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Damit's keine brotlose Kunst wird Musik + Business = Popakademie Mannheim

"Ohne Musik könnte ich nicht leben!" Das sagen Musiker gerne. "Von der Musik kann ich nicht leben...", sagen sie nicht so gerne, ist aber oft genau so wahr. Wie Musik und Business zusammenkommen, lernt man unter anderem an der Popakademie in Mannheim. Campus Magazin hat vorbeigeschaut.

Von: Nick Wiesner

Stand: 17.07.2017

Der kubische Bau an der Mannheimer Hafenstraße wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht anheimelnd, aber auf alle Fälle inspirierend.

Die Popakademie in Mannheim, ein inspirierender Bau.

Hinter ihm der Rhein-Neckar-Kanal, an dessen Ufern viel Industrie. Gegenüber dem Eingang der Akademie liegt eine umgebaute alte Fabrik mit Wohnungen, und das Jungbusch-Viertel, in dem die Akademie liegt, verbreitet eine vielschichtige Mischung aus Multikulti und Indie-Spirit: Wer an die Akademie kommt, findet eine Atmosphäre, in der unterschiedlichste Ideen gedeihen können und verschiedenste Talente ihren Platz finden.

BA Musikbusiness: Tourbetreuung für Felix Jaehn

Nina Becker, 24, studiert im 4. Semester den Bachelorstudiengang Musikbusiness. Schon bevor sie ihr Studium an der Popakademie begonnen hat, war sie beruflich in der Branche unterwegs, zum Beispiel im Tour- und Festivalmanagement, darunter in der Tourbetreuung für DJ-Größe Felix Jaehn. Nebenjobs im Business bringen ihr während des Studiums auch den einen oder anderen Euro. Ninas Liebe gehört dem Punkrock, offen ist sie aber natürlich auch für andere Genres.

"Ich komme schon aus der Live-Branche und hoffe auch, dass ich in Zukunft dort arbeiten werde, das heißt im Booking-Team, verbunden zum Beispiel mit einem Tourmanagement für Künstler. Ich habe hier an der Popakademie die Chance, viele Kontakte zu knüpfen und alle nötigen Grundlagen aus BWL und VWL zu lernen, um dann ins Live-Geschäft einsteigen zu können – und vielleicht sogar zusammen mit anderen Studierenden eine Agentur zu gründen."

(Nina Becker, 4. Semester BA Musikbusiness)

BA Weltmusik: "Aisha" singen mit Khaled

Hesham Hamra, 26, ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Seit Kindertagen spielt er die Oud, die arabische Laute, aus der im Abendland später die Gitarre wurde. Gespielt hat er 2013 auch schon mit dem weltbekannten Algerier Khaled ("Aisha"). In Damaskus, seiner Heimatstadt, möchte er auf die Musikhochschule, doch der Krieg macht jede Hoffnung zunichte, und wenn er bleibt, wird er sein Leben riskieren müssen. Nach Monaten der Flucht zu Fuß kommt er Anfang 2016 nach Deutschland - und hört über neue Freunde und alte Bekannte von der Popakademie.

Er besteht die Aufnahmeprüfung, inzwischen studiert er im 2. Semester Oud und Weltmusik. Die Band, in der er Kommilitonen, einen alten Freund und Studenten der Mannheimer Musikhochschule zusammengebracht hat, sprüht vor Können und Musikalität: Eine faszinierende Mischung aus orientalischer Musik, Jazz, Rock und Folklore - "Lost Origin", wie sie sich wahrscheinlich nennen wollen, könnten es vielleicht schon bald mit den Großen der Weltmusik aufnehmen.

"Musik kommt immer vom Herzen, von der Seele. Das ist wie die Liebe, man kann es eigentlich nicht erklären. Wenn dich jemand fragt: 'Woher kommt Liebe?', dann kann man das nicht beantworten. Sie kommt von überall. Musik ist eine Medizin für alles. Und was wir mit unserer Musik vermitteln möchten, sind Liebe, Hoffnung, Sehnsucht. Ich persönlich kann ohne Musik nicht leben."

