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Beton- und Stahlbetonbauer/-in Anpacken bei Wind und Wetter

Beton- und Stahlbetonbauerinnen stellen Bauteile aus Beton und Stahlbeton sowie Schalungen und Bewehrungen her und montieren diese. Sie sanieren feuchte oder beschädigte Betonteile. Etwa Wände, Decken und Pfeiler. Der 19-jährige Max aus Schwanstetten macht eine Ausbildung im Bereich Hoch- und Fertigteilbau. Daneben gibt es auch Jobs in den Bereichen "Betonfertigteilherstellung" sowie bei "Brücken- und Tunnelbauunternehmen".

Stand: 31.08.2015

Max beißt herzhaft in sein Wurstbrot. Den Kaffee aber lässt der 19-Jährige in der Thermoskanne. Dafür ist es einfach viel zu heiß. In der kurzen Frühstückpause sitzt der Auszubildende im Schatten des Bauwagens. Regen. Schnee. Sonne. Bei Wind und Wetter arbeitet Max draußen. Das macht ihm Spaß. Gerade deswegen hat er sich für einen Beruf auf dem Bau entscheiden. Seit fast zwei Jahren macht der Schwanstettener jetzt schon die Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer. Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre. Der junge Mann lernt beim Fürther Traditionsunternehmen GS Schenk. Seit mehreren Wochen fährt er jeden Morgen nach Postbauer-Heng. Die kleine Gemeinde in der Oberpfalz bekommt eine neue Mehrzwecksporthalle. Die Beton- und Stahlbetonarbeiten erledigen Max und seine Kollegen.

Pläne lesen und verstehen

Armierungseisen für eine Bodenplatte

Die Pause ist vorbei. Max packt seine Brotzeit weg. Er soll jetzt Johann Zeller zur Hand gehen. Johann, oder Hans, wie ihn alle auf der Baustelle nennen, hat hier das Sagen. Als Polier teilt er die Arbeiter ein und sorgt dafür, dass der Zeitplan eingehalten bleibt. Zusammen mit zwei angelernten Arbeitern verlegen Max und sein Polier Armierungseisen für eine Bodenplatte. Wo genau wie viel Eisen verbaut werden muss, schreibt ihnen ein detaillierter Verlegeplan vor. Den haben Ingenieure und Statiker berechnet. Pläne lesen und verstehen - das müssen Beton - und Stahlbetonbauer zwingend drauf haben.

Beton und Stahl ergänzen sich gut

Beton für die Bodenplatte

Hans reicht seinem Auszubildenden die Eisenstangen über eine kleine Mauer hinweg. Max baut sie am Boden ein und befestigt sie miteinander, mit Draht. Bücken, heben, weiterreichen, verlegen - auf Dauer geht das ins Kreuz. Der Beruf ist körperlich anstrengend. Als Beton- und Stahlbetonbauer muss Max fit sein. Nach und nach entsteht aus dem Eisen eine Art Gerippe. Dieses Skelett wird später mit Beton übergossen. Damit der nicht zur Seite weglaufen kann, haben die Bauarbeiter eine Schalung aus Fertigelementen aufgebaut. Diese Form wird wieder entfernt, sobald der Beton getrocknet ist. Beton und Stahl ergänzen sich gut. Zusammen verbaut ist Stahlbeton sowohl zug- als auch druckfest.

"Es ist so, dass Beton sehr viel Druck aufnehmen kann, er hat also eine sehr hohe Druckfestigkeit. Stahl hingegen ist sehr auf Zugbelastung ausgelegt. Das Problem ist: wenn Beton zu viel Zug bekommt, dann bricht er. Wenn Stahl zu viel Druck bekommt, dann biegt er sich. Kombiniere ich aber beide Materialien, vereinen sich beide positiven Eigenschaften und der Beton wird sowohl zug- als auch druckfest."

Max Rotheneichner (19), 2. Lehrjahr

Polier, Techniker oder Meister

Bei der Ausbildung gibt es eine Besonderheit. Nach zwei Jahren steht eine Prüfung an. Wer diese besteht, hat seinen ersten Abschluss schon in der Tasche und darf sich Hochbaufacharbeiterin bzw. Hochbaufacharbeiter nennen. Ein Kollege von Max hat das gemacht. Nach zwei Jahren Ausbildung hatte der genug von der Ausbildung. Er arbeitet zusammen mit Max auf der Baustelle. Aber klar: Mit der dreijährigen Ausbildung gibt es später im Job mehr Geld und die Sprossen der Karriereleiter sind viel leichter zu erklimmen. Als fertiger Beton- und Stahlbetonbauer könnte Max Polier, Techniker oder Meister werden.

