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March for Science Demo gegen Alternative Facts und Fake News

Mit dem "March for Science“ demonstrieren Wissenschaftler und Studenten weltweit am 22. April gegen Lügen und Tatsachenverdreherei. Auch in München plant eine Gruppe den Protestmarsch für die Wissenschaft. Warum engagieren sie sich?

Von: Vera Cornette

Stand: 19.04.2017

Donald Trump glaubt nicht an den Klimawandel, ist sicher, dass Impfungen schädlich sind und bringt „alternative Fakten“ vor.

Donald Trumps Verhältnis zur Wissenschaft ist angespannt. Staatlichen Behörden wie der Umweltorganisation EPA hat er bereits einen Maulkorb verpasst, den Nationalen Gesundheitsinstituten drohen massive Kürzungen. Viele Forscher bangen daher um ihre Zukunft. Seit Monaten bringen sie wichtige Daten in Sicherheit. Und sie planen den Protest: Ein Marsch für die Freiheit der Wissenschaft am „Tag der Erde“ – weltweit, auch in vielen deutschen Städten.

Fake News statt Fakten?

Die größte globale Demonstration von Wissenschaftlern wird hier bei Bier und Pizza geplant: Den March for Science durch München organisiert eine lose Gruppe von etwa 10 Leuten montagabends in einem Besprechungsraum im Norden der Stadt. An diesem Abend, zwei Wochen vor der Demo, sind unter anderem ein Astronom, eine Immunologin, Naturwissenschaftslehrerinnen und Informatiker da - eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe von Forschern. Sie eint, dass sie es nicht länger hinnehmen wollen, wenn Populisten Fake News und alternative Fakten verbreiten, statt naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu akzeptieren.

"Nicht nur Wissenschaftler und Studenten, sondern alle Bürger, die gegen Lügen und Tatsachenverdreherei - sog. Fake News, die wissenschaftliche Erkenntnisse in ein schlechtes und falsches Licht stellen - demonstrieren wollen, sind aufgerufen mitzumachen." Ein User von Campus Magazin Facebook

Seit Trump gewählt wurde, scheint Wissenschaftlern und Studenten die Lage besonders düster: Der US-Präsident ist Impfgegner und behauptete mehrfach, dass Impfungen Autismus verursachen.

„Ich bin Wissenschaftler und solche Aussagen von Trump, die stellen meinen Beruf infrage.“ Randolph Caldwell, Biologe.

Prostest gegen Donald Trump und Victor Orbán

Randolph Caldwell ist Zellbiologe am Münchner Helmholtz Institut und Organisator des Münchner March for Science. Er hofft, dass am 22. April in der bayerischen Landeshauptstadt mehrere tausend Menschen auf die Straßen gehen. Wissenschaftler, die ihre Stimme erheben, gegen Faktenverdreher wie Donald Trump und den ungarischen Präsidenten Viktor Orbán, der sich mit einem neuen Hochschulgesetz gegen die Central European University (CEU)  richtet. Der ungarisch-stämmige Milliardär George Soros hatte die Universität vor einem Vierteljahrhundert in Budapest gegründet, doch er gilt als Regime-Kritiker und soll nun die von ihm finanzierte Universität schließen.

Menschen informieren

Aber auch in Deutschland werden sachliche Diskussionen zunehmend durch emotionalen Schlagabtausch verdrängt, beobachten die Münchner Forscher. Unweit der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wollen sie deshalb am Tag der Demo Infostände aufbauen. Immunologin Madlen Steinert nimmt sich vor, auch viel mit Kindern zu sprechen - und so gegen Unwissenheit anzukämpfen.

"Ich habe es während meines Studiums gemerkt, da hatten wir Genetik und Gesellschaftsseminare. Ich habe Umfragen gemacht und die Bevölkerung gefragt, was sie von Gentechnik hält und da ist mir bewusst geworden, wie wenig die Menschen darüber wissen und wie wenig Ahnung sie überhaupt von der Wissenschaft haben.“ Madlen Steinert, Doktorandin

March for Science in vielen Städten weltweit

Für eine freie, unabhängige Wissenschaft und für faktenbasierte Politik gehen nicht nur Forscher in München auf die Straße, auch in knapp 20 anderen Städten in Deutschland sind solche Protest-Veranstaltungen geplant. Weltweit wollen sich über 430 Städte an der Groß-Demonstration beteiligen.

Das Datum des March for Science, der 22. April, wurde gewählt, weil am gleichen Tag der „Earth Day“ stattfindet. Ein Tag, der das Bewusstsein für Klimawandel und Umweltzerstörung stärken soll – was sich nur zu gut mit dem Anliegen der Science March-Teilnehmer deckt.

Die Banner sind fertig, die Bühne am Siegestor in München aufgebaut. Die große Frage: Können Randolph Caldwell und sein Organisationsteam auch Studenten für den March gewinnen? 5000 Menschen würde Caldwell gern auf der Straße sehen. Wir begleiten am 22. April die Organisatoren den ganzen Tag und sammeln Reaktionen - was treibt die Demonstranten zu diesem Marsch?

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