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Maria Vogel Streetworkerin für Studenten

Sie ist Deutschlands erste "aufsuchende Sozialarbeiterin" für Studierende. Maria Vogel wartet nicht, bis Studenten mit ihren Problemen auf sie zukommen. Sie geht dorthin, wo sich Studierende treffen: in Clubs oder zu studentischen Initiativen und bietet Hilfe an.

Von: Campus Magazin

Stand: 16.12.2014

Viele Studierende haben Probleme und durchleben Krisen, für die sie keinen Ansprechpartner haben. Studienberatungen sind zuständig für fachliche Fragen und die Hemmschwelle, eine psychologische Beratung aufzusuchen, ist hoch. Die Sozialarbeiterin Maria Vogel versucht Brücken zu den Studenten zu bauen, die dringend Hilfe brauchen. Ihre Stelle ist ein erstmal auf zwei Jahre befristetes Pilotprojekt der Hochschule Zwickau und des dortigen Studentenwerks. Campus Magazin-EXTRA hat die Streetworkerin in ihrem beruflichen Alltag begleitet.

  • Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von den Beratungsstellen beim Studentenwerk? Dass ich nicht warte bis die Studierenden auf mich zukommen, sondern sie dort aufsuche, wo sie nach ihrer Vorlesung zu finden sind - in Studentenclubs, im Studentenrat oder in den verschiedenen studentische Initiativen. Das erleichtert den Zugang für ein Erstgespräch.
  • Wodurch zeichnet sich Ihre Arbeit aus? Wichtig sind aktives Zuhören und das individuelle Eingehen auf die Studierenden - daher auch der Name für mein Konzept "HuBerT": Hilfe und Beratung durch Empathie, Rückhalt und Teilhabe. Ich biete Hilfestellungen bei Problemen an, vor allem aber möchte ich die Studierenden dazu befähigen, sich selbst gezielt Lösungen zu erarbeiten. Außerdem gibt es ein gewachsenes Beraternetzwerk, welches die umliegenden Anbieter der Region mit einbindet (Kontakte zum Arbeitsamt, Diakonie etc.).
  • Was sind die häufigsten Probleme? Finanzierungsprobleme, Probleme im privaten Bereich (erkrankte Eltern oder Geschwister, Süchte, Einsamkeit), Studieren mit Kind, drohende Exmatrikulation aufgrund nicht bestandener Prüfungen, Studiengangwechsel, Probleme im Studium (mit Professoren, Kommilitonen etc.), Studieren mit Beeinträchtigung oder chronischer Krankheit.
  • Können Sie in jedem Fall helfen? Bei Finanzierungsproblemen und Studieren mit Kind können wir relativ schnell zumindest eine erste Hilfestellung leisten. Bei tiefgreifenden Problemen wird gemeinsam mit dem Studierenden nach einer Lösung gesucht. Das ist aufwendiger, aber die ersten Ergebnisse zeigen, dass es auch effektiver ist, wenn der Studierende mit Unterstützung seine Lösung erarbeitet und nicht nur die Symptome gelindert werden.
  • Gibt es ausreichend Anlaufstellen für Studierende, die Probleme haben? Es gibt verschiedene Angebote von Hochschul- und Studentenwerksseite. Diese jedoch in einer Krisensituation aufzusuchen, stellt für einige eine zu große Hürde dar (Schamgefühl). Mit der aufsuchenden Sozialarbeit und den Multiplikatoren (Clubs, Studentenrat und Mitarbeitern der Hochschule und des Studentenwerkes) ist der Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert worden. Ob die Angebote ausreichen, muss sich in der nächsten Zeit noch zeigen.

Maria Vogel, Jahrgang 1985, hat eine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin gemacht und studierte anschließend Pflegemanagement (Bachelor) an der
westsächsischen Hochschule Zwickau. 2013 schloss sie ihr Studium mit einem Master of Science im Fach Gesundheitswissenschaften ab. Seit 2014 arbeitet sie als Sozialarbeiterin beim Studentenwerk Chemnitz-Zwickau und macht parallel dazu eine Fortbildung in Mediation. Für ihre Arbeit wurde sie 2013 mit dem Students Award for Social Commitment ausgezeichnet.


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