ARD-alpha - Campus Magazin


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Startup statt Hörsaal Studienabbruch als Chance

Bill Gates, Steve Jobs und Marc Zuckerberg haben ihr Studium geschmissen, genauso wie Paul und Max. Wie die Promi-Entrepreneure machen sie sich nun, jeder mit seinem eigenen Startup, an die Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Campus Magazin hat sie dabei begleitet.

Von: Martin Hardung

Stand: 30.01.2017

Max Eule wusste schon zum Ende des ersten Semesters BWL, dass ein Studium nicht das ist, was ihn wirklich weiterbringt. Auch Paul Knecht hat sein Studium der Visuellen Kommunikation an den Nagel gehängt, um konsequent das zu verfolgen, was ihn noch mehr interessiert, als „bloß“ die Grafik für Content zu liefern, den andere vorgeben.

Max studierte früher BWL an der Uni Nürnberg.

"Studienabbruch  an sich war kein bestimmter Tag an dem ich das getan hab oder wo ich gesagt hab, so, heute ist es so weit, ich brech mein Studium ab, sondern das war ein fließender Übergang. ich wusste, das ist nicht meins, man macht sich parallel Gedanken dazu." Max Eule, Studienabbrecher, heute Startup Unternehmer

Dem praktisch veranlagten Max war das Studium zu theorielastig, er wollte endlich sein eigenes Ding machen, mit der Betonung auf „Machen“. Und Paul hatte schon als Schüler Webseiten für Unternehmen programmiert. Für einen wie ihn ist ein Angestelltenverhältnis so unvorstellbar, wie für viele Angestellte das Risiko Selbständigkeit. 

Selbst entscheiden, statt Order vom Chef ausführen

Max' Geschäftsidee: Ein stabile Kombiregal aus Stahlstäben und Regalplatten, individuell konfigurierbar.

Sein Interesse an Design und handwerkliche Begabung führten Max auf einen nicht- akademischen Weg. Statt ohne ein konkretes Ziel vor Augen, weiter Wirtschaft zu studieren, machte er eine Schreinerlehre. Auch die hatte ihre Härten - teils eintönige Arbeiten, der Freundeskreis veränderte sich -, doch das konnte Max akzeptieren, denn er wusste, die Richtung stimmt. Inzwischen hat er seine Lehre mit Bestnote abgeschlossen, entwirft Designermöbel aus Holz und vertreibt sie zusammen mit einem Geschäftspartner unter dem eigenen Label. Ein Startup in der Möbelbrache? Ist das das lukrativ? Falsche Frage, findet Max, für ihn steht im Vordergrund, dass er als Gründer selbständig Entscheidungen treffen kann und sich nicht den Vorgaben eines Chefs unterordnen muss. Sein Ziel ist es vor allem: von einer Arbeit leben zu können, die ihm Freude macht und Zeit zu haben für seine Hobbys, wie Surfen. Dafür nimmt er in Kauf, dass das, was die Firma abwirft, noch nicht alle seine Kosten deckt, vorerst bleibt er daher in seiner WG auf dem Land, wo die Miete weit günstiger ist als in München.

Max's Firma "MUNICHLAB":

https://www.facebook.com/MUNICHLAB/

Die Latte hoch hängen  / Die Herausforderung annehmen

Bei Paul liegen die Dinge ein bisschen anders, er möchte mit seiner Firma ganz klar wachsen und hätte nichts dagegen, Marktführer in Deutschland zu werden. Mit dem Startup, das er zusammen mit einem Freund gegründet hat, stellt er keine Produkte zum Anfassen her, sondern bewegt sich in der digitalen Medienbrache. Hier herrschen andere Bedingungen, rasches Wachstum ist nicht nur möglich, sondern notwendig, um als Unternehmen zu bestehen.

Paul liebt die Unabhängigkeit, darum wollte er möglichst schnell sein eigener Chef sein.

"Ein verdammt cooles Gefühl  zur Zeit, so die eigene Firma und die Unabhängigkeit. Ich mag das, morgens zu kommen, wenn noch alles ruhig ist und leer ist und wenn man so alles vorbereiten kann und den Tag ein bisschen entspannter starten kann als irgendwie mit Vollgas in 'nen Konzern zu kommen.., das ist cool, mein Ding!" Paul Knecht, Studienabbrecher und Startup-Unternehmer

Für Paul ist das nicht abschreckend, sondern eine Herausforderung. Man könnte sich ihn gut als Gründer im Silicon Valley vorstellen: schnell, kreativ, unkonventionell. Paul ging es immer nur darum, zu lernen, was ihn interessiert, was er brauchen kann und darin richtig gut zu werden. Sein Traumstudium Visuelle Kommunikation an der Merz Akademie Stuttgart, brach er nach dem Vordiplom ab. Bei einem Praktikum in Tel Aviv entdeckte er seine Faszination für Fotostorys. Bilder und Content, die wollte er selbst produzieren. Also schrieb er auch die Stories zu Fotoreportagen, die er im Nahen Osten, Afrika und der Türkei unternahm. Paul hatte nun gefunden, was ihn wirklich begeisterte. Das Problem: Von Fotostorys als freier Journalist lässt sich nur schwer leben. Und die Abhängigkeit von schlecht zahlenden Auftraggebern begrenzte die Freiheit, die Paul gesucht hatte.

