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Staatlich geprüfter Techniker/-in Bindeglied zwischen Meister und Ingenieur

Mit dem Facharbeiterbrief geht es aufwärts auf der Karriereleiter: Zum Beispiel mit der Aufstiegsfortbildung zum "Staatlich geprüften Techniker". Diese breit ausgebildeten Techniker nehmen häufig verantwortungsvolle Positionen im Bereich Entwicklung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung oder im Vertrieb ein.

Stand: 01.04.2016

Das bedeutet aber erst mal zwei Jahre im Vollzeitunterricht zurück auf die Schulbank oder vier Jahre berufsbegleitend an einer Teilzeitfortbildung teilnehmen. Sebastian Gillsch lernt an der staatlichen Fachschule für Technik in Bayreuth im Fach "Fahrzeugtechnik und Elektromobilität" - eine Fachrichtung, die erst vor wenigen Jahren gegründet wurde. Im Praxisunterricht geht es zum Beispiel um Spannung messen und Isolation prüfen, an einem elektrischen GoCart. Das macht den Fachschülern Spaß, vor allem die Probefahrten. Weil Sebastian sich für den Vollzeitlehrgang entschieden hat, muss er zwei Jahre ohne Einkommen überbrücken. Das klappt bei ihm gut: Aus seiner Zeit als Mechatroniker in einem Autohaus hat der 24-Jährige sich Ersparnisse zurückgelegt, und er wohnt noch zuhause. Die Mehrzahl seiner Mitschüler bekommt für die Zeit der Aufstiegsfortbildung BaföG, also Ausbildungsförderung vom Staat. BaföG-Anträge gibt es am Landratsamt oder bei den städtischen Ämtern. Im Schnitt bekommen die Fachschüler rund 600 Euro BaföG im Monat, ein Drittel als Zuschuss und zwei Drittel als Darlehen.

Fortbildung an Fachschulen

Ob Maschinenbau, Elektrotechnik oder Versorgungstechnik: In vielen verschiedenen Fachrichtungen wird diese Fortbildung an Fachschulen angeboten. Um einen Eindruck zu bekommen, können sich Interessierte an Infoabenden oder bei Informationstagen bei verschiedenen Anbietern umsehen. An der städtischen Technikschule in Erlangen lernen Sabine Messingschlager und Markus Schwarzbach im Fach "Informatik-Technik". Im Netzwerk-Labor beschäftigen sie sich mit ganz praktischen Beispielen: Eine mittelständische Erlanger Firma hat Zweigstellen in Forchheim und Neumarkt und will den Kommunikationsfluß zwischen dem Hauptsitz und den Niederlassungen durch ein Computer-Netzwerk optimieren. Sabine arbeitet neben der Vollzeitausbildung noch täglich drei Stunden in ihrer früheren Firma weiter, als Zusatzeinkommen und um den Kontakt zu halten. Die Firmenleitung kommt ihr sehr entgegen: Vor jeder Schulaufgabe oder Prüfung darf sie frei nehmen, um sich vorbereiten zu können. Und wenn sie beim  Abschluß noch die Ergänzungsprüfung in Mathematik absolviert, hat sie die Fachhochschulreife und kann studieren.

"Ich hoffe, dass ich mal eine Führungsposition einnehmen kann. Ich habe auch den Ausbilderschein gemacht, dass ich mal wirklich hoch einsteigen kann und dadurch mehr Geld bekomme. Ich erhoffe mir, dass ich dadurch weiterkomme im Leben."

Markus Schwarzbach, Fachschüler

Die meisten der 83 Fachschulen in Bayern sind öffentlich und kosten kein Schulgeld.  An Privatschulen wie der Nürnberger Grundig-Akademie bezahlen die Schüler rund 130 Euro im Monat. Für einen beruflichen Aufstieg im Anschluß ist das vertretbar: In der Fachklasse Elektrotechnik findet ein Großteil der Schüler nach Ausbildungsabschluß nahtlos eine Stelle - manche bekommen sogar schon während der Schulzeit einen Arbeitsvertrag angeboten.

Vier Jahre Schule

Die Zulassungsvoraussetzungen für die Technikerschule sind ein Facharbeiterbrief und zusätzliche Arbeitserfahrung - ein Jahr Berufspraxis für die Vollzeitausbildung. Bei Teilzeit reicht ein halbes Jahr. Wer sich für die berufsbegleitende Teilzeit-Variante entscheidet, geht vier Jahre lang zur Schule. Viel Freizeit gibt's dann nicht: Zweimal die Woche abends und jeden Samstagvormittag geht es zum Unterricht an die Technikerschule. Disziplin und Durchhaltevermögen sind da gefragt.

"Früher als technischer Zeichner habe ich Zeichnungen erstellt und bei der Konstruktion mehr oder weniger nur mitgeholfen. Durch die Technikerausbildung hab ich jetzt die Möglichkeit, eigenständig zu konstruieren, eigenverantwortlich - und somit auch direkt am Teil mitzuwirken und meine Ideen einzubringen."

Jörg Viehmann, staatlich geprüfter Techniker

Jörg Viehmann aus Herzogenaurach hat die Techniker-Ausbildung schon absolviert. Für ihn hat sich der Aufwand gelohnt:  Mehr Einkommen, mehr eigenständiges Arbeiten, mehr Verantwortung.

Die wichtigsten Fakten zum staatlich geprüfter Techniker

  • offizielle Bezeichnung: Staatlich geprüfte(r) Techniker/- in
  • Ausbildungsdauer: zwei Jahre (Vollzeit), vier Jahre (Teilzeit)
  • Ausbildungsorte: öffentliche und private Fachschulen
  • Prüfung: Prüfungsausschuß der jeweiligen Schule (unter Oberaufsicht der Regierung)
  • Voraussetzungen: Facharbeiterbrief, und zusätzlich für Vollzeitausbildung ein Jahr Berufspraxis, für Teilzeitausbildung ein halbes Jahr Berufspraxis
  • Kosten der Ausbildung: 600 Euro bis 4.200 Euro
  • Finanzierung: BaföG, Ersparnisse, Zusatzjob
  • Perspektiven: Führungsposition im Unternehmen, Studium

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