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Edelmetallprüfer/-in Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Edelmetallprüfer untersuchen Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin und bestimmen deren Gehalt in Legierungen, Lösungen und Aschen. Dazu wenden sie chemische und physikalische Verfahren an und stellen sich täglich neuen Herausforderungen.

Stand: 18.12.2017

Wer Lust auf Chemie und Experimentieren hat, der ist in diesem Beruf genau richtig. Kaum zu glauben: hier kommen Verfahren zum Einsatz, die vom Prinzip her schon vor vielen Jahrhunderten entwickelt wurden - von Alchemisten bei ihrer Suche nach Gold. Simon Schmidt hat sich für den Beruf entscheiden. Der 21-Jährige lernt im dritten Ausbildungsjahr bei C-Hafner, einer modernen Scheideanstalt in Wimsheim.

Edelmetallrecycling boomt

Edelmetallprüfer übernehmen beim Recycling von Edelmetall eine wichtige Aufgabe. Bei Goldschmieden, Zahnärzten und in der Industrie fällt edler Schrott an - beispielsweise aus Materialresten und altem Schmuck. In diesem sogenannten Scheidegut sind neben unedlen Metallen, Kupfer und Eisen auch edle Metalle, also Gold, Silber, Platin und Palladium enthalten. Die machen es wertvoll. Das Scheidegut wird eingeschmolzen und in Barrenform gegossen. 30.000 Euro und mehr kann so ein Barren wert sein - je nach Zusammensetzung. In diese Barren wird ein kleines Loch gebohrt. Die beim Bohren anfallenden Späne dienen den Edelmetallprüfern als Probe. Der Barren wird gekennzeichnet und sicher im Tresor verwahrt. Die Späne landen im sogenannten Probierlabor bei Edelmetallprüfern wie Simon. Aus zwei Gründen ist es wichtig, zu wissen, wie sich das Material zusammensetzt. Zum einen bestimmt der Gehalt an Edelmetall den Wert, den der Anlieferer vergütet bekommt. Zum anderen entscheidet die Zusammensetzung der Legierung über das Verfahren, wie die verschiedenen Metalle wieder voneinander getrennt werden. Diesen Vorgang nennen die Experten "Scheiden" - daher haben die Scheideanstalten ihren Namen.

Berufsschule Pforzheim

Die Ausbildung wird in der Industrie angeboten und dauert drei Jahre. Simon kann als fertiger Edelmetallprüfer nicht nur in Materialprüfungsinstituten und in Betrieben der Edelmetallindustrie einen Job finden, sondern sich auf freie Stellen in jedem anorganischen Labor bewerben. Für angehende Edelmetallprüfer wie Simon gibt es deutschlandweit nur eine Berufsschule: Die Goldschmiede- und Uhrmacherschule in Pforzheim. Ein Großteil des Unterrichts findet im Labor statt. Hier hießt es: Vorsicht! Denn zum Handwerkszeug gehören Säuren, Laugen und überhaupt viel Chemie. Schutzkleidung ist Pflicht.

"Für mich ist der Beruf so cool, weil ich da so viel Abwechslung habe: Mal macht man mehr was Ruhiges, wiegt zum Beispiel Proben ein. Auf der anderen Seite ist da aber auch die körperliche Arbeit, wenn man am Ofen steht oder mit Säuren etwas auskocht. Diese Abwechslung macht den Job aus."

Simon Schmidt (21), 3. Ausbildungsjahr

Naturwissenschaften und Mathematik

Personalverantwortliche freuen sich über Bewerber, die gute Noten in den Fächern Chemie, Physik und Mathematik im Zeugnis stehen haben. Eine besondere Schulbildung wird jedoch nicht vorausgesetzt. Die meisten Lehrlinge bringen einen mittleren Abschluss mit. Obwohl oder vielleicht sogar weil Edelmetallprüfer zu den seltenen Berufen zählt, sind die Berufsaussichten gut. Auch im Ausland gehören Edelmetallprüfer aus Deutschland zu gefragten Spezialisten. Die Arbeit in den Laboren der Edelmetallprüfer unterscheidet sich von der in anderen chemischen Laboren. Hier gibt es nicht für jede Analyse ein fest stehendes Rezept. Die Edelmetallprüfer/-innen müssen immer wieder ausprobieren und experimentieren. Deshalb nennt man ihre Labore "Probierlabore".

"Sie brauchen Edelmetalle in allen Bereichen. Angefangen beim Handy bis zu irgendwelchen Dingen im Katalysator. Das heißt, sie haben so ein großes Feld, dass sie eigentlich immer eine Perspektive haben. Wir müssen legieren, wir müssen Produkte fertigen, wir müssen recyceln - das ganze Material wieder im Umlauf bringen - da sehe ich für die Zukunft nach wie vor gute Perspektiven, gute Chancen."

Karlheinz Karner, Vorstandsvorsitzender Bauer-Walser AG

Moderne Hexenküchen

Als Edelmetallprüfer arbeitet Simon mit modernsten Geräten. Gleichzeitig gehen viele der Analyseverfahren auf das Wissen und die Kunst der Alchemisten und ihre Suche nach Gold zurück. Die Sache mit dem Blei etwa. Simon gibt Proben von Legierungen zusammen mit Blei in den sogenannten Probierofen. Bei 1.150 Grad Celsius verbinden sich das Blei und die übrigen Unedelmetalle und verflüchtigen sich. Zurück bleiben Edelmetalle. Das ist kein Hexenwerk, sondern Chemie.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichung: Edelmetallprüfer/in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Edelmetallprüfer/innen werden im dualen System ausgebildet. Der anerkannte Ausbildungsberuf wird in der Industrie angeboten.
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen vor Ende des zweiten Ausbildungsjahrs eine Zwischenprüfung ab. Nach dem dritten Ausbildungsjahr folgt dann die Abschlussprüfung.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung erfolgt parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Die Goldschmiede- und Uhrmacherschule in Pforzheim ist zur Zeit die einzige Berufsschule für Edelmetallprüfer/-innen. Der Berufsschulunterricht findet an bestimmten Wochentagen oder in Blockform statt.
  • Zugang: Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Diese Fähigkeiten sind gefragt: Geduld, technisches, mathematisches und naturwissenschaftliches Verständnis.
  • Perspektiven: Edelmetallprüfer gehört mittlerweile zu den seltenen Berufen. Edelmetallprüfer haben gute Berufsaussichten, denn das Geschäft mit Edelmetallrecycling boomt. Sie können nicht nur in Materialprüfungsinstituten und der Edelmetallindustrie, sondern in allen anorganischen Laboren arbeiten. Einen Meister gibt es in dem Beruf nicht.
  • Alternativen: Physiklaborant/-in, Stoffprüfer/-in (Chemie), Werkstoffprüfer/-in Fachrichtung Metalltechnik

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Die Arbeit im Labor erfordert stets hohe Konzentration. Die Arbeit an den heißen Probieröfen und der Umgang mit den hochkonzentrierten Säuren ist gefährlich. Schutzkleidung ist Pflicht.

Genauigkeit

Präzises Arbeiten ist das A und O beim Analysieren. Edelmetallprüfer/-innen müssen ihre Proben aufs Milligramm genau abwiegen. Ein kleiner Fehler, selbst nach dem Komma, kann beim Ankauf des Scheidegutes schnell mal tausende Euro zu viel oder zu wenig bedeuten.


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