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Bauwerksabdichter/-in Sie halten Bauwerke trocken

Wenn Feuchtigkeit in Dächer, Brücken oder Parkhäuser eindringt, kann das eine Menge Schaden anrichten. Deshalb haben Bauwerksabdichter einen enorm wichtigen Job: Sie dichten Bauten mit unterschiedlichen Materialien ab.

Stand: 01.10.2015

Montagmorgen, kurz nach 7 Uhr. Burak Yilmaz und Sergej Kuzmicev haben gerade ihren Kleintransporter auf der Baustelle abgestellt und beginnen jetzt mit dem "Frühsport": Sie tragen paketweise Dämmplatten und Dutzende Bitumenbahnen durchs Treppenhaus hinaus aufs Dach eines Neubaus. "Die erste Schicht, die sogenannte Dampfsperre, liegt schon auf dem Beton. Als nächstes müssen wir die Dämmung aufbringen", erklärt Burak Yilmaz. Der 21-Jährige hat vor drei Jahren seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen bei der Firma Holl im baden-württembergischen Remseck.

"Die Schweißbahnen wiegen bis zu 30 Kilo. Und davon trägst du nicht nur eine am Tag, sondern 40 oder 50 Stück. Deswegen braucht man in diesem Beruf auch Kraft und Ausdauer."

Burak Yilmaz, Bauwerksabdichter

Wer diesen Job erlernen möchte, muss gerne im Team arbeiten. Burak sprüht den PU-Schaum auf den Boden, Sergej legt die Dämmplatten auf. Sollte irgendwo ein kleiner Spalt entstehen, verschließt ihn Burak sofort mit dem Schaum. Bauwerksabdichter müssen sorgfältig arbeiten. Denn Wasser kann selbst durch die kleinste Ritze eindringen und im Gebäude enorme Schäden verursachen. Das würde Buraks Arbeitgeber viel Geld kosten.

Zwei Lagen Bitumen

Auf die Dämmung folgen zwei Lagen Bitumen. "Die erste klebt selbst, die zweite schweißen wir auf", sagt Burak. Die Höhe, zwölf Meter über der Erde, macht ihm nichts aus. "In diesem Job muss man schwindelfrei sein. Wir arbeiten fast täglich auf Flachdächern, viele sind sogar höher als dieses hier."

"In diesem Beruf hat man oft einen tollen Ausblick. Heute zum Beispiel kann ich weit über Stuttgart hinausschauen. Genau das macht den Job für mich persönlich sehr anziehend. Man ist immer irgendwo anders, man hat immer mit Menschen zu tun, mit verschiedenen Kollegen. Ich finde das toll."

Bekir Trnava, Bauwerksabdichter

Mit Brecheisen und Hammer

In Bamberg stehen Tobias Dütsch und seine Kollegen ebenfalls auf einem Flachdach. Ihr Betrieb, die Firma Jüttner & Straub, hat den Auftrag bekommen, sechs Lichtkuppeln abzureißen und das dadurch entstandene Loch abzudichten. Die drei Männer rücken der Lichtkuppel mit Brecheisen und Hammer zu Leibe. Eine dreckige und schweißtreibende Angelegenheit.

Zehn Jahre dicht

Wenige Stunden später klafft an der Stelle ein großes Loch. "Wir legen da jetzt ein Blech drauf und dann geht's ans eigentliche Abdichten", so Tobias. Er ist Polier und damit Chef der Kolonne. Die letzte Schicht besteht aus einer Folienbahn, die die Bauwerksadichter mit einem Heißluftfön verschweißen. "Jetzt ist das Dach für die nächsten zehn bis 15 Jahre dicht, egal wie viel es regnet."

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Bauwerksabdichter/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Betrieb und an der Berufsschule. Die Azubis aus Süddeutschland werden in Nürnberg unterrichtet. Dort findet auch die überbetriebliche Ausbildung statt, beides jeweils in Blockform.
  • Zugang: Es ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen die Betriebe überwiegend Bewerber mit Hauptschulabschluss ein.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit und Sorgfalt sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Bauwerksabdichter müssen außerdem körperlich fit und schwindelfrei sein.
  • Wichtige Schulfächer: Wer in Mathematik, Physik und Chemie fit ist, bringt gute Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Ausbildung.
  • Perspektiven: Vorarbeiter/-in, Polier/-in, Bauleiter/-in, Studium

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Wetter

Das Wetter beeinflusst den Zeitplan enorm, da Dächer oder Brücken bei starkem Regen bzw. extremer Kälte nicht zuverlässig abgedichtet werden können. Im Sommer fangen Bauwerksabdichter oft bereits um 5 Uhr an. So können sie die kühlen Temperaturen am Morgen nutzen und sind mit der Arbeit fertig, bevor die Mittagshitze einsetzt.

Verdienstmöglichkeiten

Auszubildende bekommen ein überdurchschnittliches Azubigehalt. Im dritten Lehrjahr verdienen sie etwa 1.300 Euro brutto im Monat.

Arbeitszeiten

Bauwerksabdichter arbeiten auf Baustellen. Wenn diese weit vom Betrieb entfernt liegen, reisen sie am Montag an und fahren erst am Freitag wieder nach Hause. Gelegentlich müssen sie Überstunden machen oder auch am Samstag arbeiten.

Sorgfalt

Wer diesen Beruf erlernt, muss sehr sorgfältig arbeiten. Wenn Bauwerksabdichter Fehler machen und dadurch zum Beispiel Feuchtigkeit in Brücken eindringt, kann das den Betrieb sehr viel Geld kosten.


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