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Agrartechnischer Assistent Ganz schön viel Chemie!

Agrartechnische Assistenten mit der Fachrichtung Biotechnologie arbeiten mit Mikroorganismen, Gewebe- und Zellkulturen, analysieren DNA und Gene und versuchen so beispielsweise Lebensmittel, Pflanzen und Medikamente gentechnisch herzustellen und zu verändern.

Stand: 08.01.2018

Erstmal ab in den Mixer mit der Papaya. Johannes weiß genau, was er für die Analyse zu tun hat. Zwar ist er erst 17 Jahre alt und zur Zeit "nur" als Praktikant im Labor in Illertissen beschäftigt, aber nach fast einem Jahr Arbeit hier gehört er schon richtig ins Team. Johannes ist im zweiten Ausbildungsjahr und will agrartechnischer Assistent werden. Das Praktikum ist vorgeschrieben. Heute soll er herausfinden, ob die Papaya gentechnisch verändert wurde. In Deutschland sind solche Früchte nicht zugelassen, aber es passiert immer wieder, dass doch welche hier landen. In Amerika sind sie gang und gäbe: Die Papayas wurden virus-resistent gezüchtet, weil ein Krankheitserreger vor ein paar Jahren alle Pflanzenbestände in Hawaii bedroht hatte. Wenn Johannes herausfindet, dass die Papaya gentechnisch verändert wurde, muss die komplette Lieferung vernichtet werden, weil die Früchte in Deutschland nicht verkauft werden dürfen. Da geht es um ganz schön viel Geld und Verantwortung, also muss er sorgfältig und genau arbeiten. 

"Ich kann zwischen Pharmazie, Medizin und ganz verschiedenen Untersuchungen wechseln oder im Qualitätsmanagement von großen Firmen arbeiten. Die Aufgaben eines ATA sind sehr umfangreich. Der Job interessiert mich, da bin ich richtig. Und wenn mir eine Branche irgendwann keinen Spaß mehr macht, wechsele ich einfach in eine andere."

Johannes Grau, (17), 2. Ausbildungsjahr

Für Mensch, Tier und Pflanze

Wie wichtig Präzision und Konzentration sind, lernen die künftige ATA in der Berufsfachschule, wo ihre Ausbildung beginnt. Im Blockunterricht bekommen sie Analyse-Methoden vermittelt, die für die Arbeit mit Gewebe- und Zellkulturen von Mensch, Tier und Pflanze gleichermaßen gelten. Das Tolle am Job: ATA mit der Fachrichtung Biotechnologie werden in der Pharmazie, in der Medizin, im Qualitätsmanagement von großen Betrieben und sogar in der Kriminaltechnik gebraucht - zum Beispiel, wenn ein Verbrecher gesucht wird, der DNA-Spuren hinterlassen hat. Der 17-jährige Moritz sieht sich schon den Täter überführen, während seine Mit-Auszubildende Juliane von der Arbeit in einem kleinen Labor mit netten Kollegen träumt, in dem sie jeden Tag eine neue Analyse durchführt. Es gibt einfach viele Möglichkeiten für agrartechnische Assistenten!

"Die Elektrophorese kommt aus der Medizin, mit dieser Methode kann man ganz allgemein mit verschiedenen DNAs arbeiten, von Tier und Mensch, Bakterie oder Pilz. Mir ist wichtig, dass Schüler, wenn sie sich nicht für die Arbeit mit Pflanzen entscheiden, auch in Bereichen wie der Pharmaindustrie damit arbeiten können - wenn es zum Beispiel um Vaterschafts-Tests oder Arzneimittel geht."

Ralf-Michael Schönfeld, Lehrer

Keine Angst vor Krankheitserregern, Bakterien und Viren!

