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Fachkraft für Fruchtsafttechnik Voll im Saft

Ob Orangen, Bananen, Karotten oder Sauerkraut - Fachkräfte für Fruchtsafttechnik kennen sich aus mit Obst und Gemüse. Sie stellen daraus Säfte und Konzentrate her, bedienen Maschinen und Anlagen und analysieren Proben im Labor.

Stand: 02.10.2013

Kai Lorscheid steht mit einem Messbecher auf dem Dach eines Tanklastzugs und nimmt eine Probe. Unter ihm im Tank: 25.000 Liter Holundermaische - ein Brei aus gemahlenen Holunderbeeren. Kai und seine Kollegen sollen daraus Saft herstellen. Die Probe wird im Labor genau unter die Lupe genommen. Kai ist Fachkraft für Fruchtsafttechnik bei "Haus Rabenhorst". Die Firma stellt Direktsäfte her - aus Früchten und Maische.

Gibt das Labor grünes Licht, pumpt Kai die Maische ab. In der Presse wird daraus Holundersaft gepresst. Den Saft pasteurisiert Kai an einer großen Anlage, er erhitzt ihn. Dabei sterben Krankheitserreger wie Hefe- und Schimmelpilze ab. Dann kommt der Saft in einen großen Tank - und bleibt dort bis zu seiner Abfüllung.

Grundlagen des Saftmachens

Angehende Fachkräfte für Fruchtsafttechnik aus ganz Deutschland lernen die Grundlagen ihres Jobs an der Berufsschule im hessischen Geisenheim. So wie Daniel Lahier. Er ist im zweiten von drei Lehrjahren und macht seine Ausbildung bei "Eckes-Granini", dem größten deutschen Safthersteller. In Geisenheim lernt er die handwerklichen und technischen Grundlagen des Saftmachens. Nach der Ausbildung kennt er die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse und kann Früchte und Säfte im Labor auf ihre Eigenschaften untersuchen.

"Beim Saftmischen muss man immer aufmerksam arbeiten, die Ventile richtig stellen und die richtigen Mengen pumpen. Wenn man einen Fehler macht, können ein paar tausend Liter Saft komplett 'für den Eimer' sein."

Daniel Lahier, 17, 2. Lehrjahr

Konzentrate aus aller Welt

Bei seiner Firma im niedersächsischen Fallingbostel macht Daniel vor allem aus Konzentraten Saft. Solche Konzentrate werden auch von Fachkräften für Fruchtsafttechnik hergestellt. Dabei wird dem Saft in mehreren Schritten bei hohen Temperaturen Wasser entzogen, ein zähflüssiger Sirup entsteht: das Konzentrat. Das lässt sich leichter und günstiger transportieren als Saft.

Ananassaftkonzentrat aus Thailand, Organgensaftkonzentrat aus Brasilien, gefrorener Maracujasaft aus Peru - Daniel mischt daraus in riesigen Edelstahltanks die verschiedensten Säfte: Er löst Vitamine in Pulverform in Wasser auf, gibt die Konzentrate dazu und versetzt sie mit großen Mengen Wasser. Dabei muss er sich immer genau an die Vorgaben der Produktionsaufträge halten.

Ab und zu muss Daniel in einen der leeren Mischtanks klettern und putzen. Viele Säfte lagern sich an den Tankwänden ab. Hygiene und Sauberkeit sind wichtig in seinem Job - schließlich geht es um Lebensmittel.

Obst in der Flasche

Kais Holundersaft ist mittlerweile bereit für die Abfüllung. 20.000 Flaschen verlassen "Haus Rabenhorst" pro Stunde. Holundersaft, Traubensaft, Sauerkrautsaft. Fachkräfte für Fruchtsafttechnik sind gesucht. Sie haben einen spannenden Job: Sie bringen Obst in die Flasche.

"Früchte schmecken in jedem Jahr anders, haben jedes Jahr andere Eigenschaften: Mal haben sie mehr Zuckergehalt, mal weniger. Die Säure ist mal höher, mal niedriger. Die Herausforderung ist, die Frucht immer in bester Qualität in die Flasche zu bringen."

Kai Lorscheid, Fachkraft für Fruchtsafttechnik

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachkraft Fruchtsafttechnik
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Betriebe der Fruchtsaftindustrie, Apfelmostereien und Fruchtweinkeltereien
  • Zugang: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben; die meisten Fachkräfte für Fruchtsafttechnik haben Mittlere Reife.
  • Eignung: Fachkräfte für Fruchtsafttechnik kennen sich aus in Biologie und Chemie: Sie wissen, welche Stoffe in Obst und Gemüse stecken und lernen, Enzyme und Vitamine richtig einzusetzen. Für den Umgang mit den großen Produktionsanlagen brauchen sie physikalisches und technisches Verständnis. Sie müssen sorgfältig und äußerst sauber arbeiten.
  • Perspektiven: Spezialisierung auf bestimmte Einsatzbereiche oder Produktsparten; Aufstieg im Betrieb; Weiterbildung zum Techniker/-in Fachrichtung Lebensmitteltechnik oder zum Brau- und Getränketechnologen/-in; Prüfung zum Getränkebetriebsmeister/-in oder zum Industriemeister/-in Fachrichtung Fruchtsaft und Getränke; Studium (z.B. Brauerei- oder Getränketechnologie; Lebensmitteltechnologie)
  • Alternativen: Brauer/-in und Mälzer/-in; Weintechnologe/-in; Destillateur/-in; Brenner/-in; Milchtechnologe/-in

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Sorgfalt

Fachkräfte für Fruchtsafttechnik mischen Säfte und Konzentrate in großen Mengen. Sie müssen sich an Rezepte und Produktionsaufträge halten - sonst sind leicht mal mehrere tausend Liter Saft unbrauchbar.

Arbeitszeit

Bei den großen Saftherstellern laufen die Maschinen rund um die Uhr. Spät- und Nachtschichten gehören oft zum Job dazu. In der Erntezeit im Spätsommer und Herbst sind die Arbeitstage häufig länger.

Geld

Fachkräfte für Fruchtsafttechnik werden ordentlich bezahlt. Während der Ausbildung liegen sie bei der Bezahlung im Vergleich zu anderen Berufen im Mittelfeld.


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