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Figurenkeramformer Wertvolle Porzellanplastiken nachbilden

Figurenkeramformer lernen einen seltenen Beruf. Sie arbeiten meist in traditionsreichen Porzellanfirmen und fertigen per Hand gefragte Sammlerstücke. Nach Original-Vorlagen setzen sie Einzelteile aus noch formbarem Porzellan zu Figuren zusammen, versäubern die Nähte und modellieren winzige filigrane Details.

Stand: 23.05.2014

Die Porzellanmanufaktur Meissen in Sachsen, gegründet 1710 von August dem Starken. In diesem Traditionsbetrieb lernt Stefan Bleyl, 25 Jahre. Im ersten Lehrjahr zeichnet er so gut wie den ganzen Tag lang: Für seine Ausbildung zum Figurenkeramformer muss er erst einmal sehen lernen, um die Objekte genau wiedergeben zu können. Erst dann darf er ran an die wertvolle Masse, ans Porzellan.

Stilgerecht und modellgetreu

Anna Jaszpataki im dritten Lehrjahr ist da schon viel weiter: Sie formt gefragte historische Figuren, streng nach alten Vorgaben. Die verschiedenen Körperteile der Figuren fügt Anna mit flüssiger Porzellanmasse zusammen. Anschließend geht es um winzige Details: Faltenwürfe am Gewand oder Haarbüschel am Kopf herausarbeiten, Zehen modellieren. Die Auszubildenden sollen die Originale stilgerecht und modellgetreu nacharbeiten, die Blätter und Ranken, die Gesichter und Hände. Als Arbeitswerkzeuge verwenden die Figurenkeramformer Lanziereisen, Kratzer, Modellierhölzer und Pinsel. Früher hieß der Beruf Bossierer, die Abteilung war die Bossierstube. In der Bossierstube oder Formerei erhalten die vielteiligen Plastiken durch die kundigen Mitarbeiter heute noch ihre endgültige, wertvolle Form.

"Es ist wichtig, beim Modellieren den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Die Porzellanmasse soll im lederharten Zustand sein, das sind ungefähr 16 Prozent Feuchtigkeitsgehalt."

Anna (23), 3. Lehrjahr

Asiatische Kundschaft

In der bekannten Porzellanmanufaktur Nymphenburg in München garniert Caroline mit einem winzigen Schleifchen den Schuh ihrer reproduzierten Figur: Sie arbeitet an einem Pierrot, einer Porzellanfigur von Anton Bustelli aus dem italienischen Rokoko. Sammler lieben diese Schmuckstücke, die nur in begrenzter Stückzahl hergestellt werden. Wachsende Absatzmärkte für diese Porzellanfiguren liegen vorwiegend in Asien, wo die Porzellanherstellung seit alters her Tradition hat: Kundschaft findet sich zunehmend in Hongkong, China und Taiwan.

"Am liebsten mache ich kleine Schleifchen und Blümchen, die macht man dann komplett selber per Hand. Da, so ein Schleifchen, das hab ich per Hand gemacht, das macht mir Spaß."

Caroline (28), 2. Lehrjahr

Beruf mit Seltenheitswert

Die Ausbildung zu diesem traditionsreichen und ausgefallenen Beruf dauert drei Jahre. Ein bestimmter Schulabschluss ist dafür nicht Voraussetzung. Die Prüfung zum Facharbeiter findet vor der Industrie- und Handelskammer statt. Nur noch wenige Porzellanmanufakturen in Deutschland bilden diesen Beruf aus. Wer mit dem Facharbeiterzeugnis weiterlernen möchte, kann den Produktdesigner draufsetzen oder sich selbständig machen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Figurenkeramformer/-in
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: Betrieb und Berufsschule (dual)
  • Zugang: kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer (Facharbeiterprüfung)
  • Eignung: Zeichentalent, räumliches Vorstellungsvermögen, feinmotorisches Geschick, ästhetisches Empfinden
  • Perspektive: Produktdesigner/in, Werkstoff-/Prüftechniker/in, Selbständigkeit

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Figurenkeramformer müssen sorgfältig arbeiten und passgenau. Sie formen und modellieren winzige Blüten, Blätter und Dekorationen, die sie dann exakt auf den Figuren platzieren. Das Endergebnis muss genau dem Original entsprechen.

Geschick

Die Auszubildenden lösen die vorgeformten weichen Einzelteile ihrer Figuren behutsam aus der Gipsform, versäubern die Nähte und bearbeiten Fugen und Details mit dem Lanzetteisen. Kleine Garnierteile formen sie frei mit der Hand.


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