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Praktikum in Vietnam Mit SCHULWÄRTS! in Südostasien

Quy Don Mac studiert Biologie und Chemie auf Lehramt. Er hat mit dem Programm SCHULWÄRTS! des Goethe-Instituts den Schulalltag in Hanoi kennengelernt. Seine Erfahrungen als Lehrer-Praktikant im Heimatland seiner Eltern schildert er hier.

Von: Quy Don Mac

Stand: 06.07.2016

Quy Don Mac in Hanoi | Bild: Quy Don Mac

Warum mich Hanoi so gereizt hat

Hanoi bedeutet ins Deutsche übersetzt „innerhalb der Flüsse“. Die Skyline der Stadt liegt im Delta des Sông Hồng, des "Roten Flusses“.

Ich interessiere mich für das vietnamesische Bildungssystem, weil ich selbst Lehramtsstudent bin (Biologie und Chemie) und meine Eltern aus Vietnam kommen. Das unbekannte Bildungswesen und gleichzeitig das Heimatland meiner Eltern mit all seinen kulturellen Facetten kennenzulernen, das waren die zwei wesentlichen Argumente, die mich nach Vietnam gezogen haben. Und am liebsten wollte ich mich ins Abenteuer einer Millionenstadt stürzen. Die Hauptstadt Hanoi, die nach Ho-Chi-Minh-Stadt die zweitgrößte Stadt Vietnams ist, schien mir perfekt – so kam eines zum anderen.

Als angehende Lehrer werdet ihr mit SCHULWÄRTS! gut vorbereitet.

Don war natürlich auch auf Reisen: Die Halong-Bucht liegt im Norden Vietnams.

SCHULWÄRTS! hat mir die einmalige Möglichkeit gegeben, überhaupt ins vietnamesische Schulleben eintauchen zu dürfen. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, Praktika im Ausland zu absolvieren. Aber meistens werden diese Praktika dann ausschließlich an deutschen Auslandsschulen angeboten. Die Schulen im SCHULWÄRTS!-Programm sind meiner Meinung nach „authentischer“ und lassen einen Lehramtsstudierenden tiefer in den vietnamesischen Alltag eintauchen.

Die Unterschiede zwischen Deutschland und Vietnam

Flaggengruß an der Schule

Im Grunde ist der Auftrag der Lehrenden in beiden Ländern gleich: Es geht natürlich um die Bildung der Schüler. Allerdings gibt es Unterschiede, zum Beispiel was die gesellschaftliche Rolle der Lehrerinnen und Lehrer angeht: In Vietnam haben diese ein größeres Ansehen bei ihren Verwandten, in der Nachbarschaft und in der Gesellschaft an sich. Die Kinder zeigen in der Schule auch deutlich mehr Respekt – was aber vielleicht auch daran liegt, dass die Schule deutlich mehr Zeit im Alltag der Menschen einnimmt, als in Deutschland.

Soziales Schulprojekt in Hanoi

So gehen die Schülerinnen und Schüler schon um sieben Uhr morgens in die Schule, um dort zu frühstücken und sind dann bis vier oder fünf Uhr nachmittags dort. Danach schließen sich meistens Nachhilfe oder andere Veranstaltungen wie Sprachkurse an, zu denen die Eltern ihre Schützlinge verpflichten, um die bestmöglichen Ausbildungschancen zu gewährleisten.

Bildung genießt in Vietnam einen hohen Stellenwert. Denn ein Studium verspricht sozialen Aufstieg in dem wirtschaftlich aufstrebenden Land und gilt daher bei vielen Vietnamesen als Nonplusultra.

Meine Arbeit als Lehrer in Hanoi

"Heute schauen wir einen Film!“ – Der wahrscheinlich beliebteste Satz eines Lehrers, auch in Vietnam.

Bei mir ging der Schultag um halb acht in der Früh los – da kam ich ins Schulgebäude und eine viertel Stunde später hallte dann die Schultrommel durch die Gänge: Der Unterricht begann um viertel vor acht. Meistens war ich in den Deutschkursen als Hilfslehrer eingeteilt. Montags und dienstags war ich immer in den Fächern Biologie und Chemie dabei, meine beiden Studienfächer.

Deutsch lernen in Hanoi: Don hat den Unterricht übernommen und seinen Schützlingen einiges beigebracht.

Mittwoch bis Samstag war ich dann im Deutschunterricht und habe den Lehrkräften dort ausgeholfen. Es gab aber auch Tage, an denen ich die gesamte Unterrichtsstunde in Eigenregie übernommen habe: Immer samstags leitete ich beispielsweise den „Deutsch-Club“. Dort hatte ich die Gelegenheit, den Kindern die deutsche Kultur, unser Bildungssystem und natürlich auch ein bisschen Grammatik näher zu bringen.

