ARD-alpha - Campus Magazin


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Freihandelsabkommen Studenten wehren sich gegen TTIP

Chlorhühnchen und Hormonfleisch - das Freihandelsabkommen TTIP ist umstritten. Was nur wenige wissen: Er könnte auch an den Hochschulen vieles verändern. Studenten gehen jetzt auf die Straße und machen Stimmung gegen TTIP.

Von: Moritz Pompl, Jonathan Schulenburg

Stand: 11.06.2015

Auf dem Münchner Stachus herrscht ein friedliches Gedränge. Bei glühender Hitze und ohrenbetäubendem Lärm demonstrieren Tausende gegen TTIP und G7. Und mittendrin sind Matthias Ernst und Eva Lettenbauer. Die zwei Studenten sind politisch aktiv bei der Grünen Jugend. Beide engagieren sich schon seit Längerem gegen das Freihandelsabkommen TTIP.

"TTIP ist einfach ein großer Angriff auf unsere Demokratie, demokratische Strukturen sollen ausgehöhlt werden zugunsten von Schiedsgerichten, die nur Unternehmen schützen."

Matthias Ernst

Matthias studiert Politik und Philosophie in Regensburg. Die umstrittenen Schiedsgerichte sind nicht das Einzige, was ihn an dem Abkommen stört. 

"Es besteht halt die große Gefahr, dass Verbraucherschutzstandards herabgesenkt werden. Gerade in Europa haben wir im Lebensmittelbereich sehr hohe Standards. Das heißt, es muss zuerst bewiesen werden, dass ein neues Medikament oder ein neues Lebensmittel nicht gefährlich ist, bevor es auf den Markt kann. In den USA ist es andersrum. Da wird es erstmal zugelassen und wenn man dann im Nachhinein feststellt, es war gesundheitsschädlich, dann kann man auf Schadenersatz klagen."

Matthias Ernst

Bildung in Gefahr?

Eva marschiert beim Demonstrationszug ganz vorne mit. Sie studiert Wirtschaftsingenieurwesen in Augsburg und sorgt sich um die Bildung. Inwiefern könnte TTIP darauf Einfluss haben? Schon jetzt fließen viele Fördermittel aus der Wirtschaft direkt in die Universitäten und beeinflussen so die Lehre.

"Dadurch, dass die Fördermittel durch die Regierungen oder durch den Staat eingeschränkt werden, besteht eben die Gefahr, dass noch mehr Drittmittel von den Wirtschaftsunternehmen kommen und dass die Unis darauf angewiesen sind."

Eva Lettenbauer

TTIP an der Hochschule

Tatsächlich könnte das Freihandelsabkommen auch die Bildungslandschaft in Deutschland umkrempeln. Private Unternehmen hätten es dann leichter, in Deutschland Hochschulen zu eröffnen. Bisher darf ihnen die Bundesregierung zumindest die Förderung verweigern und darf Gelder so verteilen, wie sie es für richtig hält - das wäre dann nicht mehr so einfach. Jede private Hochschule könnte nach der Logik von TTIP dieselbe Unterstützung einfordern wie öffentliche Hochschulen. Die Hochschulrektorenkonferenz sieht TTIP daher kritisch. Mitte Juni wird das europäische Parlament darüber abstimmen, ob der Bildungssektor aus dem Freihandelsabkommen herausgehalten werden soll.

„Die Welt ist keine Ware“

Der Protest in München ist friedlich und bunt. Auf den Plakaten prangen Schriftzüge wie:

„Die Welt ist keine Ware - We are the 99 Per Cent - Wer TTIP sät wird Gentechnik ernten.“

Aber nicht jeder sieht TTIP kritisch. Am Sendlinger Tor haben sich die jungen Liberalen positioniert. Sie wollen über die Vorteile von TTIP aufklären.  Matteo Müller ist 17 Jahre alt und Landesvorsitzender der Liberalen Schüler. Er ist überzeugt von TTIP.

"Weil Freihandel was ganz Großartiges ist. Weil es viele Barrikaden abbaut und wir durch ein Wirtschaftswachstum der breiten Bevölkerung ein besseres Leben ermöglichen können."

Mateo Müller


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