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Drogist/-in Zwischen Shampoo, Deo und Babybrei

Der Beruf des Drogisten war fast ausgestorben. Seit der Jahrtausendwende ist er wieder im Kommen, die Zahl der Ausbildungsplätze steigt stetig. Weil es immer mehr Produkte rund um Schönheit, Ernährung und Gesundheit gibt, sind Drogisten als beratende Fachleute zwischen Waschmitteln und Babynahrung gefragt.

Stand: 26.03.2014

Draußen ist es noch dunkel, aber Alexandra Ernst ist schon schwer bei der Arbeit: Kisten auspacken, neue Ware kontrollieren, Regale einräumen, Müll entsorgen. Schon um 7 Uhr in der Früh kommen die ersten Kunden -  meist Berufstätige, die vor der Arbeit noch schnell was einkaufen wollen.

"Das ist ganz oft so, dass die Leute mich fragen, warum ich hier eine Ausbildung mache, weil sie denken, dass ich nur an der Kasse sitze und Piep mache. Das ist ganz oft so, dass die Leute nicht wissen, was da dahintersteckt. Wir machen ja ganz viel in der Schule mit Drogenkunde und Fotounterricht. Die denken, dass ich zwei Jahre lang zwischen Regalen stehe und irgendwas einräume und an der Kasse sitze. Das wird schon oft unterschätzt."

Alexandra Ernst, 1. Lehrjahr

"Drogenkunde" in der Schule

Ob Handcreme, Waschpulver, Lippenstift oder Kräutertee: als Drogistin muss sich die Auszubildende Alexandra mit den Inhaltsstoffen der Produkte gut auskennen. "Drogenkunde" nennt sich das Fach in der Berufsschule. Hier lernen die Auszubildenden verschiedene "Drogen" kennen - das ist die Bezeichnung für Kräuter und Pflanzen mit heilender Wirkung. Immer mehr freiverkäufliche Arzneimittel wie Sportsalben oder Gesundheitstees sind in Drogerien zu finden. Um die verkaufen zu dürfen, brauchen Drogisten den "Sachkundenachweis Freiverkäufliche Arzneimittel". Diesen Schein erwerben sie auch im Laufe ihrer Ausbildung.

Kommunikativ und freundlich

Interesse an Biologie und Chemie ist deshalb in diesem Beruf angebracht. Drogisten müssen außerdem sehr kommunikativ und freundlich sein, denn sie haben jeden Tag mit Kunden zu tun. Jeder braucht etwas anderes, viele haben es eilig. Die Beratung und den Austausch mit den Leuten mögen die meisten Azubis besonders gern an ihrem Job.

Tausende Artikel

Ob Körperpflege, Kosmetikartikel, Diät- und Reformkost, Fotos oder Pflanzenschutzmittel - das Sortiment in einer Drogerie umfasst zigtausende Artikel und ständig kommen neue dazu. Die Drogistin muss den Überblick behalten und Waren rechtzeitig nachbestellen. Zum Job gehört es auch, neue Produkte schön und ansprechend zu präsentieren. In der Berufsschule gehören Buchführung, Personalwesen, Fachrecht und "Drogistisches Sortiment" zu den wichtigen Fächern. Darüber hinaus erwerben die Azubis auch Grundkenntnisse in Fotografie, um ihre Kunden bei Fotoartikeln beraten zu können und probieren bei Schminkübungen die verschiedensten Kosmetikprodukte aus.

"Wir haben öfter mal Schminkaktionen in der Filiale, und da muss man in der Lage sein, die Kunden zu beraten über die Kosmetik und auch schminken können."

Nina Caruso, 2. Lehrjahr

Ausbildung bei Drogeriemärkten

Im Alltag tragen Drogisten in der Filiale typische Arbeitskleidung - meist mit dem Logo ihrer Drogerie. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber mit Abitur zum Beispiel auch verkürzt werden. Die Zahl der Ausbildungsplätze steigt kontinuierlich - allerdings fast nur bei den großen Drogeriemärkten, die bundesweit Filialen unterhalten. Kleine Drogerien bilden den Beruf fast gar nicht aus. Dort werden, wenn überhaupt, eher Einzelhandelskaufleute ausgebildet. Nach dem Abschluss satteln viele noch den Handelsfachwirt drauf. Damit steht dann der Weg zur Filialleitung offen.

Auch Alexandra Ernst will später Handelsfachwirtin werden. Sie ist von der Ausbildung zur Drogistin so begeistert, dass sie dafür sogar ihr BWL-Studium aufgegeben hat.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Drogist /-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Ausbildungsorte: Drogeriemärkte (meist große Ketten), ferner: Supermärkte mit Drogerieabteilung sowie Fachgeschäfte, die Drogerieartikel führen
  • Zugang: Es ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis wird ein Realschulabschluss oder guter Hauptschulabschluss erwartet.
  • Eignung: Drogisten müssen kommunikativ und kundenorientiert sein und ein Interesse an Biologie und Chemie schadet nicht. In vielen Filialen dürfen die Azubis schon selbstständig arbeiten. Das muss man sich zutrauen.
  • Perspektiven: Die Zahl der Ausbildungsstellen für Drogisten steigt seit Jahren an. Nachdem der Beruf so gut wie ausgestorben war und in Drogerien fast nur Einzelhandelskaufleute ausgebildet wurden, setzen jetzt vor allem die großen Drogeriemarkt-Ketten wieder auf den Drogisten mit seinem Fachwissen.
  • Spezialisierung: Der klassische Aufstiegsweg ist der/die Handelsfachwirt/-in. Außerdem möglich: Pharmareferent/-in; Aufstieg innerhalb des Unternehmens

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kommunikation

Drogisten haben jeden Tag Kontakt mit Kunden. Viele Kunden brauchen Hilfe, suchen etwas Spezielles. Die Drogisten beraten und erklären - ganz gleich, ob es um Tenside im Waschmittel oder den extrahaltbaren Lippenstift geht.

Uhrzeit

Drogisten sollten sich an Schichtdienste gewöhnen. Viele Filialen in Großstädten öffnen früh und schließen sehr spät am Abend, teils erst um 22 Uhr. Das heißt: Wenn Drogisten erst mittags anfangen, arbeiten sie dann aber auch, bis es dunkel wird.

Outfit / Kleidung

In dem Beruf ist ein gepflegtes Äußeres wichtig. Zudem tragen Drogisten eine Art Berufskleidung, wie T-Shirts oder Jacken mit dem Logo ihrer Drogerie und oft auch ein Namensschild, damit die Kunden sie gleich als Ansprechpartner erkennen.


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