(Hesham Hamra, 2. Semester BA Weltmusik)

Musik + Business = Popakademie Mannheim

Versehen mit einem sehr durchdachten Konzept bemüht sich die Popakademie Baden-Württemberg seit 2003, die Bereiche Musik und Business miteinander zu verbinden. Wer es hier künstlerisch schaffen möchte, sollte natürlich Talent und Willen mitbringen, denn die muss er bei der Aufnahmeprüfung vorweisen: Da müssen eigene Kreativität und ein Mindestmaß an Handwerk gezeigt werden - beide werden dann durchs Studium weiterentwickelt und gefördert.

Bei den Businessstudiengängen geht es nicht nur darum, für eine sich schnell wandelnden Musik- und Medienwelt gerüstet zu sein, sondern auch darum, eigene Ideen auf ihre Tauglichkeit zu prüfen und sie wo möglich und nötig in die Branche einzubringen.

Im Kreativzentrum lernen mit Musik auch Geld zu verdienen

Eingang zur Popakademie.

Die Popakademie Baden-Württemberg ist die einzige staatliche Hochschule für Popmusik und Musikbusiness in Deutschland – und sicher eines der spannendsten Kreativzentren im deutschsprachigen Raum. Ein Ort, an dem man sich Gedanken darüber macht, was Musik, Gesellschaft, Geschäft und Menschen gerecht wird. Das ist auch nötig, denn die Veränderungen in Medien und Industrie machen es zur Zeit nicht unbedingt einfach, als Musiker oder im Business zu reüssieren.

Thomas D. von den Fantastischen Vier sagte in einem Interview einmal "Rock'n'Roll ist eine Bezeichnung für jeden, der in seinem Leben versucht, sich eine persönliche Freiheit zu bewahren." In Mannheim kann man damit schon mal anfangen.

Info: Studium an der Popakademie Baden-Württemberg

Sie gilt als ein Kreativzentrum, ist die einzige staatliche Hochschule für Popmusik und Musikbusiness in Deutschland, und nicht wenige ihrer Studenten haben es weit gebracht: Die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim. Klingende Namen wie Cro, Joris, Alice Merton (sie, ihre Band und ihr Management kommen von der Popakademie), Max Giesinger, Frida Gold, Alina, Anika Nilles oder Get Well Soon sind direkt oder indirekt mit der Popakademie verbunden. Und rund 90% ihrer Absolventen haben unabhängig von ihrem Studienfach ein Auskommen als Musiker, Musikpädagogen oder im Musikbusiness gefunden.

Getragen wird die Popakademie vom Land Baden-Württemberg, der Stadt Mannheim, dem SWR und der Landeszentrale für Kommunikation Baden-Württemberg. Unterteilt ist die Popakademie in die beiden Fachbereiche Populäre Musik und Musik- und Kreativwirtschaft. Studieren kann man die Bachelorstudiengänge Popmusikdesign, Weltmusik, Musikbusiness sowie die Masterstudiengänge Popular Music und Music and Creative Industries. Letzterer geht über die reine Musikwirtschaft hinaus und umfasst Kulturwirtschaft und Kreativindustrie allgemein. Bedingung für die künstlerischen Studiengänge ist eine bestandene Aufnahmeprüfung, die zweimal im Jahr jeweils für das kommende Sommer- und Wintersemester stattfindet. Für die Businessstudiengänge gibt es Bewerbungsfristen.

Einzigartig in Deutschland ist der seit 2015 bestehende Studiengang Weltmusik, auf den die künstlerische Leitung des Hauses großen Wert legt: Der Studiengang soll helfen neue, grenz- und genreübergreifende Musik zu fördern, genauso wie er ein Schlüssel für das Zusammenleben der Kulturen sein soll.

Die Studiengänge werden abgerundet durch viele regelmäßige Projekte und Zusatzangebote - ein jährliches internationales Sommercamp, Singer- / Songwriterwochen oder ein Future Music Camp über die Aussichten und Möglichkeiten der Branche in der Zukunft, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Außerdem gibt’s eine eigene Künstleragentur, Existenzgründerberatung - und selbstverständlich eine weit reichende internationale Vernetzung mit Partneruniversitäten und Partnerorganisationen und der Industrie. Dem Zufall wird in Mannheim nichts überlassen, und die Möglichkeiten, hier das Passende für die eigenen musikalischen oder kreativ-geschäftlichen Ambitionen zu finden, sind wirklich breit gefächert: www.popakademie.de


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