ARD-alpha - Campus Magazin


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Mädchen für MINT Go for it!

Sie sind längst keine Mädchen mehr, aber auch Magdalena, Bianca, Sayuri und Monika standen einst vor einer schwierigen Entscheidung. Sie haben sich getraut, ein MINT-Fach zu wählen - und sind glücklich damit.

Von: Friederike Kühn/Nicole Ficociello-Szober

Stand: 20.04.2015

Selbst überdurchschnittlich begabte junge Mädchen und Frauen entscheiden sich oft gegen ein MINT-Fach als Leistungskurs oder bei der Studienwahl. So war es zuerst auch bei Bianca:

"Ich war auf der Fachoberfachschule und eigentlich überall gut. Am Ende mussten wir uns spezialisieren auf Wirtschaft, Technik oder Soziales. Ich habe mich für den sozialen Zweig entschieden wie alle Mädchen in meinem Jahrgang. Technik galt als zu schwierig. Im Nachhinein hätte ich mich viel leichter mit dem Einstieg ins Studium getan, wenn ich den Technikzweig gewählt hätte, aber das stand damals gar nicht zur Debatte."

Bianca Monzer, Studentin der Ingenieurwissenschaften an der TU München

Der Freund ihrer Schwester, ein passionierter Ingenieur, riet ihr dann, Ingenieurwissenschaften zu studieren. Im Endeffekt für Bianca ein Glücksfall, auch wenn das Studium alles andere als einfach ist.

"Alle, mit denen man sich unterhält, waren in der Schulen die Besten. Hier nicht mehr! Bis auf die paar wenigen Überflieger, merken alle: Man bewegt sich eher im Mittelfeld."

Bianca Monzer

Bianca hat sich durchgebissen. Ihr Ingenieurstudiengang an der TU München ist interdisziplinär: Mathematik und Mechanik, Elektrotechnik, auch Quantenphysik: "Da versteht man ein Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln – das fasziniert mich." Allen jungen Frauen, die bereit sind, sich am Anfang ein bisschen zu quälen, rät Bianca auf jeden Fall ein MINT-Fach zu studieren.

Genauso wie Magdalena Hutter. Sie findet es witzig, dass alle immer ganz baff sind, wenn sie erzählt: "Ich studiere Elektro- und Informationstechnik." In ihrem Studium fühlt sie sich ganz normal, auch wenn der Frauenanteil nur bei 12,5 Prozent liegt. Sie fordert: Schluss mit der Gender-Debatte. Quoten für Frauen in Führungspositionen lehnt Magdalena genauso ab wie Förderseminare für Studentinnen in ihrem Fach. Sie will keine Extrabehandlung, schließlich sei es für Männer und Frauen die gleiche Herausforderung.

Das findet auch Sayuri Hahl, die Molekularbiologie und Mathematik studiert hat und jetzt ihre Doktorarbeit schreibt:

"Wenn man wirkliches Interesse hat und schon in der Schule merkt, dass einen Technik oder Naturwissenschaften faszinieren, sollte man es auf jeden Fall probieren und sich nicht abschrecken lassen. Es ist immer eine Herausforderung, aber das ist Geschlechter unabhängig."

Sayuri Hahl

Ihr Vater, ein Germanist, hat Sayuri zugeraten: Die Berufsaussichten mit Naturwissenschaften seien besser als mit Geisteswissenschaften.

Monika Wintergerst ist 22 und studiert Informatik mit einer Spezialisierung auf Games Engineering. Sie hat sich entschlossen, am Programm "Cybermentor" teilzunehmen. Online berät sie junge Mädchen, die Fragen zu MINT-Fächern haben. Eine mögliche Sorge kann man ihnen zumindest gleich nehmen. Frauen in technischen oder naturwissenschaftlichen Fächern müssen keineswegs unweiblich sein: im Gegenteil!

Mädchen für MINT

Mentorinnen-Programm

CyberMentor heißt Deutschlands größtes E-Mentoring-Programm für Mädchen in MINT. Schülerinnen der 6. bis 12. Klasse werden ein Jahr von einer persönlichen Mentorin begleitet, die als Rollenvorbild zu MINT-Aktivitäten anregt und Hinweise zur Studien- und Berufswahl gibt. Das Mentoring erfolgt über eine geschützte Online-Plattform mit Mail, Chat und Forum und wird durch vielfältige Informationen zu MINT, Studium und Berufswahl unterstützt.

MINT-Orientierungsstudium

Jedes Sommersemester bietet die TU München einen Überblick über die Studiengänge der Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften an. Parallel dazu werden die TeilnehmerInnen gezielt auf ein technisch-naturwissenschaftliches Bachelorstudium vorbereitet und können herausfinden, ob ein MINT-Studium tatsächlich ihren Fähigkeiten entspricht. Die AbsolventInnen des Pilotjahrgangs 2014 bewerteten das Programm in der Mehrheit als „sehr hilfreich“ bei Studienwahl und Studienvorbereitung. Der Großteil hat ein Bachelorstudium an der TU München aufgenommen. Mit 40 Prozent liegt die Frauenquote im "studium MINT" weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt in den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Fächern.


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