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"Muss nur noch kurz die Welt retten" Studierende machen mobil für Nachhaltigkeit

Erst war das Schlagwort nur eingefleischten Naturschützern bekannt, denn der Begriff stammt ursprünglich aus der Waldwirtschaft. Heute liegt Nachhaltigkeit an den Unis im Trend. Campus Magazin stellt nachhaltige Projekte an Unis vor.

Von: Monika Haas

Stand: 22.11.2016

Nachhaltigkeit – was ist das überhaupt?

Universitäten, Arbeitgeber und die Produkte vieler Unternehmen wollen heute nachhaltig sein: ein inflationär gebrauchter Begriff, oft ein Werbeslogan. Im Kern geht es bei Nachhaltigkeit um besseren Umweltschutz und um eine sozialverantwortliche und ressourcenschonende Wirtschaftsweise. Nachhaltigkeit soll die begrenzten Lebensgrundlagen auch für künftige Generationen erhalten. Seit der Klimawandel sogar die Weltpolitik zum Handeln bewegt, ist aus einem belächelten Ideal der anfangs sogenannten „Öko-Freaks“, eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft geworden - auch für immer mehr Studenten in ganz Europa, so das Ergebnis einer Studie der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) .

Auf nachhaltiger Mission in der UN

Rupert Heindl als UN-Jugenddeligierter

Neben seinem Studium ist Rupert Heindl oft unterwegs in Sachen Nachhaltigkeit: Er geht an Schulen, zu Vereinen, aber auch nach Washington zu den Vereinten Nationen, kurz UN (United Nations) genannt, und zum  Klimagipfel in Paris und Marrakesch. Der Grund: Rupert ist deutscher UN-Jugenddelegierter 2015/16. Aufklären daheim vor Ort  - und für mehr Mitsprache in der internationalen Politik kämpfen, das ist seine Aufgabe. Sie wird ihn mindestens ein Semester an der Uni kosten. Denn normalerweise studiert Rupert in München Religionslehre und Maschinenbau. 

Selfie mit Bundespräsident Joachim Gauck

Für das zweijährige Ehrenamt bei den UN kann sich übrigens jeder ab 18 Jahren bewerben. Rupert brachte Erfahrung mit: er ist Landesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern und kämpft mit seinen Mitstreitern für die Zukunft des ländlichen Raums - in Zeiten des Umbruchs. Als Sohn von Landwirten, die in den 1990er Jahren von „konventionell“ auf „bio“ umgestiegen sind, kennt er sich in Fragen von Ökologie und Ökonomie gut aus. Der Umgang mit Pestiziden oder Düngemittel in Bayern beschäftigen ihn, ebenso wie die Schattenseiten des internationalen Handels auf die Entwicklungsländer. Beispielsweise der Gensojaanbau  für deutsche Kühe in Südamerika, der die dort ansässigen Bauern verdrängt. 2017 will Rupert seinen Master machen und dann Berufsschullehrer für Religionslehre und Maschinenbau werden. Er könnte sich aber auch vorstellen, sein Engagement für mehr Umweltschutz zu seinem  Beruf  zu machen, z.B. bei einer NGO.

Eine echte Öko-Uni gibt’s schon

Studenten bei der Aktion zur "Zero-Waste-Intitiative"

Nachhaltiges Engagement aus Tradition kann auch eine ganze Universität prägen: wie die Leuphana in Lüneburg, in der Region Wendland, die geprägt war vom langjährigen Widerstand gegen das Atommüll-Endlager Gorleben. Die Universität ist eine der Unis beim Thema Umweltwissenschaften.  Hier hat die weltweit einzige Fakultät für Nachhaltigkeit seit 2010 ihren Standort. Und gut sechzig aktuelle Initiativen von Studierenden, die sich für eine verantwortungsvollere Lebensweise engagieren: ob direkt am Campus, in der Stadt oder bei internationalen Projekten. Studierende machen hier die Uni nachhaltiger und wollen ihr eigenes Konsumverhalten umweltverträglicher gestalten – ob im Campus-Biotop, am Campus Wochenmarkt oder bei der neuen Zero-Waste Initiative. Vier der vielen aktiven Studierenden sind Ricarda Hille und Henrik Siepelmeyer, beide studieren Environmental and Sustainability Studies, sowie Lea Konow und Laura Grabach-Witte, beide im 5. Semester Umweltwissenschaften.

Und wie wird es weitergehen?

Mit 15 von der UN ausgezeichneten Nachhaltigkeitsprojekten nimmt die Leuphana in der deutschen Hochschullandschaft eine Vorreiterrolle ein, bei nur 8000 Studierenden.

UN-Jugenddeligierte mit Ban Ki-moon

Seit 2010 sind bundesweit aber immer mehr Universitäten und Hochschulen aktiv im eigenen Umweltmanagement und unterstützen Nachhaltigkeits-Initiativen ihrer Studenten. Ein Grund für die Aufbruchsstimmung ist die Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands. Sie setzt die Ziele der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und das neue Weltaktionsprogramm für Nachhaltigkeit national um. Gerade in kleineren Uni-Städten tut sich viel, z.B. in Tübingen, Freiburg, Wuppertal oder Chemnitz. I

UN-Jugenddeligierte in Aktion

In Bayern sind die Universität Eichstätt oder die OTH Amberg-Weiden Pioniere mit ihren Schwerpunkten in Nachhaltigkeits- und Umweltfragen. Besseres Umweltmanagement am Campus ist dabei nur  ein Ziel. Das andere: immer neue  Studienangebote rund um das Thema Nachhaltigkeit. Denn  das Interesse Studierwilliger steigt, genauso wie der Bedarf an Experten, die Umweltfragen, soziale Nachhaltigkeitsziele und ressourcenschonende Wirtschaftskreisläufe verstehen und kombinieren können. Ein echtes Zukunftsthema: Global denken – lokal handeln, immer mehr Studierende finden das wichtig.


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