Paul hat eine Online-Plattform entwickelt, die es Journalisten erlaubt Fotos direkt aus der Kamera in die Redaktion zu senden.

Daraus entstand seine Idee zum Startup. Heute könnte Paul jederzeit selbst mit der Kamera losziehen und Stories für die eigene Plattform machen. Doch dazu hat er keine Zeit, denn die Firma brummt und Paul muss sich um die Arbeit der Entwickler kümmern, den Verkauf, die Kunden und um personelle Verstärkung. Ob Bewerber ihr Knowhow im Studium erworben haben oder anderswo und ob sie einen Abschluss haben, ist für Paul nicht entscheidend. Es geht darum, die Richtigen rauszufinden, die, die zum Spirit seines Startups passen

Pauls Firma "storytile":

http://storytile.net/

Kein Erfolg ohne Risiko  / No risk no fun?

Im Licht des überragenden Erfolgs von Gründern wie Gates, Jobs oder Zuckerberg mag ein Studienabbruch schon längst nicht mehr als Manko erscheinen. Ja fast schon als geeignete Voraussetzung dafür, sein eigenes Unternehmen zu gründen: Du brichst dein Studium ab, ziehst mit deinem Laptop und ein paar Gleichgesinnten in eine Garage. Und irgendwann holst du dir in Jeans und T-Shirt deine Venture-Capital-Millionen. Wer glaubt, der Erfolg kommt bei Gründungen über Nacht, hat etwas falsch verstanden: In der Tech-Branche überstehen nur etwa 10 bis 20 Prozent der Neugründungen die ersten Jahre. Die Masse der Startups scheitert, ohne dass es groß bekannt wird. Denn was sich cool anhört, braucht nicht nur eine überzeugende Idee, sondern ist immer mit großem persönlichem Einsatz verbunden.

Startup als Chance

Das Strascheg Center ist das Enterpreneurship Center der Hochschule München.

Dennoch, sein Studium abzubrechen, um ein Unternehmen zu gründen, kann unter Umständen Sinn machen. Sei es, weil ein im Aufbau befindliches Startup die volle Zeit erfordert, sei es als Alternative zu einem anderen Studium oder einer Ausbildung. Aber es birgt auch Risiken. Wer ernsthaft mit diesem Gedanken spielt, sollte sich Rat holen. Sei es bei anderen Gründern - zum Beispiel durch ein Praktikum bei einem Startup, eine sehr gute Möglichkeit, Einblicke zu bekommen - oder inzwischen auch an Hochschulen, die das Thema Entrepreneurship im Lehrplan haben oder das Gründen durch Studierende fördern. Z.B. die Hochschule München, die ein eigenes „Trainingszentrum“ für Gründer unter ihrem Dach hat. Im „Strascheg-Center for Entrepreneurship“ können Studierende in der Praxis lernen, wie sich herausfinden lässt, ob eine Idee Marktchancen hat, wie sich eine Firma gründen und Kapital besorgen lassen. Paul hatte sich dort erneut zu einem Studium eingeschrieben, das Startup Training erfolgreich absolviert und von da aus seine Firma gestartet.

Hier geht es zum Strascheg Center, dem Enterpreneurship Center der Hochschule München:

http://www.sce.de/startseite.html

http://www.sce.de/herbert-gillig.html

https://m.facebook.com/StraschegCenterForEntrepreneurship/

Keinen Chef zu haben, der einem sagt, was zu tun ist, ist schön. Ein Gründer muss dafür allerdings in der Lage sein, sich selbst immer wieder zu motivieren und wenn was schief geht, liegt die Verantwortung immer bei ihm. Darum „think twice“ ! Nach einem Studienabbruch lassen sich auch andere Wege finden als den in die Selbständigkeit. Auch Angestellten-Verhältnisse haben ihr Gutes, sie erfordern in der Regel weniger zeitlichen Einsatz und sorgen dafür, dass du schon im ersten Jahr Urlaub nehmen kannst.

Persönlichkeitscheck 

Für alle, die wirklich Ernst machen wollen mit dem Gründen eines eigenen Startups: Wichtig ist nicht nur das Produkt, die Marktlücke und das fachliche Knowhow, das ein Gründer braucht, um erfolgreich zu starten, egal auf welchem Weg er es erworben hat. Es geht auch darum, sich ehrlich zu prüfen: Wie steht es um meine Selbstmotivation, um meine Bereitschaft, Durststrecken zu überwinden, viel zu arbeiten, bis auf weiteres wenig zu verdienen und mit dem Risiko zu leben, dass das eigene Startup auch ein Flop werden könnte. Wenn das alles positiv geklärt ist, hau rein und gründe dein Startup!

Hier geht es zur Gründerhochschule und zum Enterpreneurship-Netzwerk der TUM:

http://www.denkfabrik-gruenderhochschule.de

https://www.tum.de/wirtschaft/entrepreneurship/netzwerk/


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