Job zu bekommen. Doch er will gar nicht weg vom deutschen Standort: Hier fühlt er sich wohl.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fluggerätelektroniker/-in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Im Einzelfall kann die Lehrzeit verkürzt werden.
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt. Sie wird in der Industrie angeboten.  
  • Prüfung: Schon vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres legen die Lehrlinge den ersten Teil ihrer Abschlussprüfung ab. Das Ergebnis geht zu 30 Prozent in die Endnote ein. Am Ende der Lehrzeit folgt die restliche Hauptprüfung mit einem schriftlichen und ausführlichen praktischen Teil.
  • Ausbildungsorte: Fluggerätelektroniker/-innen absolvieren ihre Ausbildung überwiegend in Betrieben der Fluggerätherstellung, -ausrüstung, -wartung und -instandsetzung, bei Luftfahrtgesellschaften und bei der Bundeswehr. Sie sind in Werkstätten, Werkhallen und im Außenbereich tätig. Der Berufsschulunterricht findet zum Teil in Blockform in Fachklassen statt.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Fluggerätelektroniker/-innen müssen voll farbsehtauglich sein, sollten sorgfältig arbeiten und naturwissenschaftlich interessiert sein. Handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und solide Englischkenntnisse sind wichtig.
  • Perspektiven: Beschäftigung finden Fluggerätelektroniker/-innen in Betrieben der Luft- und Raumfahrtindustrie, bei Fluggesellschaften und bei der Bundeswehr.
  • Alternativen: Fluggerätmechaniker/-in, Systemelektroniker/-in, Mikrotechnologe/-technologin, Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik, Mechatroniker/-in

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Fluggerätelektroniker müssen sehr gewissenhaft und genau arbeiten. Ein Fehler kann unter Umständen Menschenleben kosten. Die Fluggerätelektroniker dokumentieren jeden Arbeitsschritt. Sie unterschreiben jeden Auftrag und bestätigen damit, dass sie alle Aufgaben richtig und fehlerlos ausgeführt haben.

Kommunikation

Englisch ist die Sprache der Luftfahrt. Handbücher und Dokumentationen sind auf Englisch, die Fluggerätelektroniker sprechen mit ausländischen Mechanikern und Piloten ebenfalls Englisch. In den meisten Ausbildungsbetrieben besuchen die Azubis einen speziellen Sprachunterricht, um technische Fachausdrücke zu lernen.

Mobilität

Wer als Fluggerätelektroniker/-in im Flughafenbereich arbeitet, benötigt unbedingt einen Führerschein. Der zivile Führerschein gehört zu den Voraussetzungen, um auch den so genannten Flughafenführerschein machen zu können. Den brauchen die Fluggerätelektroniker/-innen, um mit ihren Dienstwagen auf dem Vorfeld zu Flugzeugen und Hubschraubern zu fahren.


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