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Fachkraft Agrarservice Mit Giganten über Äcker und Wiesen

Immer weniger Landwirte schaffen nicht mehr alle Arbeiten auf ihren Feldern selbst. Sie beauftragen Lohnunternehmer mit großen, landwirtschaftlichen Maschinen. Hinter dem Steuer auf den Ackergiganten: Fachkräfte Agrarservice. Sie erledigen Arbeiten von der Saat bis zur Ernte.

Stand: 10.08.2012

Die 21-jährige Katharina aus dem Landkreis Bamberg ist als junge Frau und Abiturientin eine Ausnahme in dem dreijährigen Ausbildungsberuf „Fachkraft Agrarservice“. Die meiste Zeit Ackergiganten mit mehreren hundert PS lenken, Verantwortung für Maschinen, die rund eine Viertel Million Euro kosten – dies reizt normalerweise junge Männer. Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. Azubis brauchen den T-Führerschein, damit sie die riesigen modernen Traktoren, Häcksler und Mähdrescher auch im öffentlichen Straßenverkehr fahren können.

Katharina hat ihren Traumberuf gefunden, obwohl die Arbeitstage besonders in der Erntesaison lang und anstrengend sind. Die 21-Jährige will eine Ausbildung in der Landwirtschaft machen – aber ohne Tierhaltung. Genau das bietet ihr der Beruf „Fachkraft Agrarservice“.

"Für mich ist eigentlich der Reiz, dass ich das Ackerbauliche und das Maschinelle zusammen verbinden kann. Also: Pflanzenbau ist ein großer Teil und Maschinen sind ein großer Teil der Ausbildung. Und das ist eigentlich der Reiz, das untereinander zu verbinden und selber die Maschinen zu fahren."

Katharina Weiss (21), 2. Lehrjahr

Gas geben - aber bitte mit Köpfchen!

Die Lohnunternehmer, die im Auftrag von Landwirten auf deren Feldern Arbeiten erledigen, suchen keine "Schlepper-Rennfahrer" als Mitarbeiter, sondern besonnene Typen. Schließlich erledigt eine Fachkraft Agrarservice eigenverantwortlich Arbeiten, pflegt Pflanzen von der Saat bis zur Ernte, wo jeder Fehler zu schlechteren Ernteergebnissen und finanziellen Einbußen des Auftraggebers führen kann.

In ihrer dreijährigen Ausbildung lernen angehende Fachkräfte Agrarservice Rücksichtnahme auf die Umwelt, auf Boden, Wasser und Luft. Sie wissen, dass sie mit weniger Luftdruck im Reifen die Last ihrer schweren Maschinen auf dem empfindlichen Ackerboden mindern. Azubis in diesem Beruf können mit geschicktem Einsatz von Gewichten am Traktor den Dieselverbrauch verringern. Moderne Traktoren, Häcksler und Mähdrescher sind mit komplexen Bordrechnern ausgestattet, die die Azubis bedienen müssen. Es liegt an ihm, ob teure Maschinen wirtschaftlich und umweltverträglich eingesetzt werden. Der Nachwuchs in diesem Beruf lenkt moderne, sehr breite Schlepper bis zu 60 Stundenkilometer schnell über Feldwege und öffentliche Straßen. Oft sind schwere Lasten angehängt. Rasante Fahrweise kann zu schlimmen Unfällen führen.

Mitverantwortung für eine gute Ernte

Eine Fachkraft Agrarservice ist kein Landwirt, sondern arbeitet meist im Auftrag von Landwirten. Aber es hat großen Einfluss auf das Ernteergebnis, ob die Fachkraft bei der Saat, beim Pflanzenschutz oder bei der Ernte selbst sorgfältig und umsichtig arbeitet. Welche und wie viele Nährstoffe, also welchen Dünger, braucht ein Pflanzenbestand auf diesem Acker? Treten Schädlinge auf? Krankheiten? Die Fachkraft Agrarservice kennt die Bedürfnisse unterschiedlicher Agrar-Nutzpflanzen und kann die Pflanzen optimal betreuen - wie ein Landwirt.

"Also für mich ist total wichtig, dass die zuverlässig sind, also nicht unbedingt der Preis ist erste Kategorie, sondern, dass die Arbeit zuverlässig erledigt wird. Dazu gehört vor allem, dass sie termingerecht da sind und dass sie von ihrer Arbeit auch etwas verstehen. Das heißt, dass wenn es irgendwo Probleme gibt, wenn man sieht, da passt etwas nicht, dass sie mir auf jeden Fall eine Rückmeldung gibt."

Marlene Buchner, Milchbäuerin in Ketteldorf

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachkraft Agrarservice
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: dual im Betrieb und der Berufsschule
  • Prüfung: Berufsschule- und Landmaschinenschule in Triesdorf
  • Ausbildungsorte: Landwirtschaftliche Lohnunternehmen, große Landwirtschaftsbetriebe
  • Zugang: Offiziell ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die Betriebe erwarten mindestens den Besitz des T-Führerscheins, den man ab dem 16. Lebensjahr speziell fürs Traktorfahren erwerben kann.
  • Eignung: Fachkräfte Agrarservice müssen sich für Technik interessieren und auch mit großen, elektronisch gesteuerten Maschinen sorgsam umgehen können.
  • Perspektive: Landwirte geben immer Arbeiten auf ihren Feldern als Dienstleistungen bei Lohnunternehmen in Auftrag. Der Bedarf an Fachleuten für Technik und Pflanzenbau in der Landwirtschaft wächst – weltweit.
  • Weiterbildung: Agrarservicemeister/-in, Techniker/-in, Studium Landwirtschaft/Landtechnik

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Fachkräfte Agrarservice erledigen meist mit großen, modernen Maschinen Arbeiten auf den Äckern und Wiesen von Landwirten, von der Saat bis zur Ernte. Sie pflegen auch Grünflächen von Gemeinden und Unternehmen, räumen Schnee von Straßen und Parkplätzen. Die Auftraggeber erwarten Genauigkeit und Top-Qualität.

Gefahr

Die Arbeit mit den großen Maschinen birgt Gefahren. Man muss anpacken, kann sich auch dabei schon mal verletzen.


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