Rebekka Weiß ist nach ihrer Ausbildung in Praktikumsbetrieb zurück gekehrt und arbeitet jetzt im Landesamt für Umwelt in Augsburg. Ihr derzeitiges Projekt klingt ein bisschen eklig, ist aber sehr wichtig: Mit dem sogenannten Yes-Test findet Rebekka heraus, wie viele Hormone aus der Anti-Baby-Pille über den ausgeschiedenen Urin in unserem Abwasser landen. Die Rückstände können Tieren und Menschen schaden - und mithilfe des Projekts soll die Hormonbelastung des Wassers auf Dauer verringert werden. ATA arbeiten im Labor auch mit Krankheitserregern, Bakterien und Viren - die dafür wichtigen Sicherheitsvorschriften hat sie bereits in der Ausbildung gelernt und fühlt sich dadurch sicher. ATA ist Rebekkas Traumberuf: Die Analysen sind für sie jeden Tag auf's Neue spannend und fordern sie immer wieder heraus - langweilig wird es da bestimmt nicht.

"Am Anfang war mir schon etwas mulmig wegen der vielen vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen im Labor. Aber man lernt schon in der Schule die verschiedenen Bereiche kennen, was S1 oder S2 bedeutet, mit welchen Krankheitserreger oder gentechnisch veränderten Bakterien oder Zellen man da zu tun hat. Und nachdem ich in der Schule schon mitbekommen hab, um was es eigentlich geht, war das kein Problem mehr, so dass ich keine große mehr Scheu hatte."

Rebekka Weiß, Agrartechnische Assistentin

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Agrartechnische/r Assistent/in (kurz ATA), Fachrichtung Biotechnologie
  • Ausbildungsdauer: 2 Jahre
  • Ausbildungsform: Theorie und Laborpraxis werden an der Berufsfachschule im Blockunterricht gelehrt. Während des vorgeschriebenen einjährigen Praktikums (z.B. in Unternehmen Chemie- oder Biotechnologielabors oder der Pharmaindustrie) erhalten die Schüler/innen Einblicke in das Betriebsgeschehen, sammeln Erfahrungen in den berufstypischen Arbeitsmethoden und lernen verschiedene Ablaufmethoden zu verstehen.  
  • Prüfung: Am Ende der Ausbildung steht eine staatliche Abschlussprüfung, die aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht.  
  • Ausbildungsorte: Berufsfachschule und Praktikumsbetrieb
  • Zugang: Die Berufsfachschulen wählen unter den Bewerber/innen nach eigenen Kriterien aus. In der Regel wird dabei Wert auf gute Leistungen in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik gelegt und ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt.  
  • Eignung: Wer ATA werden möchte, sollte sich für Naturwissenschaften begeistern, also Spaß an Chemie, Biologie, Mathe und Physik haben.
  • Perspektiven: Während ihrer Ausbildung lernen ATA ein breites Technikfeld kennen: Labormethoden der Gentechnik, Zell- und Gewebekulturen oder die Stoffproduktion mithilfe von Zellen. Deshalb gibt es nach dem Abschluss viele Möglichkeiten: ATA arbeiten z.B. in der chemischen Industrie, Züchtungslaboren, Chemie- oder Biotechnologielabors der Medizindiagnostik oder Pharmaindustrie.
  • Alternativen: Lebensmitteltechnische/-r Assistent/-in, Agrartechnische/-r Assistent/-in mit Fachrichtung Lebensmitteltechnologie und MilchwirtschaftChemielaborant/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kleidung

Kittel und Handschuhe sind Standard im Labor. So können ATA am besten Kontaminationen, also Verunreinigungen, ihrer Proben vermeiden. Außerdem sind sie so selbst auch geschützt, sollte mal etwas daneben gehen. Dann gibt es keine Flecken auf der eigenen Kleidung.

Genauigkeit

ATA müssen sich bei ihren verschiedenen Laboranalysen genau an die Vorgaben halten. Wenn drei Gramm angegeben sind, müssen auch drei Gramm eingewogen werden. Abweichungen durch Schlamperei würden verfälschte Messergebnisse bedeuten - und das geht im Labor natürlich gar nicht.   

Gefahr

Viele Untersuchungen dürfen nur unter einem speziellen Laborabzug durchgeführt werden. Das ist wichtig, weil ATA teils mit mutagenen, also möglicherweise krebserregenden und erbgutverändernden Stoffen arbeiten. Die Arbeit in der Steril-Werkbank ist Pflicht, wenn gentechnisch-veränderte Organismen bei der Analyse einen Rolle spielen. Davon dürfen nicht einmal kleinste Spuren in die Umwelt gelangen.


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