Die eine oder andere Herausforderung in Vietnam

Schon einmal in Vietnam darf natürlich Ho-Chi-Minh-Stadt nicht auf der Reiseroute fehlen. Hier das alte Rathaus der größten Stadt Vietnams.

Weil meine Eltern aus Vietnam kommen, wurde ich meistens gar nicht als Ausländer erkannt. Ich war mehr „der Vietnamese, der aber gut Deutsch kann“. Da waren die Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer natürlich erstmal verwirrt: Ein junger Mann aus Deutschland, der aber vietnamesisch aussieht und auch noch fließend Vietnamesisch spricht.

Schulkinder in Uniform

Mit Unterstützung der Lehrkräfte des Goethe-Instituts in Hanoi haben wir diese ersten Irritationen aber gut ausräumen können. Eine andere Sache ist, dass die Vietnamesen an sich sehr unpünktlich sind. Die Kinder werden zwar meistens pünktlich zur Schule gebracht und "um Punkt“ beginnt dann auch der Unterricht, im Alltag aber, bei Verabredungen mit Freunden zum Beispiel, sollte man schon mal auf fünfzehn oder dreißig Minuten Verspätung eingestellt sein.

Hanoi hat meinen späteren Berufsweg mit Sicherheit geprägt

Bitte lächeln! Don am Strand der Halong-Bucht im Golf von Tonkin.

Wie ich von meinem Vietnamaufenthalt profitiert habe? Es ist meiner Meinung nach als Lehrer eine unbezahlbare Erfahrung, das Bildungssystem eines anderen Landes kennenzulernen und mit dem deutschen Schulalltag vergleichen zu können. Unterschiedliche Herangehensweisen an ein und dasselbe Themengebiet werden dann schnell deutlich und man realisiert: Die goldene Regel gibt es eben nicht und viele Wege führen zum Ziel.

Unbedingt sehenswert: Vor Jahrmillionen entstanden in der Halong-Bucht beeindruckende Tropfsteinhöhlen.

Außerdem habe ich durch den Auslandsaufenthalt viel an Selbstvertrauen hinzugewonnen. Ich bin vor der Klasse jetzt präsenter, habe eigene Lehrmethoden entwickelt und mir einige Methoden von den Lehrkräften in Hanoi abgeschaut. Mir ist es auf jeden Fall wichtig zu zeigen: Nicht nur für Bachelor- und Masterstudierende ist ein Aufenthalt im Ausland von Vorteil, genauso profitieren die Lehramtler davon, über ihren Tellerrand zu schauen.

Gerade mit dem Stipendienprogramm des Goethe-Instituts, an dem ich teilnehmen durfte, bekommt man eine fundierte Vorbereitung auf den Alltag im Gastland: durch Workshops und Seminare vor dem Start des Auslandaufenthalts, finanzielle Unterstützung und Ansprechpartner des Goethe-Instituts weltweit. Mit SCHULWÄRTS! seid ihr für euer Abenteuer im Ausland bestens ausgerüstet.

Länderinfo: Vietnam

  • Vietnam liegt im äußersten Südosten des asiatischen Kontinents und  gilt als die Drehscheibe des Fernen Ostens. Nach China ist das Land die am zweitschnellsten wachsende Volkswirtschaft in der Region.
  • Auch für ein Praktikum außerhalb des Lehramts ist Vietnam besonders durch die zentrale Lage in Südostasien geeignet, weil mit den angrenzenden Staaten wie beispielsweise China reger Handel betrieben wird.
  • Internationale Praktikanten werden in wirtschaftlichen und juristischen Abteilungen ebenso benötigt wie im Design-Bereich, im Tourismus, im Bildungssektor und auch im Gesundheits- und Ingenieurwesen.
  • Im Norden liegt China und im Osten des Landes erstrecken sich mehr als 3.400 Kilometer Küstenlinie entlang des südchinesischen Meeres. Im Westen grenzen Vietnam an Laos und Kambodscha. Die Vietnamesen selbst vergleichen die Form ihres Landes mit einer "Bambusstange, an der zwei Reisschalen hängen“.
  • Während die Hochschulen in Vietnam Studiengebühren von bis zu  mehreren Tausend Euro pro Semester verlangen, sind die Lebenshaltungskosten in Vietnam dagegen aus deutscher Sicht niedrig: Mit circa 500 € im Monat kann man bereits auf hohem Niveau  leben.
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