ARD-alpha - Campus Magazin


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Johannes Wasel Besonderes Studienmodell für Kader-Athleten

Gold für Johannes! Am vorletzten Tag der Winter-Universiade 2015 in der Slowakei siegt er gemeinsam mit Tobias Simon und David Welde in der Teamstaffel. Leistungssportlern wie ihm bietet seine Uni ein besonderes Studienmodell an.

Von: Anna Maria Kemmer

Stand: 28.01.2015

Johannes Wasel | Bild: BR

Johannes Wasel, 23 Jahre, ist viel unterwegs: Im Sommer studiert er in Schwenningen Maschinenbau, im Winter wohnt und trainiert der Nordische Kombinierer vom SV Baiersbronn hauptsächlich am Olympiastützpunkt in Freiburg. Wenn am Wochenende keine Wettkämpfe anstehen, schaut er öfter daheim bei seinen Eltern in Freudenstadt vorbei. Der Kofferraum seines Kleinwagens gleicht einem Materiallager: Etliche Paar Ski, Schuhe und Funktionsklamotten fährt er ständig mit sich rum.

Einer der besten Nachwuchssportler

Seit Johannes zwölf ist, ist er sportlich aktiv. Bis zum vergangenen Sommer war er im B-Kader des Deutschen Skiverbandes, zählte also zu den besten Nordischen Kombinierern in ganz Deutschland. 2011 ist er Deutscher Meister geworden, zwei Jahre später bei der Universiade hat er Silber geholt.

Was ist ein Kader?

In Deutschland werden Sportler in verschiedenen Leistungsklassen gefördert, den Kadern. Ein Kader-Status ist wie eine Art Stipendium für Nachwuchsathleten. Je höher der Kader, desto größer auch die finanzielle Förderung - also die Übernahme von Kosten für Trainingslehrgänge, Ausrüstung, Wettkampfgebühren. Der niedrigste Kader ist der C/D-Kader, auch Perspektivkader genannt. Wer es bis zum A-Kader schafft, hat es als Sportler ziemlich weit gebracht: A-Kader Athleten starten regelmäßig bei Weltcups. Ihr Fokus liegt darauf, sich für Olympia und Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Im Moment muss Johannes sich den Leistungssport weitgehend selbst finanzieren. Acht- bis zehntausend Euro koste ihn das pro Jahr, sagt er. Ohne die Unterstützung seiner Familie wäre das für den Studenten nicht möglich. Sein Ziel: Er hofft, in der nächsten Saison wieder in den B-Kader zurückzukehren. Ob das klappt, darüber entscheiden die kommenden internationalen Wettkämpfe. „Wenn nicht“, sagt Johannes, „kann es sein, dass ich mich gegen Ende der Saison gegen den Sport entscheide“. Noch einmal möchte er seine Eltern nicht um Unterstützung bitten: „Ich bin hin- und hergerissen. Aber irgendwann muss ich ja auch mal Geld verdienen und mit Nordischer Kombination ist das nicht so einfach.“

Hausarbeit über Langlaufski

Deswegen wollte er auch nicht alles auf eine Karte setzen und hat sich für ein Studium entschieden. Seine Hochschule Furtwangen bietet Leistungssportlern ein besonderes Studien-Modell an: Sie können Prüfungen verschieben, sich doppelt so lange Zeit für ihr Studium lassen. Für Johannes bedeutet das: Sechszehn statt acht Semester. Im Sommer studiert er ganz normal, fünf Tage in der Woche. Im Winter nimmt sich Johannes komplett für den Sport frei: „Das geht an kaum einer anderen Uni. Ich bin enorm froh, dass ich das hier machen kann.“ Auch wenn Maschinenbau und Nordische Kombination auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben – Johannes versucht seine Sportbegeisterung auch ins Studium zu integrieren. Eine Hausarbeit, die er gerade abgegeben hat, trägt den Titel: „Die Optimierung der Belagsschichten eines Langlauf-Skis.“

Gold in der Teamstaffel

Am vorletzten Tag der Winter-Universiade 2015 in der Slowakei großer Jubel im deutschen Team: Johannes, Tobias und David holen in der Teamstaffel Gold!

Was reizt Dich an der Universiade?

"Mich mit den weltbesten Studenten meiner Sportart zu messen."

Johannes Wasel


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