ARD-alpha - Campus Magazin


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Operation Studienreform Rezept gegen Ärztemangel auf dem Land

Für 2016 angekündigt: der Masterplan 2020. Das Campus Magazin stellt fest: Anstelle einer umfassenden Reform des Medizinstudiums sind bis jetzt nur erste Eckpunkte bekannt.

Von: Monika Haas

Stand: 27.01.2017

Dazu gehört die Stärkung der "Allgemeinmedizin" – um mehr junge Ärzte auf's Land zu schicken. Doch diese Maßnahme wird an den Unis heftig diskutiert. Studenten wollen zwar, dass die Ausbildung verbessert wird, etwa durch ein bundesweit einheitliches Curriculum mit mehr Inhalten, die sich an der Forschung orientieren sowie mehr Praxis mit digitaler Medizintechnik. Sie fordern ein bezahlte Praktisches Jahr und neue Zulassungsverfahren.

Stattdessen soll es nun in einigen Bundesländern eine "Landarztquote" und eine Zusatzprüfung in Allgemeinmedizin für das Staatsexamen geben.

Hintergrund "Masterplan 2020"

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sowie Vertreter der Gesundheits- und Kultusministerkonferenz und der großen Koalition haben sich auf drei Schwerpunkte der Reform verständigt:

  • Optimierung der Auswahl der Studienbewerber
  • Förderung der Praxisnähe im Studium
  • Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium

bvmd-Infovideo zum Masterplan Medizinstudium 2020

Zwangsverschickung in die Provinz? Finden Medizinstudenten schlecht!

Weniger als ein Fünftel der Absolventen wollen später als Hausarzt praktizieren. Den Ärzteschwund, auch in Kliniken, will die Politik in NRW daher bereits im Studium stoppen, notfalls per "Zwang". Wie das funktioniert?

Das Audimax der Uni Bochum. Gelehrt wird in Partner-Krankenhäusern vor Ort.

Bochum ist das erste Beispiel. Die Universität Bochum besitzt keine eigene Uniklinik. Gelehrt wird in Partner-Krankenhäusern vor Ort, wie dem  Bergmannsheil oder in der Nachbarstadt Essen. Und sie hat neue geschaffen, in Minden, im Landkreis Ostwestfalen-Lippe.

60 angehende Mediziner sollen pro Semester nach Minden. Doch schon zum Start mussten die Plätze verteilt werden, um genug Freiwillige zu finden. Notfalls entscheidet künftig das Los, wer für die klinischen Semester Bochum verlassen muss.

Das Allgäu will junge Ärzte anlocken. Studierende finden das gut!

Seit drei Jahren ist das Klinikum Kaufbeuren zum Lehrkrankenhaus der Münchner Universität. Hier durchlaufen junge Ärzte gut betreut automatisch alle nötigen Stationen und haben von Anfang an auch Kontakt zu niedergelassenen Kollegen in der Region. Staat und Krankenkassen unterstützen das Modell finanziell.

Dr. Med. Marcus Koller: "Auch bei uns in der ländlichen Region ist der Bedarf an Nachwuchsmedizinern enorm."

Die Medizinstudenten in München finden das gut: attraktive Lehre, zusätzliche Hilfen für eine eigene Niederlassung, familienfreundliche Angebote für Teilzeitarbeit oder eine Klinik-Kita. Immerhin sind über die Hälfte der angehenden Ärzte Frauen.

Fazit: Nur mit einer durchdachten Agenda können die Verantwortlichen aus Politik und Gesundheitswesen den Ärzteschwund auf dem Land stoppen – und das nachhaltiger als mit Zwang.

Angehende Landärzte sollen in Zukunft leichter einen Studienplatz erhalten

Um das Problem in den Griff zubekommen, haben sich die Bundesländer nun darauf geeinigt, die Zulassung zum Medizinstudium auch davon abhängig zu machen, wo ein angehender Student der Medizin später einmal als Arzt praktizieren will. Bis zu zehn Prozent der Studienplätze sollen nun für Bewerber um einen Medizinstudienplatz reserviert werden, die sich schon vor dem Studium dazu verpflichten später für mindestens zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten. Wer sich dann trotz Verpflichtung dennoch in der Stadt als Arzt niederlässt, soll bestraft werden. Offen ist bislang wie und welche Bundesländer diesen Ansatz auch tatsächlich mittragen.


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