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Fachpraktiker/-in in der Pferdewirtschaft Voller Einsatz für’s Pferd

Sie füttern, misten den Stall aus und bringen ihre "Schützlinge" auf Trab: Fachpraktiker in der Pferdewirtschaft packen überall mit an, wo’s auf einem Reiterhof nötig ist. Trotz körperlicher oder seelischer Beeinträchtigungen sind die Fachpraktiker wichtige Helfer für Pferdewirte, Züchter und Reiter.

Stand: 21.11.2016

Der Lammelbacher Hof im rheinland-pfälzischen Wolfstein ist der Arbeitsplatz von Lena. Die 22-Jährige hat im Gestüt des Christlichen Jugenddorfwerks eine Ausbildung zur Helferin gemacht. Seit zwei Jahren arbeitet sie als eine von vier Mitarbeitern fest auf dem Reiterhof. Ihr Dienst beginnt früh am Morgen. Manchmal muss Lena auch am Wochenende ran. Sie füttert, mistet, bringt die Pferde auf die Koppel, longiert und hilft beim Reitunterricht. Hier hat sie ihren Traumjob gefunden, obwohl der oft ziemlich anstrengend ist.

"Mein Leben lang mag ich eigentlich schon Pferde und hab immer was damit zu tun gehabt. Und das sind halt schöne Wesen, und die spiegeln auch immer das wider, wie es einem geht. Also, wenn es mir nicht gut geht, dann merk ich, dass die Shana doch zu mir kommt und bisschen kuschelt. Wenn ich aufgedreht bin, dann ist es halt eher, dass sie doch mal weicht, und weiß, jetzt kommt gleich irgendein Unsinn. Und das sind die besten Tröster."

Lena (22)

Lena arbeitet nicht nur auf dem Gestüt, sie lebt auch in einer betreuten Wohngruppe des Christlichen Jugenddorfwerks ganz in der Nähe. "Beschütztes Arbeiten und Wohnen" nennt sich dieses Modell. Es ist für Lena sehr wichtig, denn sie  hat psychische Probleme. In ihrer Kindheit hat die junge Frau viel Gewalt in der Familie erlebt. Sie zog sich in sich selbst zurück und entwickelte massive Essstörungen. Obwohl Lena intelligent ist, kam eine Vollausbildung zur Pferdewirtin für sie nicht in Frage. Den Anforderungen einer "normalen" Ausbildung fühlte sie sich nicht gewachsen. Auf dem Gestüt geht es etwas ruhiger zu. Ulrich Brux, Leiter des Gestüts und Lenas Chef, nimmt Rücksicht auf sie.  

"Jeder ist ja aus einem bestimmten Grund hier - das heißt: Eine Beeinträchtigung liegt vor. Einer ist psychisch krank, ist nicht so belastbar, der andere ist nicht so schnell. Man muss die Schwächen dieser Menschen erkennen und ihre Stärken herausfiltern. Und dann versuchen, die Menschen nach ihren Stärken einzusetzen und diese zu fördern, anstatt auf den Schwächen herumzuhacken. Und dann kommt man auch zum Erfolg."

Ulrich Brux, Gestüt Wolfstein

Der Umgang mit den Tieren tut Lena gut. Die Pferde sind ihr wichtig und sie strengt sich sehr an, um sie gut zu versorgen. Und sie hat ein neues Ziel, auf das sie hinarbeitet. In ein paar Jahren möchte sie die Prüfung zur Pferdewirtin ablegen. Dann - glaubt Lena - ist sie dafür stark genug.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachpraktiker/-in in der Pferdewirtschaft.  Die Bezeichnung kann je nach Bundesland auch abweichen (z.B. Helfer, Werker, Fachwerker in der Pferdewirtschaft)
  • Besonderheit: Die Ausbildung ist für Menschen mit Behinderung gedacht. Es gibt es keine bundeseinheitliche rechtliche Regelung. Die zuständigen Kammern, Ämter und Ministerien erlassen ihre Ausbildungsregelungen entsprechend den Empfehlungen des Bundesinstituts für Berufsbildung. In einigen Bundesländern werden Helfer in der Pferdewirtschaft im Rahmen der Lehre zum "Fachpraktiker/-in in der Landwirtschaft, Schwerpunkt: Tierhaltung" ausgebildet.
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre.
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule oder einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation, (z.B. Berufsbildungswerke)
  • Zugang: Die Ausbildung kann man auch ohne Schulabschluss beginnen. Die Agentur für Arbeit stellt fest, wer dafür geeignet ist. Notwendig ist ein psychologisches Gutachten. Das muss eine dauerhafte Beeinträchtigung/ Behinderung bestätigen, die es dem Jugendlichen nicht möglich macht, auf längere Sicht eine "normale" Ausbildung durchzustehen.
  • Ausbildungsvergütung: Bei der Ausbildung im Betrieb gibt es eine Vergütung. Über Förderungsmöglichkeiten und Berufsausbildungsbeihilfe informieren die Agenturen für Arbeit.

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Teamfähigkeit

Fachpraktiker, Werker und Helfer unterstützen Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister. Sie arbeiten oft nach Anweisung und gemeinsam als Team

Arbeitskleidung

Sicherheitsschuhe, Schutzhelm, Rückenprotektor, Reithosen und -stiefel: Für die Arbeit im Stall und beim Reiten ist spezielle Kleidung nötig.


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