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Fachpraktiker/-in für Zerspanungsmechanik Drehen, fräsen, bohren

Der Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik ist eine gute Einstiegsmöglichkeit ins Berufsleben für junge Menschen mit Handicap. Während der Ausbildung lernen sie die handwerklichen Grundlagen der Metallbearbeitung, sie arbeiten an Dreh- und Fräsmaschinen und fertigen an computergesteuerten Werkzeugmaschinen komplizierte Teile aus Metall.

Stand: 04.07.2016

Lukas schiebt einen Stab aus Messing in die CNC-Maschine. Gleich wird sich herausstellen, ob er und Güven die computergesteuerte Maschine richtig eingestellt haben. Die soll den Stab in einen kleinen Fußball-Pokal verwandeln.

Lukas und Güven machen eine Ausbildung zum Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik am Berufsbildungswerk Nürnberg. Dort lernen junge Menschen mit Hör- oder Sprachschädigung. Lukas stottert, Güven hört schlecht. Beide sind im dritten von dreieinhalb Lehrjahren, beide haben den Quali.

"Mit der Zeit entwickelt sich eine Routine, mit der man sicherer wird – aber die Arbeit bleibt doch immer eine Herausforderung. Wir müssen ja zum Beispiel meistens eine bestimmte Zeit einhalten, bis wann wir die Teile abliefern müssen."

Ibrahim Güven Önal (19), 3. Lehrjahr

Lernen, wohnen, leben im Berufsbildungswerk

Die Bundesagentur für Arbeit entscheidet, wer diese Ausbildung machen darf. Die meisten Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik lernen ihren Job an einem Berufsbildungswerk. Die Ausbildung dort zahlt die Agentur für Arbeit, sie übernimmt auh die Kosten für die Unterbringung in einem Internat und die Verpflegung.Lukas und Güven besuchen die Berufsschule des Berufsbildungswerks. Dort lernen sie, welche Eigenschaften die verschiedenen Metalle haben, wie man die bearbeitet und wie CNC-Maschinen funktionieren. Außerdem schreiben sie einfache Programme für diese  Maschinen. Bei der Ausbildung zum Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik lernen die Azubis weniger Theorie als beim  Vollberuf, dem Zerspanungsmechaniker. Die Klassen an der Berufsschule sind kleiner und die Lehrer können individuell auf die Schüler eingehen.

"An unserer Schule ist der große Vorteil, dass wir maximal zehn Schüler haben. Das bedeutet, wir können in Kleingruppen arbeiten, individuell auf jeden Schüler eingehen und ihn an seinem Leistungsstand abholen."

Mario Zahner, Berufsschullehrer

Jeder Azubi an einem Berufsbildungswerk erhält außerdem eine auf ihn zugeschnittene Betreuung: Lukas geht jede Woche zur Sprachtherapie, um sein Stottern abzulegen. Für andere Azubis gibt es Sport- und Physiotherapie oder psychologische Betreuung.

Praktische Erfahrungen im Unternehmen

Im Berufsbildungswerk Don Bosco in Aschau am Inn lernen junge Menschen mit Lernschwäche, psychischen Problemen oder einer körperlichen Behinderung. Manuel Gestner und Johannes Icks machen dort  ihre Ausbildung zum Fachpraktiker für Zerspanungsmechaniker. In der Lehrwerkstatt lernen sie die Grundlagen der Metallbearbeitung wie Sägen, Feilen und Bohren, die Arbeit an Fräs- und Drehmaschinen sowie das Bedienen von CNC-Maschinen.

"Ich würde die Ausbildung empfehlen, weil sie Spaß macht, weil sie abwechslungsreich ist und weil sie einen auch zufrieden machen kann. Man sieht, wie sich das Teil vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt entwickelt. Wenn man am Abend nach hause kommt, hat man was Interessantes zu erzählen - das macht einen schon glücklich."

Johannes Icks (20), 3. Lehrjahr

Immer wieder während ihrer Lehrzeit sammeln sie  praktische Erfahrungen in Unternehmen. Dort arbeiten sie ganz normal mit und können zeigen, was sie schon gelernt haben.

Da ist das Ding!

Bei Lukas und Güven wird es spannend. Sie haben die Tür der CNC-Maschine geschlossen. Nur ein Knopfdruck, dann legt die Maschine los - genau nach dem vorgegebenen Programm. Sie setzt verschiedene Werkzeuge ein und verwandelt in wenigen Minuten den Messingstab in einen filigranen Fußballpokal im Miniatur-Format.

Den bringt Güven an der Schleifmaschine noch zum Glänzen. Fertig! Die beiden haben ganze Arbeit geleistet – und mit ihrem Job eine gute Einstiegsmöglichkeit ins Berufsleben.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachpraktiker/-in für Zerspanungsmechanik
  • Ausbildungsdauer: dreieinhalb Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb oder in der Lehrwerkstatt und an der Berufsschule
  • Ausbildungsorte: Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation wie Berufsbildungswerke – meist mit Unterbringung im Internat; seltener Industriebetriebe: Hersteller von Geräten, Fahrzeugen und Maschinen
  • Zugang: ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben; viele Fachpraktiker/-innen für Zerspanungsmechanik haben den Quali, auch ohne Schulabschluss ist die Ausbildung aber möglich
  • Eignung: der/die Fachpraktiker/-in für Zerspanungsmechanik ist ein Beruf für junge Menschen mit Handicap; Zugangsvoraussetzung ist eine Eignungsuntersuchung, die durch die zuständige Agentur für Arbeit veranlasst wird – bei der Ausbildung in einem Berufsbildungswerk übernimmt die Agentur für Arbeit auch die Kosten für die Ausbildung sowie für Unterbringung und Verpflegung
  • Perspektiven: Ziel der Ausbildung ist, die Absolventen in einen Job in einem Unternehmen zu bringen; Fachpraktiker/-innen für Zerspanungsmechanik können weitere Qualifikationen erwerben, z.B. auf CNC-Maschinen; außerdem können sie die Ausbildung zum Vollberuf, dem/r Zerspanungsmechaniker/-in, machen – dabei werden in der Regel Teile ihrer Ausbildung angerechnet
  • Alternativen: Fachwerker/-in für Feinwerktechnik, Metallfeinbearbeiter/-in, Metallfachwerker/-in, Industriefachhelfer/-in, Fachwerker/-in für Qualitätssicherung

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik übertragen die Daten von Konstruktionsplänen auf Dreh- und Fräsmaschinen und kontrollieren am fertigen Teil, ob die CNC-Maschinen sauber gearbeitet haben. Bei ihrem Job kommt es auf größte Genauigkeit an: Gibt es Abweichungen von der Vorlage, müsen sie die nötigen Änderungen an den Maschinen vornehemen.

Gefahr

Drehmaschinen, Fräsmaschinen, Bohrer und Sägen – schon während ihrer Ausbildung bedienen Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik viele Maschinen, die nicht ganz ungefährlich sind. Sie tragen meistens eine Brille als Schutz gegen herumfliegende Metallteile und halten sich an die Sicherheitsvorschriften.

Geld

Die meisten Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik lernen ihren Job an einem Berufsbilungswerk. Die Ausbildung dort zahlt die Agentur für Arbeit, sie übernimmt auch die Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Darüber hinaus bekommen die Azubis meistens nur noch ein kleines Taschengeld.


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