ARD-alpha - Einfach logisch


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Einfach logisch Was soll sein?

Stand: 18.03.2016

Tatsachen beschreiben, wie die Welt ist. Forderungen dagegen sagen, was man tun oder lassen soll. Bei Tatsachen geht es also um das Sein, bei Forderungen hingegen um ein Sollen.

Der Unterschied zwischen Sein und Sollen ist der Grund, warum man aus einer Tatsache keine Forderung ableiten kann, denn nur, weil etwas so ist wie es ist, kann man nicht schließen, dass man etwas Bestimmtes tun oder nicht tun soll. Wer so schlussfolgert, begeht einen so genannten "Sein-Sollen-Fehlschluss", das heißt ein nicht erlaubtes Schlussfolgern von einem Sein auf ein Sollen.

Will man aus einer Tatsache eine Forderung ableiten, muss noch eine Bewertung dieser Tatsache dazukommen, das heißt man muss diese Tatsache entweder für gut oder für schlecht halten. Erst diese beiden Dinge zusammen – also die Tatsache und dessen Bewertung – erlauben es, eine Forderung daraus abzuleiten.

Übung 1

Aufgabe

Was ist von der Begründung für die folgende Forderung zu halten: "Allein erziehende Väter sind etwas Unnatürliches: in der gesamten Natur kommt so etwas nicht vor. Deshalb sollte das Sorgerecht grundsätzlich der Mutter zugesprochen werden."?

Lösungsvorschlag

Auch wenn man die Ansicht teilt, dass Männer kein Sorgerecht für Kinder erhalten sollten, ist davon abzuraten, sich der gegebenen Begründung anzuschließen, da man dadurch einen Sein-Sollen-Fehlschluss begeht: In der Begründung wird nämlich einfach nur ein Sachverhalt der Natur beschrieben und aus solch einem Sein ist ein Sollen nicht ableitbar. Wenn man dagegen auch Männern das Sorgerecht zugestehen möchte, dann sollte man nun nicht umgekehrt nach Beispielen in der Natur suchen, denn es wäre ebenfalls ein Fehlschluss zu sagen: "Auch Männer sollten ein Sorgerecht erhalten können, schließlich gibt es in der Natur ebenfalls allein erziehende Väter."

Übung 2

Aufgabe

Stellen Sie sich einmal vor, eine wissenschaftliche Studie habe erbracht, dass die Haare schneller wachsen, wenn man mehr als zwei Tassen grünen Tee am Tag trinkt. Welchen Ratschlag könnte ein Wissenschaftler aufgrund dessen erteilen?

Lösungsvorschlag

Aus der wissenschaftlichen Studie allein lässt sich keine Handlungsanweisung ableiten. Erst, wenn noch irgendeine Bewertung hinzutritt, ist so etwas möglich. Dann könnte man zum Beispiel sagen: "Wenn man nicht gerne zum Friseur geht, sollte man nicht mehr als zwei Tassen grünen Tee am Tag trinken."

Übung 3

Aufgabe

Zwei Leute unterhalten sich. Person A: "Die Menschen sollten keine festen Wohnsitze haben. Schau' dir unsere nächsten Verwandten, die Affen an: alles Nomaden." Person B: "Warum sollten wir das machen, was die Affen machen? Dann müssten wir uns noch eher an den alten Ägyptern orientieren, die uns genetisch viel näher stehen als die Affen: Wenn der Pharao starb, ging der ganze Hof mit ins Grab. Das heißt man sollte heutzutage alle Mitarbeiter entlassen, wenn ein Chef in Ruhestand geht." Was ist von den Ausführungen von B zu halten?

Lösungsvorschlag

Die Polemik von B veranschaulicht, warum das Argument von A einen Fehlschluss darstellt.


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