ARD-alpha - Campus Magazin


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Finanzierung Promovieren, aber wie?

Wenn man sich für die Promotion entscheidet, stellt sich natürlich die Frage der Finanzierung. Wie überall gibt es verschiedene Möglichkeiten. Campus Magazin stellt euch drei Doktoranden und die drei wichtigsten Wege vor.

Von: Anna Klühspies

Stand: 24.06.2015

Anstellung an der Uni, Stipendium oder Jobben sind grob zusammengefasst die Möglichkeiten, wie man während der Zeit seiner Doktorarbeit nicht nur von Wasser und Brot leben muss. Jede dieser Möglichkeiten hat Vor – und Nachteile, die jeder persönlich als stärker oder schwächer empfindet.

Die Anstellung

Stefan,  27 Jahre, promoviert in Europäischer Integration

"Wenn ich Fragen habe, muss ich einfach nur einmal den Gang runter zu meinem Professor. Das ist schon ein großer Luxus."

(Stefan)

Stefan hat sich ganz bewusst für eine Anstellung an der Uni entschieden. Das heißt, neben der Forschung an seiner Doktorarbeit gibt er Kurse an der Uni. Und finanziert sich so seinen Lebensunterhalt. Viel verdient er dabei zwar nicht, für ihn reicht es aber zum Leben. Stefan schätzt an dieser Art der Promotion vor allem die Nähe zu seinem Professor, der seine Doktorarbeit betreut.

Dass er sich so „halbieren“ muss, hat für ihn aber nicht nur Vorteile. Am Anfang, sagt er, war es schon schwer, seine Doktorarbeit und den Dozenten-Job unter einen Hut zu kriegen. "Aber jetzt hat sich das eingependelt.“

Vor- und Nachteil

+ enger Kontakt zum Professor
- Zerteilung in Doktorand und Dozent

Das Stipendium

Joana, 28 Jahre, promoviert in Sonderpädagogischer Frühförderung

"Der Vorteil ist, dass ich meine Zeit nur für meine Dissertation verwenden kann. Und wenn mal die Krippe streikt, wie im Moment ja häufig, dann ist das auch kein Drama. Dann teile ich mir meine Zeit einfach anders ein."

(Joana)

Joana muss sich nicht halbieren. Sie kann sich von zu Hause aus ihrer Doktorarbeit widmen. Dafür hat sie allerdings hart gearbeitet: Sie hat ein begehrtes Stipendium ergattert, das ihr finanzielle Unabhängigkeit gibt. Monatlich bekommt sie Geld vom evangelischen Studienwerk. So hat sie Zeit, sich neben ihrer Doktorarbeit auch noch um ihre kleine Tochter Ella zu kümmern.

So schön es ist, komplett frei darüber zu entscheiden, wann Joana an ihrer Doktorarbeit schreiben will, so hat für sie diese Form der Promotion auch Nachteile: Manchmal fühlt sie sich alleine mit ihrer Arbeit und wünscht sich eine Gruppe, in die sie eingebunden ist und wo man sich auch mal über wissenschaftliche Themen austauschen kann.

Vor- und Nachteil

+ finanzielle Unabhängigkeit
- einsamer Wolf-Gefühl

Der Job

Katharina, 26, promoviert in Germanistik

"Wenn ich ein Stipendium hätte, würde ich nur schlafen bis mittags. So habe ich feste Arbeitszeiten. Ich habe viel zu tun. Und das treibt mich eben auch an."

(Katharina)

Ganz anders macht es Katharina. Sie hat weder ein Stipendium noch eine Anstellung. Sie jobbt, um sich ihre Promotion zu verdienen - als Türsteherin. Für sie war es eine ganz bewusste Entscheidung, sich so die Doktorarbeit zu finanzieren: Frei sein von allen Zwängen, und neben dem theoretischen Stoff an der Uni erdet sie die praktische Arbeit als Türsteherin. Und noch einen weiteren Vorteil sieht sie im Jobben für die Promotion: Das Gefühl, eine Einzelkämpferin zu sein wie Joana hat Katharina nicht. Sie hat für sich den besten Weg zur Promotion gefunden.

Vor- und Nachteil

+ persönliche Unabhängigkeit
- komplette Eigenverantwortung für die Finanzierung

Diese drei Formen der Finanzierungsmöglichkeit finden sich auch in der strukturierten Promotion wieder.

Strukturierte Promotion

In der strukturierten Promotion, an sogenannten Graduate Schools, ist der Fahrplan für die Doktorarbeit genau festgelegt: Man hat im Durchschnitt drei Jahre Zeit. Nach erfolgreicher Bewerbung wird man in das Programm aufgenommen. Während der drei Jahre bekommt man eine engmaschige Betreuung, indem man seine Arbeit immer wieder vorstellt und diskutiert. Oft sind diese Programme sehr klein und die Plätze deshalb sehr begehrt. Die Studenten schätzen die familiäre Atmosphäre und die gute Betreuung. Noch macht die strukturierte Promotion nur einen kleinen Teil der gesamten Promotionen an deutschen Universitäten aus, Tendenz allerdings steigend.

Und obwohl das Rahmenprogramm festgelegt ist, muss man sich auch hier entscheiden, wie man seine Promotion finanzieren kann oder will. Viele Programme haben ein Stipendium eingeschlossen, manche bieten Stellen an der Uni an, bei anderen Programmen müssen sich die Teilnehmer selbst finanzieren.

Fazit

Am Ende gibt es also nicht DIE perfekte Finanzierungsmöglichkeit für eine Promotion. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welcher Typ er ist und wie er seine Promotion gestalten möchte.


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