ARD-alpha - Campus Magazin


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Studentische Rechtsberatung Wir helfen uns selbst

Ob Ärger mit dem Vermieter oder dem Versandhändler – auch Studierende brauchen juristischen Rat. Aber das ist vielen zu teuer. Gleichzeitig werden an den Unis aber die Rechtsanwälte von morgen ausgebildet. Da könnte man doch was machen ...

Von: Sebastian Hanisch

Stand: 28.02.2015

Es ist eine klassische Win-Win-Situation: Für die Klienten ist es kostenlos und die angehenden Anwälte und Anwältinnen können Praxiserfahrung sammeln. Zum Beispiel in Freiburg im Breisgau. Laura Lange, Lehramtsstudentin an der Albert-Ludwigs-Universität, hat ein Problem: Eigentlich wollte sie nur aus ihrer WG-Wohnung ausziehen und hat deswegen fristgerecht gekündigt. Doch die Vermietergesellschaft will nun 250 Euro von ihr – als Bearbeitungsgebühr. Für Laura ist das ärgerlich.

"250 Euro sind für mich kein Pappenstiel. Zum Anwalt zu gehen, würde aber die eigentlichen Kosten übersteigen."

Laura Lange, Lehramtsstudentin

Im Internet stieß sie auf die Studentische Rechtsberatung „Pro Bono“. Für das Gründungsteam ging es vor allem darum, das Jura-Studium praxisorientierter zu gestalten. 

Pro Bono

ist lateinisch und steht für „Pro Bono Publico“. Das heißt übersetzt etwa „Zum Nutzen der Öffentlichkeit“. Häufig wird der Begriff verwendet, wenn es um das Angebot eigentlich kostenpflichtiger Dienstleistungen ohne Bezahlung geht.

Viele Universitäten gestalten die Juristenausbildung immer praxisorientierter. Da können studentische Beratungs-Initiativen ein wichtiger Baustein sein. Natürlich können und sollen studentische Beratungen nicht mit der Arbeit von Rechtsanwälten konkurrieren. Die Studierenden in Freiburg können längst nicht jeden Fall übernehmen. Grundsätzlich scheiden zum Beispiel sehr exotische Rechtsgebiete aus. Typisch sind dagegen Streitigkeiten im Bereich des Mietrechts. Der Streitwert darf maximal bei 750 Euro liegen und die Studenten können auch längst nicht so schnell agieren wie eine Kanzlei. Und die Studierenden dürfen natürlich auch niemanden vor Gericht vertreten. Auch deswegen sehen sich die studentischen Berater nicht als Konkurrenz zu Anwaltskanzleien. Dafür ist die Beratung kostenlos.

Hier findet Ihr studentische Rechtsberatungen

Hilfe für Flüchtlinge

Einige Initiaten in Deutschland haben sich auf die Beratung von Flüchtlingen spezialisiert: die Refugee Law Clinics. Die Idee ist auch hier: Die Studis werden im Asylrecht besonders geschult und helfen dann Flüchtlingen bei ihrem Asylantrag – meist gemeinsam mit einem ehrenamtichen Dolmetscher und immer unter der Supervision enes Anwalts. Die älteste deutsche Refugee Law Clinic ist in Gießen, aber auch in vielen anderen Uni-Städten helfen Studierende Menschen, die es oft nur unter großen Mühen und nach traumatischen Erlebnissen nach Deutschland geschafft haben. Und die sich einen Anwalt meistens überhaupt nicht leisten können.

Qualität der Beratung gesichert

Studentische Rechtsberatungen sind in Deutschland erst seit 2008 erlaubt, vorher durften nur ausgebildete Anwälte überhaupt aßerhalb des Freundeskreises beraten. Um die Qualität der Beratung trotzdem zu gewährleisten muss jede Beratung ein Rechtsanwalt überwachen, und die Studierenden müssen für ihr Beratungsgebiet ausreichend geschult werden. Am Ende gibt es für die Ratsuchenden in der Regel ein ausführliches Rechtsgutachten – auch bei sehr geringen Streitwerten. Soviel Aufwand selbst bei kleinen Summen können Anwälte meist nicht kostendeckend betreiben.

Jura-Studierende lernen, Sachverhalte zu klären

Rechtsberatung und Jura-Studium unterscheiden sich vor allem in einem: Während in einer Jura-Klausur meist der ganze Sachverhalt präsentiert wird und rechtliche Sonderfälle keine Seltenheit sind, sind die Fälle aus der Rechtsberatung meist nicht besonders knifflig. Dafür müssen die angehenden Juristen hier erst einmal den Sachverhalt klären – im Gespräch mit den Kommilitonen und durch die Lektüre von Verträgen oder AGBs. Das kann ein wichtiger Lerneffekt und eine sinnvolle Vorbereitung auf die Praxis sein.

Beratungen nicht nur für Studierende

Nicht alle studentischen Rechtsberatungen richten sich ausschließlich an Studierende. Und auch an Unis, die so etwas nicht anbieten, können sich Studierende oft zu bestimmten Themen beraten lassen, meist durch die Studentenwerke. Laura war mit ihren beiden Beratungssitzungen sehr zufrieden. Sie muss, so das Fazit der Beratung, die 250 Euro nicht an ihre Vermietungsgesellschaft zahlen. Die Studierenden würden ihr sogar bei der Formulierung eines entsprechenden Briefes an das Unternehmen helfen.


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