ARD-alpha - Campus Magazin


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Soziales Engagement Tue Gutes und lerne was dabei

Studieren und gleichzeitig etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tun? Service Learning, ein Seminar an der Uni Würzburg biete beides. Das soziale Engagement lässt sich sogar in Credit-Points für das Studium umsetzen.

Von: Susanne Bauer-Schramm

Stand: 11.03.2015

Was ist Service Learning?

Studenten besuchen in der Regel ein zwei Semester dauerndes Seminar („Learning“) an der Universität und leisten darüber hinaus einen freiwilligen, gemeinnützigen Dienst („Service“) in sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Jugendzentren oder Altersheimen. Ihr soziales Engagement greift praktische Aspekte des Seminarinhalts auf. So wird bloßes theoretisches Wissen angewandt. Die Lernenden übernehmen Verantwortung für andere und verarbeiten so auch die fachlichen Inhalte besser. Das bestätigt eine Umfrage des Bildungsforschers Heinz Reinders von der Uni Würzburg.

"116 Studierende wurden befragt, wie sie ihren Wissensstand einschätzen: Nur 31 Prozent der Studenten, die normale Veranstaltungen besucht hatten, waren der Meinung, einen guten Überblick über das Fachgebiet zu haben. Bei denjenigen, die Service-Learning-Seminare besucht hatten, waren es 74 Prozent."

Prof. Dr. Heinz Reinders, Empirische Bildungsforschung, Universität Würzburg

Service Learning kommt aus den USA

Dort wurde es in den 1960er Jahren entwickelt. Heute bieten 70 Prozent aller amerikanischen Hochschulen Service Learning an. Erst sehr viel später kam es in Deutschland auf: 2009 entstand das Hochschulnetzwerk "Bildung durch Verantwortung", in dem sich acht Hochschulen zusammenschlossen, die diese Lehrform anwenden wollten. Mittlerweile bieten mehr als 30 Hochschulen Service Learning-Programme an. Sozial- und Geisteswissenschaften sind zusammen mit den Wirtschaftswissenschaften am meisten mit Projekten vertreten, aber auch Politikwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin haben Service-Learning-Angebote. Einen großen Überblick findet man auf der Homepage des Hochschulnetzwerks Bildung durch Verantwortung.

Beispiele von Service-Learning-Projekten

  • Grandhotel Cosmopolis. Informatikstudenten der Hochschule Augsburg entwickeln ein EDV-System für das humanitäre und kulturelle Modellprojekt „Grandhotel Cosmopolis.“ In dem Hotel leben Flüchtlinge mit normalen Hotelgästen und Künstlern unter einem Dach.
  • Mechatronik hilft Menschen mit Behinderung. Studentische Teams der HS Augsburg haben in einer Behinderten-Einrichtung Maschinen entwickelt und aufgebaut. Alle Maschinen lassen sich über eine USB-Schnittstelle mit Computermäusen, Joysticks und Rollstuhl-Schnittstelle steuern.
  • Kuganda ist eine Initiative der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die es sich zum Ziel gemacht hat, Studierende bereits im Studium an die globale Aufgabe des gesellschaftlichen Engagements heranzuführen. Gemeinsam mit Partnerschulen, Bildungsinstitutionen und Universitäten werden staatliche Schulen in Uganda aus- bzw. aufgebaut und pädagogisch unterstützt.

Ein Gewinn für die Studierenden, die Uni und die Gesellschaft

Studenten helfen Schülern. Service-Learning-Projekt an der Uni Würzburg

Service Learning fördert sowohl den Praxisbezug der universitären Lehre als auch die Partizipation von Studierenden an der demokratischen Gestaltung des öffentlichen Lebens. In Zeiten der Bologna-Reform, wo einem immer wieder eingeschärft wird, dass es auf die Optimierung des Lebenslaufes durch Auslandserfahrungen ankommt und auf einen überdurchschnittlichen Abschluss in Rekord-Studienzeit, scheint für ein Leben, in dem man andere Menschen unentgeltlich unterstützt, kein Platz mehr zu sein.

Durch Service Learning wird das Ehrenamt in die Studienleistungen integriert. Das nützt den Studierenden, der Gesellschaft und der Uni. Die Unis können durch die Praxiserfahrungen der Studierenden vorhandene Theorien überprüfen und neue Erkenntnisse gewinnen. Die Studierenden trainieren soziale Kompetenz und entwickeln sich durch die Begegnung mit anderen, Hilfe bedürftigen Menschen weiter.

Und nicht nur das: Studien der Glücksforschung besagen immer wieder, dass anderen zu helfen, die zuverlässigste Methode ist, glücklicher zu werden. Denn man bekommt die Chance, sein Selbstbild zu ändern und sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen.

Links und Buchtipps

  • Anna Maria Baltes, Manfred Hofer, Anne Sliwka (2007): Studierende übernehmen Verantwortung. Service Learning an dt. Universitäten
  • Altenschmidt, Karsten (Hg.) (2009): Raus aus dem Elfenbeinturm? Entwicklungen in Service Learning und bürgerschaftlichem Engagement an deutschen Hochschulen. Weinheim, Basel: Beltz.

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