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Vom Studium in die Politik -wohl doch nicht Kandidat und Student - Wie geht das?

Ohne großes Team und langjährige Connections zogen dieses Jahr auch Studierende in den Wahlkampf - ohne aussichtsreichen Listenplatz. Sie waren auf sich selbst gestellt und hofften, bei den jungen Wählern punkten zu können, im Internet und vor Ort. Campus Magazin begleitete zwei Kandidaten bei ihrem steinigen Wahlkampf. Es ging anders aus als erhofft.

Von: Johannes Reichart

Stand: 26.09.2017

Zwei Kandidaten ein Ziel: der Bundestag

Doris Aschenbrenner von der SPD und Hans Kriegl von der CSU: unterschiedlicher geht es kaum. Er hat eine Partei mit großem Netzwerk in Bayern im Rücken, sie kennt sich dafür glänzend im Netz aus. Er ist 28 Jahre alt, Jurist und Doktorand in Passau. Sie ist 32 Jahre alt, beendet gerade ihre Promotion als Informatikerin in Würzburg und hat 1.600 Follower auf Twitter. Dort ist Hans Kriegl nicht präsent, dafür hat er tatkräftige Unterstützer aus dem Ortsverband der Jungen Union. Beide sind in ihrem Wahlkreis noch unbekannt und müssen sich erst einen Namen machen.

Doris Aschenbrenner

32, geboren in Coburg, aufgewachsen im oberfränkischen Rödental. Ihre Eltern sind beide Lehrer an Coburger Realschulen. Sie hat in Würzburg Informatik studiert und im Bereich Robotik ihre Doktorarbeit geschrieben. Als Mitglied der SPD war sie im Kompetenzteam von Christian Ude, bewarb sich erfolglos für ein Landtagsmandat im Stimmkreis Kitzingen. Sie ist bei der SPD, weil die Grünen in Würzburg Pro-Studiengebühren waren. Und sie ist Digitalexpertin der SPD in Bayern.

Hans Kriegl

28, kommt von einem Bauernhof bei Bad Griesbach im Rottal.  Seine Eltern waren Landwirte. Seit Jugendalter ist er bei der Jungen Union in Bad Griesbach engagiert, nach dem Abitur hat er als Freiwilliger in einem Kinderdorf in Brasilien gearbeitet. Danach studiert er Jura  in Passau. Seine Promotion beschäftigt sich mit der Rolle des Uni-Präsidenten im bayerischen Hochschulrecht am Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht der Uni Passau.

Für beide gab es eine Wahlschlappe!

Der große Tag der Entscheidung ist vorbei. Die Bundestagswahl ist durch. Die Karten werden neu gemischt, leider ohne unsere beiden Kandidaten.

Doris Aschenbrenner konnte im Wahlkreis Coburg zwar 26,43 Prozent erzielen, war unter den Stimmkönigen der Sozialdemokraten. Geholfen hat es ihr aber trotzdem nichts. Das Direktmandat erhielt der CSU Kandidat Hans Michelbach und um über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, war ihr Listenplatz eindeutig zu schlecht.

Hans Kriegl ging es leider auch nicht besser. Das schlechte Gesamtergebnis der CSU in seinem Wahlkreis Bad Griesbach im Rottal machte es ihm unmöglich über seinen zu weit hinten liegenden Listenplatz (46) in den Bundestag zu ziehen. Er war immerhin nach Andreas Scheuer und Gudrun Zollner der bestplazierte Niederbayer in der CSU. In seinem FB-Auftritt betont er allerdings, dass es trotz dieses Ergebnisses eine tolle Zeit für ihn war.

"Ich halt's da ganz mit Paulchen Panther "Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder keine Frage". Was den massiven parteipolitischen Knall der Bundestagswahl 2017 anbelangt: unser aller Aufgabe wird es jetzt sein, die Rechtsextremen in der AfD mit Argumenten "zu jagen" (deren Sprechweise!) und die gemäßigten Anhänger sowie verzweifelten Wähler der AfD dorthin zurückzuholen, wo sie hingehören: ins demokratische, rechtsstaatliche und europäisch orientierte Deutschland. Dort liegt die Zukunft", gepostet von Hans Kriegl einen Tag nach der Wahl.

Rückblick: Wahlkampf kann mühselig sein

Doris und Hans sind jung im Polit-Geschäft und noch relativ unbekannt. In ihren Parteien sind eher ältere Mitglieder organisiert, darum gilt für beide: Jung und Alt treffen, Hände schütteln, Ansprachen halten. Doris Aschenbrenner tritt in Kronach/Coburg an, einem der Wahlkreise mit dem höchsten Altersdurchschnitt.

Hans Kriegl hingegen kann sich auf die CSU stützen, die in Bayern bekanntlich ein großes Netzwerk hat. Doch für beide ist der Kampf als Polit-Newcomer hart. An den Ständen erkennt man sie nicht sofort. Egal ob bei Sommerfesten, Podiumsdiskussionen oder am Stand in der Innenstadt – ihre Gesichter sind den Leuten noch nicht geläufig.

Wo ist die Jugend?

Eine besondere Herausforderung: wie erreicht man heute die Erstwähler? Zu Festen und Veranstaltungen kommen sie nur selten. Und wenn, dann reden sie nur ungern über Politik, weiß Doris Aschenbrenner: "Du überlegst schon, bei welchem Termin du welche Altersgruppe antriffst." Darum ist es ihr wichtig, auch im Internet die Jüngeren zum Diskutieren zu bringen, etwa durch Kommentare auf Facebook. Zwei bis drei Postings stellt sie pro Tag ins Netz. Auch auf Instagram, Twitter und Google Plus stellt sie Inhalte, dazu hat sie eine eigene Homepage.

Hans Kriegl ist da zurückhaltender: er nutzt nur sein persönliches Profil bei Facebook für den Wahlkampf. "Ich bin mir sicher, dass es mehr wert ist, die Leute persönlich zu treffen und mit ihnen zu sprechen, als einmal am Tag was auf Facebook zu posten." Dass junge Leute besonders politikverdrossen sind, daran glauben weder Doris Aschenbrenner noch Hans Kriegl.

Spätestens seit der Brexit-Abstimmung und der Wahl Trumps seien die jungen Wähler aufgeschreckt, sind sich beide Kandidaten sicher. Trotz hoher Wahlbeteiligung kam es dann doch alles anders als erhofft.


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