"Man ist immer draußen an der frischen Luft und man hat eben sehr viel Abwechslung. Und an jeder Baustelle ist irgendwas anders und man hat immer was anderes zu tun und selbst an einer Baustelle hat man viele verschiedene Aufgaben."

Max Rotheneichner (19), 2. Lehrjahr

Aber der 19-jährige hat etwas ganz anderes im Sinn: Er machte vor seiner Ausbildung Abitur. Nach seiner Gesellenprüfung will er Bauingenieurwesen an der technischen Hochschule in Nürnberg studieren. Während der Zeit auf dem Bau sammelt der junge Mann Erfahrung. Auch wenn Max mit Abitur kommt, eine bestimmte schulische Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. In der Berufsschulklasse von Max bringen die meisten Mitschüler einen Abschluss der Mittel- oder Realschule mit. Wenn es mit einem Ausbildungsplatz als Beton- und Stahlbetonbauer nichts wird, Maurer, Bauwerksmechaniker oder Fassadenmonteur könnten Alternativen sein.

Kräftig zupacken

Nach mehr als acht Stunden auf dem Bau ist Max fix und fertig. Er freut sich auf daheim und auf eine kalte Dusche. Aber er ist stolz, was er in Postbauer-Heng mit gestaltet. Die Mehrzwecksporthalle wird er eines Tages seinen Enkeln zeigen können. Und dann kann er ihnen sagen, diese Wände habe er selbst gegossen. Beton- und Stahlbetonbauer - das ist der richtige Job für alle, die kräftig zupacken können und die einen anspruchsvollen, abwechslungsreichen Beruf suchen.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Beton- und Stahlbetonbauer/-in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre
  • Ausbildungsform: Die Ausbildung ist bundesweit geregelt. Sie wird im Handwerk und in der Industrie angeboten.  
  • Prüfung: Mit Bestehen der ersten Zwischenprüfung nach zwei Jahren erreichen die Auszubildenden ihren ersten Berufsabschluss und dürfen sich dann Hochbaufacharbeiter/-in nennen. Die Abschlussprüfung am Ende des dritten Ausbildungsjahrs besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil.
  • Ausbildungsorte: Beton- und Stahlbetonbauer/-innen lernen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Können Betriebe nicht alle geforderten Ausbildungsinhalte vermitteln, wird ein Teil der Ausbildung in überbetriebliche Ausbildungsstätten durchgeführt.
  • Zugang: Grundsätzlich ist keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Beton- und Stahlbetonbauer/-innen müssen sorgfältig arbeiten, brauchen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, mathematische Begabung und müssen körperlich fit sein.
  • Perspektiven: Beton- und Stahlbetonbauer/-innen können sowohl Jobs im Hoch- und Fertigteilebau und auch im Tiefbau finden; etwa bei Unternehmen, die Brücken und Tunnel bauen. Wie die meisten Berufe des Baugewerbes ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Aufgrund ihrer vielseitigen Ausbildung haben  Beton- und Stahlbetonbauer/-innen auch berufsübergreifend gute Jobchancen.
  • Alternativen: Maurer/-in, Bauwerksmechaniker/-in, Fassadenmonteur/-in, Feuerungs- und Schornsteinbauer/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Team

Auch wenn der Ton manchmal rau ist: auf dem Bau halten alle zusammen und helfen sich gegenseitig. Gerade auf einer großen Baustelle arbeiten die Handwerker oft wochenlang im gleichen Team. Und klar: hier duzen sich die Kollegen untereinander. Beim Meister und Polier sollte ein Auszubildender damit aber warten, bis ihm das Du angeboten wird.

Besonderheit

Bei der Ausbildung gibt es eine Besonderheit. Nach zwei Jahren steht eine Prüfung an. Wer die besteht hat seinen ersten Abschluss schon in der Tasche und darf sich Hochbaufacharbeiter bzw. Hochbaufacharbeiterin nennen.

Genauigkeit

Auch wenn es im Rohbau nicht immer auf den ersten Blick so aussieht: Beton- und Stahlbetonbauer müssen genau arbeiten. Sie bereiten die Baustelle für viele andere Gewerke vor. Fenster, Türen, Glaskuppeln passen später halt nur, wenn die Betonbauer vorweg präzise gearbeitet haben.


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