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Studieren für die KITA Was bringt der Bachelor für Erzieher?

Wer als Erzieher arbeitet, muss nicht nur Kinder mögen. Immer mehr entscheiden sich für ein Bachelor-Studium der Kindheitspädagogik: 2015 gab es 2400 Absolventen, mehr als 20 Mal so viele wie noch vor zehn Jahren. Campus Magazin trifft Absolventen kurz nach ihrem Berufseinstieg.

Von: Lisa Schurr

Stand: 07.02.2017

Kinderlieder singen, Windeln wechseln, mit Eltern über die Entwicklung ihres Kindes sprechen, die Kleinen entsprechend fördern – so sieht der Alltag von Erziehern aus. Ein anspruchsvoller Job, der bitte mit der nötigen Fachkompetenz ausgeübt werden soll. Die ersten Jahre der Kindheit sind die wichtigsten. Außerdem ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften riesig.

Entwicklung der Absolventen

Schon in den 90er Jahren hat sich ein EU-weites Netzwerk für frühkindliche Bildung das Ziel von 80% Akademikern in den Kindertagesstätten gesteckt. In Deutschland sind es laut aktuellem Fachkräftebarometer aktuell aber nur 5%. Noch steigt die Zahl der Studienanfänger. Aber Experten, die den Übertritt der Bachelorabsolventen auf den Arbeitsmarkt beobachten, glauben nicht, dass das so bleibt. Denn Jobs, die sich an die studierten Erzieher richten, gibt es kaum.

Kindheits... was?

Wer sich mit einem Bachelor in Kindheitspädagogik bewirbt, der muss oft erklären, was das ist. Denn der Studiengang ist noch jung und ziemlich unbekannt. Die Alice Salomon Hochschule in Berlin war eine der ersten, die ihn 2004 angeboten hat. Hier wollen viele studieren: Auf 40 Studienplätze kommen 350 Bewerbungen, erzählt Iris Nentwig Gesemann, Leiterin des Studiengangs Erziehung und Bildung im Kindesalter. Der Numerus Clausus ist mit 2,1 recht hoch. Hört man sich unter den Studienanfängern um, was sie mit ihrem Abschluss mal machen wollen, antworten nur wenige, dass sie später in einer Kita arbeiten wollen. Und wenn, dann auf Leitungsebene. Viele haben vor, in die Kinder- und Jugendarbeit zu gehen oder selbst Erzieher auszubilden. Die Realität sieht anders aus: 70-75% der Absolventen landen erstmal auf Erzieherstellen in Kindertagesstätten, hat die Studiengangsleiterin beobachtet. Und auch da müssen sie sich erst mal behaupten, denn in der Regel haben sie weniger praktische Erfahrung als ausgebildete Erzieher.

Warum überhaupt studieren?

Im Kindergarten gibt es Spannendes zu entdecken

"Weil der Job mit den Kindern richtig Spaß macht und ich mehr wissenschaftlichen Hintergrund habe als Erzieherinnen“, sagt die 27-Jährige Marie. Sie hat an der Fachhochschule Weingarten Kindheitspädagogik studiert und ist seit ihrem Berufseinstieg vor drei Jahren stellvertretende Leiterin in einer Münchner Kindertagesstätte. Eine Bachelor-Arbeit über frühkindliches Musizieren, logopädisches Wissen über die sprachliche Entwicklung der Kinder – das hat sie ihren Kolleginnen voraus. Und mit dem Gehalt ist Marie auch erst mal einverstanden.

Marie hat für die KITA studiert

Ein bisschen geärgert hat sie nur, dass sie anfangs erklären musste, dass sie mehr kann als eine Kinderpflegerin – der Vorstufe zur Erzieherin, die man nach einer zweijährigen Ausbildung erreicht. Das war dann doch ein bisschen unangemessen, findet Marie. Und für immer in der Kita bleiben? Das kommt dann auch für sie nicht in Frage.

Die Kita als Übergangsstation

Anke König leitet die WiFF (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte) am Deutschen Jugendinstitut. Sie beobachtet bei vielen Studienabgängern, dass sie die Kindertagesstätten als Übergangsstation für sich sehen. Denn Stellen für Akademiker gibt es in Kitas so gut wie keine.

"Ich glaube wir haben Anerkennung für Kinder und ihr frühes Entwicklungspotential erreicht, aber für die Fachkräfte, die das mit entfalten, für die haben wir noch nicht die Anerkennung, die es braucht."

Anke König, Weiterbildungsinititive Frühpädagogische Fachkräfte, Deutsches Jungendinstitut

Zu wenig Anerkennung, keine angemessene Bezahlung – kein Wunder, dass die Absolventen oft das Arbeitsfeld wechseln, sagt Anke König. Obwohl man sie in der direkten Arbeit mit den Kindern gut einsetzen könnte. Aber noch sei die Kita ein unakademischer, abgeschlossener Bereich. Damit sich daran etwas ändert, müsste sich erst mal das Image des Berufs ändern: "Die Arbeit mit kleinen Kindern genießt einfach weniger Ansehen als die Arbeit mit Schulkindern.“


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