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Soziale Arbeit und Sozialpädagogik Ein Studium für Leute mit Herzensverstand

Birkenstocktragende Öko-Freaks und selbstlose Weltverbesserer, oder wer gar keinen Plan hat, was er studieren soll - das sind die Leute, die Sozialpädagogik alias Soziale Arbeit studieren. Ist das heute noch so? Fakt ist: Von diesem Klischee ist so gut wie nichts mehr übrig! Campus Magazin zeigt, wer wirklich hinter den Sozialarbeitern der Zukunft steckt.

Von: Sonja Vodicka

Stand: 16.01.2017

2016 war Sozialarbeiter der gefragteste akademische Beruf des Jahres, nicht zuletzt wegen der Flüchtlingsthematik in Deutschland. Manche Experten sprechen sogar von einem "sozialpädagogischen Jahrhundert". Die Arbeitslosenquote bei den rund 12 000 Absolventen bundesweit liegt quasi bei Null. Wie der Studien- und Arbeitsalltag von heutigen Sozialpädagogen und Sozialarbeitern aussieht und was dieser Beruf mit einem macht, das zeigt das Campus Magazin am Beispiel zweier Studierenden der Sozialen Arbeit aus München und Eichstätt.

Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik?

Die Soziale Arbeit ist ein Oberbegriff. Er umfasst verschiedene Tätigkeitsfelder, unter anderem den der Sozialpädagogen. Die Begriffe Sozialpädagogik und Soziale Arbeit können mittlerweile synonym verwendet werden. Es gilt: Sozialpädagogik ist ein Bereich der Sozialen Arbeit.

Bibel der Sozialpädagogik, ohne Gesetzestext geht nichts

Auch den Studiengang unter dem Begriff "Sozialpädagogik“ gibt es durchaus noch, wenn auch meist nur an einigen, wenigen Universitäten, zum Beispiel an der Universität Bamberg. Wer sich näher informiert, landet bei den meisten Hochschulen dann aber doch bei der "Sozialen Arbeit“. Die Sozialpädagogik, so scheint es, wurde weitgehend gestrichen. Aber: Auch hier "versteckt“ sie sich häufig in anderen Studiengängen oder als Teilbereich der Sozialen Arbeit.

Vorlesungen mit viel Theorie gehören auch dazu

Wer Soziale Arbeit im Bachelorstudiengang studiert, sollte das Ziel haben zur Lösung sozialer Probleme beizutragen. Dafür bekommen die Studierenden unterschiedliche Werkzeuge an die Hand: sie lernen Methoden und Theorien der Sozialforschung kennen, gesellschaftswissenschaftliche Grundlagen in Politik, Recht und Wirtschaft, aber auch praxisnahe Fächer, wie Psychologie und Pädagogik. Großen Wert legt das Studium auf den Erwerb von Kompetenzen "im Feld“, also im direkten Kontakt mit den Menschen, die Unterstützung brauchen.

Sabine bei ihrem Praktikum mit Kindern

Auch Fremdsprachen werden angeboten. Praktische Semester im künftigen Berufsfeld sind üblich. Die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit lassen sich überall dort finden, wo Menschen in unserer Gesellschaft Unterstützung brauchen. Zum Beispiel in Beratungsstellen, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, in Jugend- und Sozialämtern, in Einrichtungen des Gesundheitswesens, in der sozialen Stadt- und Regionalentwicklung, der Bewährungshilfe, der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder mit Menschen mit Behinderungen und alten Menschen. Übrigens, Soziale Arbeit zu studieren ist keine brotlose Kunst: Das Einstiegsgehalt für Studienabgänger liegt bei ca. 2900 Euro, in Führungspositionen kann man bis zu 4300 Euro brutto verdienen.

"Die Arbeit mit den Menschen und am Menschen hat mich schon immer fasziniert, da habe ich gedacht, da passt Soziale Arbeit einfach perfekt dazu. Man kann auch nach dem Studium so viele Wege einschlagen, ins Management gehen, aber auch in die Hilfen z.B. in die Jugendhilfe."

Clemens Schiegerl, Student der Sozialen Arbeit an der Hochschule in Eichstätt

"Ich finde, dass man in dem Studium sehr viel bewegen kann, dass das eine sehr sinnstiftende Aufgabe ist. Das macht es für mich unheimlich wertvoll, auch fürs tägliche, normale Leben."

Sabine Kronauer, Studentin der Sozialen Arbeit an der Hochschule in München

A.p.e. e.V. -weil das Leben nicht immer auf vier Rädern läuft

Der gemeinnützige Verein A.p.e. e.V. ist ein Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe und arbeitet Hand in Hand mit der öffentlichen Jugendhilfe und den Jugendämtern zusammen. Kinder und Jugendliche, die durch krisenhafte familiäre Situationen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sind, müssen durch das Jugendamt aufgefangen werden. Auch das Jugendamt ist ein klassisches Arbeitsfeld für Sozialpädagogen; hier wird der jeweilige Hilfebedarf einer Familie festgestellt. Oft sind wichtige Entscheidungen zu treffen, die entscheidend für die gesamte weitere Lebensperspektive eines Kindes sein können.

Auf der Ape fahren macht allen Spaß

A.p.e. steht für ambulantes pädagogisches Einsatzteam, aber mittlerweile ist A.p.e. mit ihrem therapeutischen Mutter-Kind-Haus auch stationär unterwegs. Ein kleines italienisches "Dreirad"- mit dem gleichnamigen Namen Ape begleitet mit einem symbolischen Leitspruch die Arbeit der Sozialpädagogen: "....weil das Leben nicht immer auf vier Rädern läuft". Neben seinen rund 50 pädagogischen Fachkräften, meist Sozialpädagogen, bietet der Verein auch Studenten die Möglichkeit eines (Semester-)Praktikums.

Es geht in diesem Praxisfeld der Sozialen Arbeit, ob man nun im Jugendamt arbeitet oder bei einem freien Träger der Jugendhilfe, also immer um junge Menschen in Krisensituationen, die einen Anspruch auf Hilfe haben, so steht es im Kinder und Jugendhilfegesetz. (KJHG) 

Daniela Huber (li.) zusammen mit Claudia Daniel. Sie haben den Verein a.p.e. e.V. 2006 gegründet.

"In diesem Beruf braucht man Empathie, Menschenkenntnis und einen ausgeprägten Herzensverstand. Es ist die Haltung im Kontakt mit Menschen, auf die es ankommt. Nicht alles, was für unsere Praxisfelder so wichtig ist, lernt man im Studium. Ein gutes Bauchgefühl, die Kompetenz, sich auf sein Gegenüber einzulassen gehören hier sicher zu den wichtigsten Eigenschaften, die einen guten Sozialarbeiter ausmachen."

Daniela Huber, Sozialpädagogin, Familientherapeutin

Daniela Huber leitet gemeinsam mit Claudia Daniel den Verein A.p.e. e.V.. Daneben hat sie auch Lehraufträge an der Universität Eichstätt und kommt in ihren Seminaren regelmäßig mit jungen Menschen zusammen, die in ein paar Semestern selbst mitten in der Praxis stehen.


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