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Studien-Abbrecher Kopfgeld-Prämie für Hochschulen

NRW führt als erstes Bundesland eine Abschluss-Prämie ein: 4.000 Euro sollen die Hochschulen ab 2016 für jeden erfolgreichen Absolventen bekommen. Kritiker fürchten, darunter könnte die Qualität der Lehre leiden.

Von: Moritz Pompl und Katharina Willinger

Stand: 08.07.2015

Es sind denkwürdige Zahlen, die aus einer Erhebung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervorgehen. Demnach bricht im Schnitt mehr als jeder vierte Student sein Studium wieder ab. Besonders häufig sind Bachelor-Anwärter in den Fächern Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Chemie und Physik betroffen. Nun hat Nordrhein-Westfalens Landesregierung und allen voran Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) beschlossen, gegen die hohen Abbrecherquoten vorzugehen: mit einer neuen Abschlussprämie für die Hochschulen.

Unterm Strich 2.000 Euro mehr

Konkret winkt den Hochschulen ab 2016 eine Belohnung von 4.000 Euro für jeden Studenten, der sein Studium erfolgreich abschließt. Bisher bekamen sie pauschal 20.000 Euro vom Land für jeden Studienanfänger. Dieser Grundbetrag soll nun, parallel zur Einführung der Kopfgeld-Prämie, auf 18.000 Euro sinken. Unterm Strich bleiben der Hochschule im Erfolgsfall also 2.000 Euro mehr.

"Wir möchten in NRW einen Anreiz geben, dass die Studierenden nicht nur aufgenommen werden, sondern dass sie auch erfolgreich zu einem Studienabschluss geführt werden. Und dafür machen wir jetzt eben eine Abschlussprämie."

Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin NRW

Das Ziel: weniger Studien-Abbrecher

Mit dem zusätzlichen Geld sollen, wenn es nach Svenja Schulze geht, die Hochschulen und Unis ihr Lehrangebot verbessern.

Für die Erstsemestler etwa könnte eine Art Orientierungsphase geschaffen werden, um sich ausprobieren zu können. Außerdem sollen gezielte Beratungsangebote den Studis bei der richtigen Fächerwahl helfen. Mit diesen Maßnahmen sollen die zwei Hauptgründe bekämpft werden, die viele hinter den hohen Abbruchquoten vermuten: Überforderung im Studium und das Gefühl, die falsche Wahl getroffen zu haben.

Drohen überfüllte Hörsäle?

Doch längst nicht alle jubeln über die neue Abschlussprämie. Angela Freimuth von der FDP-Landtagsfraktion NRW etwa hält es für unklug, die Grundfinanzierung für jeden Studienanfänger von 20.000 auf 18.000 Euro zu kürzen.

"Damit steht den Hochschulen planbar weniger Geld für Personal, für Studienbetreuung oder Tutorien zur Verfügung. Hier wird ein an sich gutes Ziel zu Lasten der Hochschulfinanzierung auf den Weg gebracht."

Angela Freimuth, FDP-Landtagsfraktion NRW

Studierenden-Vertreter wie Moritz Fastabend von der Ruhr-Universität Bochum befürchten zudem, dass das „Kopfgeld“ die Unis dazu verleiten könnte, noch mehr Studenten in die ohnehin schon überfüllten Kurse zu stopfen – um dann möglichst viele Prämien zu kassieren.

"Das ist natürlich die Gefahr, dass einige Unis dann hergehen und sagen, ok, wir machen die Standards niedriger und die Kurse voller. Und zack, dann werden einfach die Leute durchgeschleust. Klar, dass die fachliche Qualität dann leidet."

Moritz Fastabend, Allgemeiner Studierenden-Ausschuss Uni Bochum

Trotzdem sieht auch Moritz Fastabend mögliche positive Auswirkungen der Abschlussprämie – zumindest, wenn die Unis weiterhin auf Qualität in der Lehre setzen und das zusätzliche Geld sinnvoll verwenden. Gerade in Fächern, in denen die Unis momentan teilweise rigoros aussortieren, könnte die Prämie eine humanere Ausbildung fördern.

"Ich hoffe zum Beispiel, dass die Prämie in Fächern hilft, wo man bewusst Leute ausschließt. In denen es Klausuren gibt, die rein darauf angelegt sind, Leute auszusortieren. In denen die Durchfallquoten jenseits der 50 Prozent liegen."

Moritz Fastabend, Allgemeiner Studierenden-Ausschuss Uni Bochum

Insgesamt wird es wohl sehr von den einzelnen Hochschulen abhängen, ob das Prämienmodell ein Erfolg wird oder nicht. Denn verbindliche Standards, wie das zusätzliche Geld verwendet werden soll, gibt es nicht. Professor Martin Sternberg, Präsident der Hochschule Bochum und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen NRW jedenfalls verspricht:

"Die Qualität des Studiums und der Absolventen muss sich am Arbeitsmarkt und an der Wissenschaft orientieren. Das kann nicht davon abhängen ob wir 4.000 kassieren oder nicht. Es wird nicht so sein, dass wir jetzt Studenten durch die Prüfung winken. Das hat es früher nicht gegeben und das wird es auch in Zukunft nicht geben. Aber dass es eine gewisse Belohnung und Anerkennung gibt, wenn viele Studenten durchs Studium kommen, das finde ich in Ordnung."

Prof. Dr. Martin Sternberg, Präsident Hochschule Bochum


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