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WG-Geschichten WG-Zimmer gegen Hilfe

Carina Waldmann zahlt für ihr fast-20-Quadratmeter-Zimmer keine Miete. Und das mitten in München. Wie geht das? Pädagogik-Studentin Carina wohnt in einer inklusiven Mehrgenerationen-WG. Das Campus Magazin hat sie besucht.

Von: Lukas Hellbrügge

Stand: 27.06.2017

Sechs ihrer Mitbewohner sind ältere Menschen mit Behinderung, Carina und drei andere Studierende kümmern sich um sie. Carina kauft mit den älteren Bewohnern ein, sie kocht mit ihnen und sie badet manche von ihnen, die das alleine nicht schaffen. Anfangs war ihr neues WG-Leben für Carina noch ungewohnt:

"Zu Beginn hatte ich schon Berührungsängste, gerade wenn es um das Thema Körperpflege ging, also darum Bewohner zu baden. Ich hatte ja früher kaum mit Menschen mit Behinderung zu tun. Dadurch dass die älteren Bewohner meine Hilfe aber ganz selbstverständlich angenommen haben, waren diese Berührungsängste ganz schnell weg."

(Carina)

Wohnen gratis, aber mit Aufgaben

Der Dienstplan der WG: Carina muss einmal pro Monat ein ganzes Wochenende ran.

Die Studierenden sind bei ihren Aufgaben nicht auf sich allein gestellt: Ein FSJler und ein Sozialpädagoge unterstützen sie tagsüber. Trotzdem tragen Carina und die anderen Verantwortung: Wenn zum Beispiel nachts einer der älteren Bewohner ein Problem hat, sind sie die einzigen Ansprechpartner vor Ort.

Im Gegenzug wohnt Carina kostenlos, nur ihr Essen muss sie selbst bezahlen. Finanziert wird diese besondere WG über die staatlichen Hilfen, die die Menschen mit Behinderung erhalten. Das heißt: Die WG kostet den Staat nicht mehr Geld als zum Beispiel die Unterbringung in einem Pflegeheim.

Gratis wohnen mit Spaß bei der Arbeit

Und so ein Zusammenleben kann auch sehr viel Spaß machen. Zum Beispiel wenn die Truppe in ihrem WG-eigenen Kleinbus in den Urlaub fährt. Oder wenn Carina mit Martina und Claudi in den Biergarten geht.

Carina im VW-Bus auf dem Weg zum Einkaufen.

Neue Mitbewohner müssen, wie auch überall sonst in München, aber erst mal zum strengen WG-Casting antreten. Hat auch nur einer der Bewohner etwas gegen den Einzug des Kandidaten, muss der sich eine andere Bleibe suchen. Bei Carina lief es etwas anders: Sie hat ein FSJ in der Mehrgenerationen-WG gemacht und hatte deshalb einen kleinen Startvorteil.

Win-win-Situation für alle Bewohner

Jeden Abend gibt es ein gemeinsames Abendessen.

Carina und die anderen Studierenden werden irgendwann aus der WG ausziehen und eine neue Generation Studierender rückt nach. Bei Martina und Claudi ist das anders. Die Bewohner mit Behinderung sollen wenn möglich bis an ihr Lebensende hier wohnen bleiben. Dass es ihnen dabei so gut wie möglich geht, dafür sorgen ihre jungen Mitbewohner.


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