ARD-alpha - Campus Magazin


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Nach dem Anschlag in Berlin Wir lassen uns Weihnachten nicht kaputt machen!

Ein Schock geht durch Deutschland. In Berlin hat ein Mann am Montagabend einen schweren LKW in einen Weihnachtsmarkt gesteuert, 12 Menschen starben, 50 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Wir haben Studierende gefragt, wie sie von der schrecklichen Tat erfahren haben und ob sie sich durch mögliche Bedrohungen nun in der Weihnachtszeit eingeschränkt fühlen.

Von: Linda Zahlhaas

Stand: 20.12.2016

 Angie: "Ich meide aber öffentliche Plätze überhaupt nicht und habe auch keine Terror-Angst."

Angie, 23, studiert Deutsch als Fremdsprache 

"Ich habe die Ereignisse in Berlin über die Nachrichten und Facebook mitbekommen, aber ich muss sagen, ich habe es irgendwann abgeschaltet. Das nervt mich immer, wenn alles noch so uninformiert ist. Keiner weiß bisher, was genau passiert ist, insofern sollte man auch noch nicht viel drüber sagen, bevor man Gerüchte weiter schürt. Klar, ein Weihnachtsmarkt ist, falls es ein Anschlag gewesen sein sollte, ein Ziel, aber man darf sich dadurch nicht einschränken lassen. Auch Weihnachten werden wir ganz normal verbringen. Wir reden über solche Dinge auch an Weihnachten. Ich meide aber öffentliche Plätze überhaupt nicht und habe auch keine Terror-Angst.“

 Viviane: "Ich werde aber in Zukunft Weihnachtsmärkte nicht meiden."

Viviane, 24, studiert Jura

"Ich war gestern Abend noch arbeiten und habe es dann relativ schnell über eine Freundin erfahren. Ich finde das natürlich schrecklich, wenn so was passiert. Aber man kann es leider nicht verhindern, weil es immer spontan kommt und auch die Methoden - man kann sie nicht einschätzen. Ich werde aber in Zukunft Weihnachtsmärkte nicht meiden und mich auch nicht einschränken lassen. Wahrscheinlich wird das auch ein Thema für uns an Weihnachten sein, aber wir werden deswegen jetzt nicht anders Weihnachten feiern.“

Sophia: "Ich mache mir natürlich Gedanken."

Sophia, 21, studiert Jura

"Ich habe den News-Ticker abonniert und habe so über die Geschehnisse in Berlin erfahren. Ich wurde auch von vielen Freunden angesprochen, wie es mir denn damit geht, weil ich ja auch in einer Großstadt lebe. Ich mache mir natürlich Gedanken, weil das auch in einer Stadt wie München passieren kann, aber mich schränkt das persönlich nicht ein. Ich spreche mit meinen Freunden darüber, weil - ich komme aus einer kleinen Stadt, wo so etwas gar nicht passieren würde. Das ist dann schon ein Thema. Wenn ich durch die Innenstadt gehe, mache ich mir überhaupt keine Gedanken, mehr an Flughäfen oder auf Großveranstaltungen.“

Ozan: "Man kann leider als Einzelperson nicht mehr tun, als diese Meldungen über sich ergehen zu lassen."

Ozan, 20, studiert Philosophie und Soziologie

"Ich saß gestern in einer Besprechung mit Freunden, als die Nachricht reinkam: „Anschlag in Berlin, ähnlich wie in Nizza.“ Man kann leider als Einzelperson nicht mehr tun, als diese Meldungen über sich ergehen zu lassen und einfach weitermachen. In der Welt passiert jeden Tag irgendwas, der Anschlag in Würzburg war nicht vor der Weihnachtszeit, sondern Mitten im Jahr. Dass dann von irgendwelchen Gefühlen, die man in der Weihnachtszeit hat, abhängig zu machen, oder zu sagen, dass es jetzt besonders schlimm ist, weil man sich nicht mehr traut auf Weihnachtsmärkte zu gehen, finde ich nicht so. Ich feiere Weihnachten auch nicht, aber bin natürlich auf Weihnachtsmärkten unterwegs und von solchen terroristischen Attacken lasse ich mich nicht einschränken."

Vanessa: "Ich mache mir aber auch viele Sorgen über die Entwicklung in Deutschland, wie solche Sachen viele aufhetzt. Immer mehr wird gegen Flüchtlinge gehetzt, immer mehr gegen den Islam."

Vanessa, 24, studiert Biologie

"Ich habe gestern auch durch Freunde und Familie mitbekommen, dass ein LKW in einen Weihnachtsmarkt gerast ist. Meine Mutter hat mir eine sehr aufgeregte SMS geschrieben, dass viele dort gestorben sind. Ich versuche mich aber nicht von dieser Angst einschränken zu lassen. Viele Leute sagen: ‚Wie kann man so was denn zur Weihnachtszeit machen, da geht es doch um Nächstenliebe‘. Es sind dort Menschen gestorben, ob du dich jetzt beschränkt fühlst in deinen Weihnachtsgefühlen, ist mir persönlich egal. Klar, diskutiert man darüber und findet es furchtbar. Ich mache mir aber auch viele Sorgen über die Entwicklung in Deutschland, wie solche Sachen viele aufhetzt. Immer mehr wird gegen Flüchtlinge gehetzt, immer mehr gegen den Islam. Diese Situation wird natürlich total befeuert durch solche Anschläge und Überfälle auf Frauen. Man hört jede Woche irgendwas. Das ist politisch extremst beunruhigend. Die Wirkung die solche Dinge haben, ist viel, viel größer, als nur, dass man Angst hat auf die Straße zu gehen. Ich habe Angst um meine Mitmenschen und deren politische Meinung. Man muss reden mit den Leuten, die Angst haben und ihre begründeten Sorgen auch annehmen und verstehen. Im Internet lassen sich viele Leute von Hetzreden anstecken, die eigentlich keine Meinung dazu haben. Das ist natürlich schwierig, aber man sollte über die Dinge sprechen, die passieren."

 


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