ARD-alpha - Ich mach's!


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Fachkraft für Metalltechnik - Umform- und Drahttechnik Immer auf Draht

Draht findet sich überall: Die Drahtfeder in der Uhr, das Drahtseil im Spannbeton. Feindrahtwerke stellen feinsten medizinischen Spezialdraht zum Beispiel für Herzkatheter her. Aus grobem Draht werden später Nägel, Schrauben oder Sechskantschlüssel produziert. Ein jahrhundertealter, vielseitiger Beruf, der immer noch dringend gebraucht wird.

Stand: 25.07.2013

Harkan Kurt und Antonio Dipinto im westfälischen Nachrodt fangen morgens um sechs Uhr an. Die Frühschicht geht bis 14 Uhr. Die beiden lernen im zweiten Lehrjahr in einem Feindrahtwerk den Beruf des Drahtziehers. Sie produzieren Drähte, dünner als ein menschliches Haar. An der Ziehmaschine überwachen sie den Ziehvorgang und regeln die Geschwindigkeit. Sie ersetzen abgenutzte Teile, fädeln den angespitzten Anfang des Vormaterials ein und führen den Draht durch die Richtrollen. Der grobe Ausgangsdraht wird durch Ziehsteine mit immer kleineren Öffnungen gezogen, so dass er länger und dünner wird. Auch Drähte schweißen gehört zum Job, und die Arbeit am Glühofen.

"Diese Feinarbeit reizt mich sehr - mit den Händen fein zu arbeiten! Also ich bin kein Büromensch. Was ich hier mache, sieht man nachher."

Harkan Kurt (22), 2. Ausbildungsjahr

Der Draht läuft Tag und Nacht

Die Ziehmaschinen arbeiten Tag und Nacht

Der Draht muss immer laufen, die Ziehmaschinen arbeiten Tag und Nacht. Die Azubis müssen sich daher darauf einstellen, dass sie später als Ausgelernte im Dreischichtbetrieb arbeiten. Die Ausbildung zum Drahtzieher dauert zwei Jahre, im Betrieb und in der Berufsschule. Die meisten Azubis bringen den Hauptschulabschluss mit. Frauen gibt es in dem Beruf nur wenige. In diesem Ausbildungszweig finden sich auch Quereinsteiger: In der Abschlussklasse der Berufsschule in Menden sitzen Auszubildende im Alter von 16 bis 25 Jahren. Ihre Facharbeiterprüfung machen sie an der Industrie- und Handelskammer.

Über 40 Grad

In der Glüherei herrschen hohe Temperaturen

Drahtzieher müssen sich an ölverschmierte Finger, an Staub und vor allem an Maschinenlärm gewöhnen. In der Glüherei neben den Öfen gibt's im Sommer manchmal Temperaturen von bis zu 40 Grad. Gegen Verletzungsgefahren schützen sich die Drahtzieher mit Sicherheitsschuhen, Schutzbrillen und Handschuhen.

Ziehsteine mit Diamantkern

Ziehsteine mit Diamantkern

Ein Job voller Abwechslung: Selmir Tutic und Andreas Meier im zweiten Lehrjahr im Großbetrieb in Iserlohn in der Abteilung Qualitätssicherung. Für die Prüfberichte an die Kunden kontrollieren sie Oberfläche und Rundheit der Drähte. Die so genannte Zerreißprobe ergibt dann die Maße für die Drahtfestigkeit. Ziehsteine enthalten einen Diamantkern und sind deshalb wertvoll: In der Poliererei lernen die beiden Auszubildenden, wie sie abgearbeitete Ziehsteine ausbessern können.

"Ich habe kontrolliert, ob der Draht vernünftig über die Rollen gelaufen ist oder ob der Draht gerissen ist. Der Draht ist nicht gerissen. In dieser Kammer befinden sich neun Ziehsteine. Ich muss kontrollieren, ob einer davon kaputt ist, und wenn ja, dann soll ich ihn auswechseln."

Andreas Meier (19), 2. Ausbildungsjahr

Aus Draht werden Schrauben und Muttern

Zentimeterstarke Drähte für eine spätere Weiterverarbeitung zu Schrauben und Muttern

Dicke Drähte zieht eine Firma in der Stadt Altena: Hier gibt's ganz andere Abmessungen als in den Feindrahtwerken. Zentimeterstarke Drähte für eine spätere Weiterverarbeitung zu Schrauben und Muttern. Ein Job mit prima Perspektiven: Die Auftragsbücher sind voll, der Betrieb übernimmt sämtliche Lehrlinge. Verglichen mit anderen zweijährigen Ausbildungen verdienen die Lehrlinge in der Drahtindustrie nicht schlecht. Ein Beruf mit Tradition - und mit Zukunft.

"Wenn man weiß, wofür das später verarbeitet wird in der Industrie oder so, das ist einfach toll. Wenn man weiß, dass man später einen Nagel draus macht, der dann verwendet wird von anderen Leuten! Das finde ich eigentlich gut an dem Job."

Marius Schulz (23), 1. Ausbildungsjahr

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Drahtzieher/-in
  • Ausbildungsform: dual (Betrieb und Berufsschule)
  • Ausbildungsdauer: zwei Jahre
  • Prüfung: Industrie- und Handelskammer
  • Zugang: Kein bestimmter Schulabschluss als Voraussetzung gefordert.
  • Eignung: Präzision, Kraft, Sorgfalt
  • Ausbildungsvergütung: (Bsp.) 1.Lj. 820€, 2.Lj. 861€
  • Perspektiven: Meister/-in, Techniker/-in. Nach drei Jahren Berufspraxis ist ein Studium möglich.

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Drahtzieher müssen den Drahtdurchmesser und die Ziehsteine millimetergenau kontrollieren. Wenn das Maß nicht stimmt, muss der Ziehstein ausgewechselt werden.

Kraft

Drahtzieher sollten Spulen mit gewickeltem Fertigdraht (bis zu 20 Kilogramm schwer) heben können.

Gefahr

Sicherheitsschuhe und Schutzbrille gehören zur Grundausstattung. Die Schutzbrille tragen die Azubis beim Drahtschweißen und am Phosphorsäurebad. Dort sind auch Handschuhe nötig. Beim Ziehen von grobem Draht tragen die Mitarbeiter Schutzkappen mit Innenverstärkung.


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