ARD-alpha - Campus Magazin


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Pragmatische Ego-Taktiker? Wie politisch sind Studierende?

Regelmäßig behaupten Studien, die Studenten würden immer unpolitischer. Angeblich sind sie pragmatisch, angepasst, und halten Diskurse für Zeitverschwendung. Aber stimmt das so? David Hang macht den Test.

Von: Andrea Mittlmeier

Stand: 02.12.2014

Alle paar Jahre fühlt die Uni Konstanz den deutschen Studenten auf den Zahn: Im Wintersemester 2012/2013 wurden über 100.000 Studierende an 14 Unis und 11 Fachhochschulen unter anderem zu ihren gesellschaftlichen Werten und demokratischen Einstellungen befragt. Das Ergebnis: Es geht immer weiter bergab mit uns.

Fachschaftsarbeit? Arbeitskreise? Demo organisieren? Ach nö…

Einen absoluten Tiefstand verzeichnen die Wissenschaftler von der Uni Konstanz bei der Frage: "Wie wichtig ist Ihnen persönlich Politik und Öffentliches Leben als Lebensbereich?" Zum ersten Mal seit 20 Jahren halten mehr Studenten Politik für gänzlich unwichtig (29 Prozent) als für sehr wichtig (24 Prozent). Und auch die Frage nach dem allgemeinen Interesse am politischen Geschehen lässt diesen Trend erkennen: Im Jahr 2001 stuften noch 45 Prozent der Studierenden ihr Interesse als sehr stark ein. 2013 sagen das nur noch 32 Prozent. 

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), deren Ministerium die Studie in Auftrag gibt, zeigt sich wegen der Ergebnisse besorgt. Immerhin seien die Studenten die künftigen Eliten des Landes. "Gerade zum 25. Jahrestag des Mauerfalls kann ich nur eindringlich an die junge Generation appellieren, die politische Freiheit im Land zu nutzen und auch für die Belange von Studierenden aktiv zu werden", sagte die Ministerin bei der Vorstellung der Studie. Und auch die darauf folgenden Erklärungsversuche in den Medien zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild von den heutigen Studenten: "Heute mal nicht die Welt retten", "Generation Privatleben", "Generation Ich" lauten die blumigen Titel. Aber mal ganz ehrlich: Das sind doch nicht wir! Oder?

David Hang mit dem BR-Filmteam

David macht sich also auf die Suche. Denn: In Studien wie dem Studierendensurvey werden seit 20 Jahren die gleichen Fragen gestellt. Man soll sagen, ob man eher links oder rechts ist, und mit welcher (partei-)politischen Grundhaltung man am ehesten sympathisiert. Aber vielleicht entscheiden das die heutigen Studenten ja je nach Thema?

Können Gratis-Brezeln die Wahlbeteiligung steigern?

Netzjournalistin Kathrin Hollmer

Außerdem fällt den Autoren der Studie auf, dass immer mehr Studenten sich nicht zu einer klaren Meinung bekennen. Die Antworten in der Mitte dominieren. Allerdings klingen die zu bewertenden Aussagen manchmal auch arg vereinfacht: "Der gegenseitige Wettbewerb zerstört die Solidarität der Menschen" – wo soll man bei so einer Aussage bitte sein Kreuzchen machen?! "Die Welt ist komplexer als Eure Studie!", will man Autoren an den Rand des Fragebogens schreiben, aber dann ist man artig und kreuzt eben doch die Mitte an.

Aber zurück zu Davids Suche: An der Uni München trifft er Studenten, die die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich in der richtigen Reichenfolge aufzählen können.

Hurrelmann: Heimliche Revolutionäre

Er spricht mit einem Politikdozenten über seine Erfahrungen aus den vergangenen 16 Jahren Lehrtätigkeit, und er erfährt von der Fachschaft, dass manchmal noch nicht mal Gratis-Brezeln dabei helfen, die Wahlbeteiligung steigern. Die junge Netz-Journalistin Kathrin Hollmer erklärt ihm, welche Möglichkeiten der politischen Beteiligung das Web 2.0 so bietet und auch der Sozialforscher Klaus Hurrelmann sieht nicht ganz so schwarz für die "Heimlichen Revolutionäre" der Generation Y.


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