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Flachglasmechaniker/-in "Glasklar"

Streifenfrei geputzt ist Glas beinahe unsichtbar. Aber wer sich einmal genau in seinen vier Wänden umschaut, entdeckt Glas fast in jedem Raum: Fenster, Türen, Spiegel, Dusch- und Trennwände - gefertigt von Flachglasmechanikern. Sie verarbeiten vorgefertigte Flachglastafeln und veredeln sie.

Stand: 26.06.2015

Alex Sänger will Flachglasmechaniker werden. Nach einem Praktikum bei Semcoglas in Sennfeld bei Schweinfurt hat er die dreijährige Ausbildung begonnen.

"Die ersten Tage, die fand ich so richtig spannend sogar. Wie ich das Glas bearbeite, wie ich es anfassen kann. Weil nicht jede Glasdicke darf ich anfassen wie ich will und man muss auch sehr vorsichtig sein."

Alex Sänger (19), 1. Lehrjahr

Rasiermesserscharfe Kanten

Heute darf Alex beim Abladen einer Glaslieferung mit anpacken. Doch er muss sich an bestimmte Sicherheitsvorschriften halten, denn die tonnenschweren Platten können schnell gefährlich werden. Beim Zuschnitt ist äußerste Vorsicht geboten. Alex soll aus den rund 20 Quadratmeter großen Glasplatten Duschwände zuschneiden. Ein ferngesteuerter Schneidkopf erzeugt nach speziellen Schnittplänen Sollbruchstellen. Anschließend legt Alex seine Schutzhandschuhe an, denn er muss das acht Millimeter Glas von Hand brechen - dabei können rasiermesserscharfe Kanten entstehen.

Gefühl für Werkzeug und Material

Schleifen, bohren, sägen oder colorieren, die Bandbreite der Maschinen, die Alex während seiner Ausbildung kennenlernt, ist groß. Viele davon sind computergesteuert. Flachglasmechaniker lernen elektronisch gesteuerte Anlagen zu bedienen, zu reinigen und zu warten. Technisches Verständnis und gute Noten in Mathematik sind für diese Ausbildung hilfreich.

"Also das wichtigste ist glaube ich mal ein bisschen Talent. Ein bisschen ein Gefühl für Werkzeug oder für Material an sich. Man kann viel lernen, aber die Voraussetzung ist einfach, dass man ein bisschen ein Gefühl mitbringt. Man sollte auch ein bisschen rechnen können, weil es sind ja ganz viele technische Zeichnungen oder Ausschnitte zu machen, wo natürlich da ein 3-D-Denken auch nicht verkehrt wäre."

Ludwig Nausch, Fachlehrer Glasfachschule Zwiesel

Elf Wochen Blockunterricht

Alle zwei bis drei Monate fährt Alex zur Berufsschule nach Zwiesel. Hier geht er in die Glasfachschule, Bayerns einzige Berufsschule für Flachglasmechaniker. Deutschlandweit gibt es noch drei weitere Schulen in Wertheim, Rheinbach und Ilmenau. Insgesamt hat er elf Wochen Blockunterricht im Jahr. Alex lernt technische Zeichnungen lesen und bekommt von Fachlehrer Ludwig Nausch jeden einzelnen Arbeitsschritt gezeigt.

"Das Zeichnen und das Zuschneiden finde ich jetzt gehört zu den leichteren Dingen. Und das Polieren und das Schleifen, da muss es schon recht genau sein, da ist es schon etwas anstrengend."

Alex Sänger (19), 1. Lehrjahr

Weltweit im Einsatz

70 Kilometer weiter - bei Okalux in Marktheidenfeld. Hier wird Glas mit rund 200 verschiedenen Materialien kombiniert. Die Flachglasmechaniker Angela Ettwein und Ali Yilmaz verbauen ein Holzraster zwischen zwei Glasplatten. Bei schweren Glasplatten ist es hilfreich im Team zu arbeiten. Wer als Frau diesen Beruf lernen will, muss wie Angela gut anpacken können. Sie hat vor, demnächst ihren Meister zu machen. Flachglasmechaniker haben auch gute Weiterbildungsmöglichkeiten, entweder zum Techniker oder zum Meister der Fachrichtung Glas. Wer will kann beispielsweise auch ein Studium in Maschinenbau oder Glastechnik draufsetzen. Auch Daniel Laberenz hat ursprünglich Flachglasmechaniker gelernt und wird jetzt bei Okalux in das Projektmanagement eingearbeitet. Zukünftig begleitet Daniel internationale Aufträge. Von der Forschungsstation in der Antarktis bis zur Zentralbibliothek in Seattle - die Spezialgläser aus Unterfranken kommen weltweit zum Einsatz.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Flachglasmechaniker/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule
  • Prüfung: Die Prüfung wird von der IHK durchgeführt
  • Ausbildungsorte: Industriebetriebe für Flachglasherstellung
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber/-innen mit mittlerem Bildungsabschluss oder mit Hauptschulabschluss ein.
  • Eignung: Dieser Beruf erfordert technisches Interesse, handwerkliches Geschick und ist körperlich anstrengend. Im Umgang mit Glas sind Genauigkeit und Kraft wichtig. Fehler können zu schweren Verletzungen führen. Die Bereitschaft für Schichtdienst muss vorhanden sein.
  • Perspektiven: Die Branche sucht gut geschulte Leute und bietet viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Prüfung zum Techniker/-in, Meister/-in der Fachrichtung Glas oder beispielsweise ein Studium Maschinenbau oder Glastechnik fördern den Aufstieg.
  • Alternativen: Flachglasveredler/-in, Glasschneider/-in, Glasveredler/-in Fachrichtung Kanten- und Flächenveredlung oder Schliff und Gravur, Industrieglasfertiger/-in, Verfahrensmechaniker/-in - Glastechnik

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Beim Abladen der tonnenschweren Flachglastafeln ist besondere Vorsicht angesagt. Auch beim Zuschneiden und Weiterverarbeiten müssen sich Flachglasmechaniker streng an die Sicherheitsvorschriften halten und Schutzkleidung tragen.

Kraft

Flachglasmechaniker müssen anpacken und schwer heben können. Vor allem das Abstellen von Glasplatten erfordert viel Kraft.

Genauigkeit

Bei diesem Beruf kommt es auf jeden Millimeter an. Ein falsches Maß oder eine fehlerhaft programmierte Maschine und der Auftrag ist schnell in Gefahr. Flachglasmechaniker müssen genau arbeiten und stets die Qualität ihrer Arbeit kontrollieren.

Geld

Im Vergleich zu anderen Industrieberufen, verdienen Flachglasmechaniker durchschnittlich.

Info

Fast die Hälfte der Auszubildenden haben die mittlere Reife. Aber auch Hauptschüler können gut mithalten. Ideal ist, wenn man schon gute Noten in Mathematik und Werken hatte. Deutschlandweit gibt es vier Berufsschulen: Zwiesel, Wertheim, Rheinbach und Ilmenau.


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