ARD-alpha - Campus Magazin


43

Studium ohne Abi Es geht auch ohne Gymnasium

Das Abitur gilt als Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife. Zu Unrecht? Rund 40.000 Menschen studieren schon ohne Abitur. Wie kommen sie mit dem Studium klar?

Von: Monika Haas

Stand: 22.11.2014

Die deutsche Wirtschaft fordert mehr Akademiker und die Politik hat reagiert: Die Hürden für den Hochschulzugang wurden gesenkt: Seit 2009 kann an deutschen Hochschulen studieren, wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat und Erfahrung im Job nachweisen kann. Das einst gefürchtete Abitur ist nicht mehr Voraussetzung. So können an der privaten Stiftungsuniversität Witten/Herdecke auch erfahrene Altenpfleger "Innovatives Pflegewissenschaften" studieren. Selbst staatliche Hochschulen öffnen sich für Krankenpflegerinnen, Handwerksmeister und KfZ-Mechaniker. Über 6.000 Studiengänge stehen auch ohne Abitur offen. Sehr beliebt sind berufsbegleitende Angebote wie sie die staatliche Fernuniversität Hagen oder die Hamburger Fernhochschule anbieten.

Bachelor für alle?

2012 lag die Rate von Studierenden ohne Abi erst bei 2,5 Prozent.  Obwohl das Abi nicht Voraussetzung für ein Studium ist, büffelten viele doch lieber erst am Abendgymnasium, bevor sie den Schritt an die Uni wagten.  Doch der Trend zeigt: Der neue Hochschulzugang wird angenommen. Hamburg und Nordrheinwestfalen zählen aktuell die meisten Studierenden ohne Abi. Nicht zuletzt, weil sich dort große Fernhochschulen und Berufsakademien mit bundesweiten Angeboten etabliert haben und anerkannte Abschlüsse vergeben.

Aufnahmeverfahren

Für die meisten Studiengänge müssen sich Interessenten einem Auswahlverfahren stellen. Einem Aufnahmegespräch folgen oft Zulassungsprüfungen bzw. Begabtentests. Damit wollen die Hochschulen sicherstellen, dass der Studierwillige sein Studium in der Regelstudienzeit bewältigen kann und die realistische Chance auf einen Abschluss hat. Denn die Abbrecherquote von Studierenden ohne Abi liegt über dem Durchschnitt, wie erst jüngst eine Studie der Universität Bremen gezeigt hat, für die 40 Studierende ohne Abitur befragt wurden.

Tipps zum Bewerbungsverfahren

Vergleichen

Die  Voraussetzungen für ein Studium unterschieden sich je nach Bundesland, Hochschule und Studiengang. Die Modalitäten erfahren Interessierte bei der Studienberatung oder bei Fernstudiengängen auch direkt im Internet.

 Fristen einhalten

Die Einschreibefrist für Praktiker ist oft deutlich früher als die normale Immatrikulationszeit. Deshalb deutlich mehr Vorlauf einplanen! Wer einen zulassungsbeschränkten Studiengang wie Medizin, Pharmazie etc.  studieren möchte, muss sich über hochschulstart.de anmelden. Berufserfahrung und Ausbildung werden als „Abschlussnote 4“ bewertet – das heißt: frühzeitig informieren und anmelden, und einige Wartesemester bis zum Studienstart einkalkulieren.

Das passende Angebot finden

Wer ohne Abitur und Fachhochschulreife studieren will, muss schon sehr viel Willensstärke und Durchhaltevermögen aufbringen, um sich durch das verworrene Netz der länderspezifischen Besonderheiten zu kämpfen. Viele Studienfächer werden flexibel, auch als „Teilzeitstudium“ angeboten, also mit verlängerter Studienzeit, die sich besser mit Arbeit und Familie verbinden lässt.

Organisationstalent ist gefragt

Studierende ohne Abitur sind durchschnittlich Mitte 20 bis Ende 30 Jahre, berufstätig und haben oft Familie. Ein Studium erfordert da ein hohes Maß an Motivation, Disziplin und Organisationstalent. Zudem sind zahlreiche finanzielle Studien-Vergünstigungen wie Bafög alters- oder einkommensabhängig. Aber auch ältere berufstätige Studierende werden gefördert, zum Beispiel durch Stipendien, Studienkredite oder spezielle Finanzierungsmodelle der Hochschulen.


43