ARD-alpha - Campus Magazin


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Schwierige Entscheidung Glücklich im Low-Budget-Studium

Jessi Deringer hat eigentlich alles richtig gemacht. Ihr Abiturschnitt: 1,3. Der Master folgt im kommenden Jahr, da ist sie gerade einmal 24. Trotzdem treibt sie die Angst um.

Von: Fabian Mader

Stand: 13.07.2015

Jessi nachdenklich nach dem Tennisspiel | Bild: BR

Jessi befürchtet, später einmal nicht genug Geld zu verdienen, um sich ein schönes Leben zu finanzieren. Denn Jessi studiert Deutsch als Fremdsprache, eine Geisteswissenschaft, mit schlechten Aussichten auf eine gut bezahlte, sichere Stelle. Neben dem Studium lässt sie sich von der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Journalistin ausbilden. Jessi hat oft das Gefühl, dass ihr Studium allein auf dem Arbeitsmarkt wenig wert ist. Ein super Abschluss bedeutet noch lange nicht, dass sie auch einen guten Job bekommt. Als Ingenieurin oder Juristin hätte sie es vielleicht einfacher.

"Ich frage mich manchmal schon, wie es gehen soll. Ja, das frage ich mich schon. Weil diese ganze Branche so unterbezahlt ist...Bei Jura habe ich mir manchmal gedacht: Hättest du nicht lieber so was studieren sollen, dann hättest du ein klares Ziel gehabt, dann hättest du auch eine größere Sicherheit gehabt."

Jessi Deringer

Vor dieser Frage stehen viele Studenten. Sollen sie studieren, was ihrer Neigung entspricht? Oder lieber ein Fach mit sicheren beruflichen Aussichten?

"Ich stand zwischen Pharmazie und Kommunikationsdesign. Entschieden habe ich mich für Kommunikationsdesign. Weil ich mir zwar sicher bin, dass ich mit Pharmazie viel Geld verdient hätte, aber ich hätte es immer bereut, dass ich mein ganzes Herzblut nicht reinstecken kann."

Elena, Kommunikationsdesign

"Auf jeden Fall soll der Job auch sicher sein, was bringt es, wenn das Studium Spaß macht und später steht man da und hat nichts?"

Laura, Lehramt

"Ich habe jetzt einen sicheren Job, wenn ich mich nochmal umentscheiden könnte, würde ich in die andere Richtung gehen."

Paul, Online-Marketing-Manager

Tatsächlich verdienen Geisteswissenschaftler in ihrem ersten Berufsjahr besonders schlecht – das zeigt eine Untersuchung des Jobportals StepStone. Hier kannst du dir auch einen Überblick verschaffen, welche Branche am meisten bringt und in welchem Bundesland du das höchste Gehalt hast.

"Ich brauche keine Yacht, und ich brauche keine Villa, ich brauche kein krasses Auto, aber ich würde eben genug Geld haben wollen, um mir nicht ständig Gedanken machen zu müssen, von Monat zu Monat, kann ich jetzt meine Miete bezahlen, kann ich mein Essen bezahlen, kann ich Essen gehen, was man als Student ja noch hat."

Jessi Deringer

Was Jessi noch mehr beunruhigt, als das geringere Einstiegsgehalt, ist die Frage: Bekommt sie als Geisteswissenschaftlerin überhaupt einen richtigen Job oder muss sie sich mit mehreren kleineren Engagements durchhangeln? Aber was soll Jessi tun – nochmal etwas anderes studieren? Antworten sucht sie auf der ersten Alternative Career Night in München, Veranstalter Ralf Saborrosch hatte erst mit 30 Teilnehmern gerechnet, dann haben sich in kürzester Zeit über 1.000 Studenten angemeldet.

Das Motto: „Mach, was du willst! Und nicht, was der Markt von dir erwartet.“ Vielen Studenten scheint das Thema nahe zu gehen.

"Ich muss, ich muss, ich muss. Ich muss Auslandserfahrungen, Fremdsprachen, Praktika sammeln, damit ich danach eine Chance habe, irgendwas zu finden. Das ist so ein bisschen die Atmosphäre, die immer größer wird...Wenn jemand wirklich gerne das macht, was er macht, ist er normalerweise auch besser. Gezielter, motivierter, hat mehr geistige Bereitschaft auch den Extra-Schritt zu machen, normalerweise übersetzt sich das in Qualität und Qualität ist auch was, das Arbeitgeber suchen."

Ralf Saborrosch, Initiator der Altenative Career Night in München

97 Prozent der Akademiker haben einen Job, und die große Mehrheit lebt gut davon. Statt Zuversicht erlebt Ralf Sabborosch bei Studenten aber vor allem eins: diffuse Zukunftsängste. Viele häufen ziellos Praktika an – und sammeln Credits. Immer mit dem Gefühl, nicht genug zu tun. Dabei wäre wohl viel wichtiger, darüber nachzudenken, was ihnen wirklich liegt und wo ihre Talente sind.

Das belegt eine Studie vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Unternehmen wurden gefragt, womit man bei ihnen Karriere macht. Der Master und die Promotion sind nicht ausschlagebend, dagegen zählen Kommunikationsfähigkeit und die Identifikation mit den Zielen des Unternehmens zu den wichtigsten Kriterien.

Jessi Deringer will an ihrem Traumjob Journalismus festhalten. Sie will einen Beruf, der sie glücklich macht. Geld ist für sie weniger wichtig. Von Zukunftsängsten will sie sich nicht verrückt machen lassen.


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