ARD-alpha - Campus Magazin


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Zukunft der Lehre Studieren per Smartphone und Tablet

"Handys weg und zuhören!" - Das war mal. Wenn die Übung von Prof. Jürgen Handke beginnt, holen Studenten ihre Smartphones und Tablets raus. Handke startet mit einem Quiz. Nur wer online ist, bleibt in seiner Vorlesung am Ball.

Von: Lisa Böttinger, Florian Falzeder

Stand: 02.05.2017

Der Anglistik-Professor an der Uni Marburg stellt Fragen zu den Vorfahren der modernen Menschen und den Anfängen der Sprachentwicklung. Die Studenten tippen ihre Antworten auf ihre Displays. Dass Lucy ein Australopithecus afarensis war, zum Beispiel. Es geht um die Evolution der Sprache.

Die Lernzielkontrolle ist exakter

Basiswissen kommt per Tablet zum Studenten. Er kann erste Fragen beantworten. Wenn's dann nicht weitergeht, helfen der Professor und die Tutoren.

Handke weiß durch diese Tests, wie genau sich die Studenten vorbereitet haben. Das haben sie im Idealfall alle zu Hause gemacht, mit digitalen Übungsmaterialen - Texten, Grafiken und auch Videos. Letztere dreht der Professor in seinem Büro, mit Teleprompter und Greenscreen-Technik. Was er früher jahrelang in Vorlesungen wiederholen musste, hat er nun mit einem Dreh abgehakt.

Basiswissen wird virtuell vermittelt

Im Hörsaal kann er sich nun anderen Dingen widmen: der Übung und Vertiefung. Inverted Classroom nennt sich das Modell und Jürgen Handke gilt in Deutschland als dessen Pionier. In diesem Jahr hat er für seine Bemühungen den Ars Legendi-Preis gewonnen, einen Preis für gute Lehre an Hochschulen.

Der klassische Frontalunterricht ist nicht mehr modern

Die Digitalisierung und neue Techniken wie Erkenntnisse aus der Lerntheorie bieten neue Möglichkeiten - und bedeuten eine ganze Menge Arbeit und Ressourcenaufwand für den, der im 21. Jahrhundert nach diesen Möglichkeiten lehren will.

Die Simulator-Puppe registriert alles: Infusion setzen, Beatmen, Intubieren, einfach alles.

In der Linguistik bedeutet das mehr Aufwand für Übung und Vertiefung, in der Medizin auch mal mehr Action. An der TU München gibt es seit einem Jahr ein sogenanntes Simulationszentrum. Hier können Medizinstudenten mit Schauspielern Patientengespräche üben – oder sich in komplexen Übungsszenarien an Puppen erproben, die jeden Handgriff registrieren. In der Nachbesprechung wird alles analysiert. Was wurde richtig, was wurde falsch gemacht? Dafür sind solche Simulationen gut, die es mittlerweile an nahezu allen medizinischen Fakultäten in Deutschland gibt. Hier dürfen noch Fehler passieren und aus Fehlern kann man lernen.

Mehr Interaktion und Learning by doing sind aktuell die großen Trends in der Lehre. Das umzusetzen ist umständlich und kostet viel Zeit, Arbeit und Geld. Für die TU München bedeutet das teures Equipment sowie Kurse in Kleingruppen mit intensiver Vor- und Nachbesprechung, also viel Zeit für die Dozenten im Simulationszentrum. Und der Anglist Handke braucht einen Programmierer und Tutoren, die ihn unterstützen. Aber es lohnt sich, zumindest für ihn, wie er sagt: Jetzt geht er aus dem Hörsaal und weiß, was die Studierenden mitgenommen haben.

Hier geht es zu den virtuellen Lehrveranstaltungen von Prof. Handke.

Hier siehst du ein Beispiel einer virtuellen Lehrveranstaltung von Prof. Handke.


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